"Ich geh für dich durchs Feuer"
Zwischen CDs, Kalendern, Teddybären, Feuerzeugen, Trucks und Kugelschreiber – also im Fanshop – treffen wir uns vor dem Konzert mit den „Amigos“ in der Straubinger Fraunhofer-Halle. Die Amigos, das sind die Brüder Bernd und Karl-Heinz Ulrich aus dem hessischen Vogelsberg. Die Amigos machen von Kindesbeinen an Musik, ihre riesige Fangemeinde nimmt selbst weite Wegstrecken in Kauf, um live ein Konzert mitzuerleben.
Aus bescheidensten Verhältnissen stammend, haben es Bernd und Karl-Heinz zu Starruhm auf dem Sektor volkstümlicher Schlager gebracht. Hatten sich ihre Eltern buchstäblich das Geld für die ersten Instrumente vom Mund abgespart, nahm die Karriere des Duos einen steigen und steigenden Verlauf. Und es waren und sind die Fans, die die Amigos ganz nach oben brachten. Nicht eine große Marketing-Maschinerie oder die Plattenindustrie haben die beiden gemacht, mit ihren Songs, Texten und der Präsentation haben sich die Amigos auf Anhieb in die Herzen ihrer Fans gesungen. Texte und Inhalt der Amigo-Songs sind voll aus dem Leben gegriffen, ehrlich empfunden, authentisch und für alle Zuhörerinnen und Zuhörer nachzuempfinden.
Musik war von jeher das Hobby der Brüder, sie stammen aus einer Arbeiterfamilie mit drei Kindern (die Amigos haben noch eine Schwester), aus dem Freizeitvergnügen wurde ein Beruf, Musik stellte sich als die wahre Berufung der Brüder Ulrich heraus. Der ältere, Karl-Heinz, spielt Gitarre, Bernd, ursprünglich auch singend am Schlagzeug aktiv, ist „die Stimme“ der Amigos. Im Elterhaus hatten sie einen Probenraum eingerichtet, der bald zu eng wurde, der Vater ermöglichte einen Anbau, heute befindet sich dort das Tonstudio der Amigos. Schritt für Schritt arbeiteten sich die Brüder nach oben. Sie spielten für Tanzveranstaltungen, auf Faschingsbällen, auf Jahrmärkten und tingelten von Ort zu Ort. Schließlich entstanden 1970 die Amigos. 1985 verstarb der Keyboarder der Amigos, sein Ersatzmann an den Tasteninstrumenten erlag 2000 nach einem Schlaganfall.
Interview
Seit 2000 spielt ihr beiden allein ohne Begleitband und ohne Keyboarder, ein Duo allein auf der Bühne ist eher selten.
Karl-Heinz: Nach dem Tod unseres Keyboarders hatten wir den Gedanken aufzuhören. Wir hatten bis dahin komplett live gespielt, heute werden Keyboard und Bass dazu gemischt. Natürlich ist alles, was wir beide auf der Bühne machen live, sonst würden wir daheim bleiben.
Aber alleine könnt ihr doch den ganzen logistischen Aufwand nicht bewerkstelligen.
Bernd: Unsere 14-köpfige Begleitcrew hat der Konzertveranstalter angemietet, sie reist in einem großen Truck mit und wird im zweiten Teil des Konzerts von uns auch auf der Videoleinwand vorgestellt. Wir selbst reisen in unseren Privatautos an. Im Tourbus reist der Tourneeleiter mit, der auch den Fanshop betreut.
Wie wichtig ist so ein Fanshop für Künstler?
Bernd: Wir betrachten den Fanshop nicht als Zubrot, bei den niedrigen Preisen kann man damit auch nicht reich werden. Um viele Artikel werden wir gebeten. Neulich verlangte zum Beispiel ein Fan einen Kalender, also nahmen wir einen in unser Sortiment auf. T-Shirts gehören schon zum Standard, damit bekennen sich die Fans zu uns.
Im Gegensatz zu TV-Auftritten mit Playback, was bedeutet euch die Live-Atmosphäre bei Konzerten?
Bernd: Die Nähe zum Künstler bei den Live-Konzerten ist ein Teil unseres Erfolges. Vor allem unsere lebensnahen Texte kommen von Herzen und gehen zu Herzen. Es ist wichtig, die Reaktionen der Fans mitzuerleben. Vor kurzem bekamen wir einen Brief in den Backstage-Bereich, mit einem Liederwunsch einer vom Schicksal gebeutelten Familie. Den haben wir natürlich erfüllt, obwohl es ein Lied war, das eigentlich nicht für unser Bühnenrepertoire vorgesehen war.
Wie wichtig ist der direkte Kontakt zu euren Fans?
Karl-Heinz: Wir wollen lieber Musikanten als Stars genannt werden. Viele Menschen halten uns für etwas Besonderes, aber das sind wir nicht. Neulich stand ein Reisebus aus Dresden vor meinem Haus. Man hatte die Adresse über das Einwohnermeldeamt herausgefunden. Zufällig war ich gerade zu Hause und ging zu den Leuten hinaus. Eine Frau weinte vor Freude. sie war extra aus Dresden zum Vogelsberg gereist, um zu sehen, wie ich wohne. Unser Bürgermeister wird jeden Tag angerufen und nach uns gefragt. Für uns eine große Ehre. Im Rampenlicht zu stehen, ist aber nicht immer einfach.
