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35.900 BesucherInnen verzeichnete die Ars Electronica 2008 und zieht eine positive Bilanz.
Das Thema der Ars Electronica 2008 war A New Cultural Economy. Es ging dabei um nicht weniger als um eine neue Form - eine neue Haltung - im Umgang mit Wissen. "Wissen ist Macht", Francis Bacon formulierte das schon im 16. Jahrhundert und die französischen Enzyklopädisten wussten 200 Jahre später ihre freiheitlichen Gedanken geschickt in einem Lexikon zu tarnen.
Noch einmal 200 Jahre später hat die "Erfindung" des Internet, genauer gesagt Tim Bernes-Lees Erfindung des World Wide Web (WWW) den Zugang zum Wissen revolutioniert. Wer heute, knapp 20 Jahre nach Lees Erfindung das Web aufsucht, findet unzälige Seite mit Informationen, Texten, Bildern und mittlerweile auch Audio- und Videodateien. Wer kennt und nutzt sie nicht die Seiten von wikipedia, die Datenbanken der Telefonauskunft oder die Suchmaschinen von Google.
Doch die große Informationsfreiheit ist in Gefahr, das machten die Diskussionen in Linz deutlich. Privatisierung der Internetzugänge, Kontrolle der Verwendung von Dateien, die Machtkonzentration beim Internet-Giganten Google sowie die angestrebten Verschärfungen des Urheberrechts (engl. copyright) könnten den freien Zugang zum Wissen einschränken.
Die radikalste Forderung stellte in diesem Zusammenhang wohl Leonhard Dobusch auf: Aus dem verbrieften Grundrecht auf freie Meinungsäußerung leitete er eine Verpflichtung der Kommunen ab, freie Zugänge zum Internet im öffentlichen Raum bereitzustellen. Der Zugang zum WLAN am Stadtplatz als Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge. Wer also die Ars Electronica in Linz nur als Festival für Medienkunst begreift, der greift zu kurz. Linz steht für den Ort des freien Gedankenaustausches über die Fragen, die die Weichen für die zukünftige gesellschaftspolitische Entwicklung weltweit stellen.
Die Festivalleitung geht beim Thema freier Wissenszugang mit bestem Beispiel voran: Das Archiv der letzten Ars Electronicas steht offen für den Download von Textdateien, Audio- und Videodateien - und das ganz legal. Ein gutes Beispiel, dem andere Wissensspeicher wie Universitäten oder Fachhochschulen durchaus nacheifern sollten.
Links:
- Ars Electronica (Homepage)
- Ars Electronica (Archiv)
Fotos:
- Gerfried Stocker (Leiter des Ars Electronica Centers)
- Joichi Ito (Kurator des Symposiums)
9.09.08 - michael kroll