Konzertkarten sind teuer, viele Leute müssen lange auf Tickets sparen…
Bernd: Wir achten darauf, dass auch die besten Plätze noch erschwinglich sind. Keine Karte darf über 40 Euro kosten. Wer die Amigos hören will, soll sie auch hören können. Gestern in Ludwigshafen gab ich dem Hausmeister der Veranstaltungshalle eine Karte, damit er sie an einen Fan weitergibt, der sie sich nicht leisten konnte. Damit schaden wir keineswegs unserem Veranstalter. Wir tun das auch nicht zu Werbezwecken, sondern aus Menschlichkeit.
Schreibt Ihr alle Eure Songs selbst?
Bernd: Ja, bis jetzt haben wir alle unsere Songs selbst geschrieben. In Zukunft nehmen wir wohl auch gute Angebote von außen an, da uns durch das Touren einfach die Zeit zum Schreiben fehlt. Und wir legen großen Wert darauf, keine Füller, Titel, die eigentlich durch unser Raster fallen, nur um eine CD voll zu kriegen, einzuspielen. Jedes Lied muss gut sein.
Das stimmt, man kann bei Euren CDs super entspannen…
Bernd: In unserem Gästebuch gibt es viele derartige Einträge. Es ist schön für uns zu sehen, wie wir den Alltag und das Leben der Menschen mitgestalten. Schaut doch auch mal rein unter www.die-amigos.de!
Impressionen Konzert
Die Fraunhofer-Halle ist voll bis auf den letzten Platz. Stimmung vom ersten Akkord an. Fast alle Titel singt das Publikum mit. Feuerzeuge bei „Ein Tag im Paradies“, „Engel der Liebe“ und „Ich habe dir mein Wort gegeben“. Filmeinspielungen untermalen das Konzert: „Mein Sohn, der Trucker“ (Bernd selbst war jahrelang auf den Autobahnen als Trucker zuhause, heute ist sein Sohn mit dem Gespann unterwegs) wird tatsächlich von einem „Video-Truck“ begleitet, entsprechende optische Untermalung zu jedem Schlager. Bernd und Karl-Heinz geben ihr Bestes. Sie verausgaben sich für ihre Fans, der Schweiß rinnt ihnen von den Stirnen.
Die Amigos präsentieren sich im Partnerlook, schwarzer Anzügen mit Glitzer-Streifen. Die schwierige Akustik der Halle meistern die Tontechniker fabelhaft, die ausgeklügelte Beleuchtung unterstreicht den positiven Gesamtcharakter, die Lautstärke ist angenehm.
Emotionale Ansagen beziehen das Publikum aktiv ins Konzert ein. Zuschauer, besonders die weiblichen Fans und Kinder, kommen mit Blumen an die Rampe. Nach der Pause ein neues Outfit des Duos, weiße Hose und schwarzes Glitzerhemd. Die Lieder werden sanfter, das Licht milder. Im Publikum werden Leuchtstäbe geschwenkt.
Dass die Lieder der Amigos nicht nur ein Heile-Welt-Klischee besingen, lässt sich an einigen Titeln festmachen. Sie beweisen, dass man auch mit leichter Unterhaltung soziales und politisches Engagement zeigen kann. So setzten sich Bernd und Karl-Heinz Ulrich – nicht nur in dem Song „Gebrochene Kinderherzen“ – gegen Kindesmissbrauch und für die konsequente Verfolgung von pädophilen Straftätern ein. Kämpferisch ruft Bernd ins Mikro: „Härtere Strafen für diese Schweine!“
Impressionen Fans
Ein weiblicher Fan:
Meine Begleitung und ich kommen aus Kirchroth. Auch das Konzert in Essenbach haben wir besucht. Wenn die Amigos in der Gegend spielen, reisen wir auf jeden Fall hin. In der Pause werde ich mir die Fanartikel noch genauer ansehen… Jetzt freue ich mich aber auf das Konzert!
„Ein Kleeblatt“ aus Pilling
Wenn bei in Straubing was los ist, gehen wir hin. Am liebsten besuchen wir Konzerte oder Unterhaltungsveranstaltungen. Es macht uns einfach Spaß im Kreise von Gleichgesinnten einen netten Abend zu verbringen. Und das Amigos-Konzert wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen, Fan-Artikel haben wir schon per Internet bestellt.
Zwei Fans
Wir kennen die Amigos von ihren Auftritten aus dem Fernsehen und wollen sie jetzt unbedingt live erleben. Sie machen genau unsere Musik, mit dem Schlager können wir uns identifizieren. Das hilft, Abstand von den Alltagsproblemen zu gewinnen gewinnen.
Kulturjournal-Leser und Amigo-Fans aus Regenstauf
Die Amigos kennen wir aus Funk und Fernsehen und haben auch CDs des Duos. Wir finden es aber schade, dass es „Radio Melodie“ nicht mehr gibt, wo die Amigos oft gespielt wurden.
Hannelore Liedl, Fanclub-Leiterin aus Regenstauf
Beim "Musikanten-Kaiser 2006" auf Radio Melodie beteuerte Bernd, dass die Amigos ihren Erfolg der "Madonna von Regenstauf" verdanken, wie mich die Amigos und die Fans nennen. (Der Fanclub der Amigos ist zu erreichen über: Tulpenstraße 17, 93128 Regenstauf, Tel.: 09402 - 2540.)
26.11.08 - online redaktion
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