O'zapft is!
Gerhard Weber, Regensburgs zweiter Bürgermeister, hatte die Aufgabe das traditionelle Fassanstechen zu übernehmen. Umrahmt von Blasmusik der Kapelle Josef Menzl und umringt von den Festwirten Michael Hahn und Alfred Glöckl floss nach zwei Schägen das erste Spitalbier auf der Bühne.
Herbstzeit ist Familiendultzeit! Vielleicht ist es ja deshalb weil immer nach der Dult die Schule wieder losgeht, und man den Kindern die Zeit von Ende August bis zu eben diesem Schulbeginn noch etwas versüßen will. Im wahrsten Sinne des Wortes ... Herzl, Mandeln, Zuckerwatte und Liebesäpfel haben ihren Reiz noch nicht verloren und die Anziehungskraft der Dult ist umso größer, da das Angebot um viele Leckereien erweitert wurde: Eis, Schokofrüchte, Bonbons, dunkle Schokolade und bunte Perlen.
Familiendult ist aber nicht nur deshalb, weil Kinderherzen höher schlagen und Kindermünder weiter offen stehen. Die Kleinen kommen auf den Regensburger Dulten besonders auf ihre Kosten weil hier überdurchschnittlich viele Stände und Fahrgeschäfte für das junge und jüngste Publikum zu finden sind. Heuer sind noch eine Rennbahn für Kinder und das „Baloona“ aus Augsburg in der Domstadt vertreten.
Und das ist Absicht, denn so Dr. Wolfgang Schörnig, der für die Dult verantwortliche Amtsleiter aus der Regensburger Stadtverwaltung (Amt für Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz): „Wer die Dult an der Hand der Großeltern kennen und lieben gelernt hat, kommt später ebenfalls mit seinen Enkeln auf den Dultplatz“. Einmal Dult immer Dult! Denn Familiendulten sind friedlich und beschaulich. Und daher ist es verständlich, dass die beiden Regensburger Volksfeste sowohl bei Schaustellern wie auch bei den Besuchern sehr beliebt sind.
Aber nicht nur Familien kommen auf der Mai- und Herbstdult auf ihre Kosten. In Regensburg wird auch der Flirtfaktor groß geschrieben: Herzln hängen nicht nur in den Süßwarenständen! Fesche Madln und fesche Burschen begegnen sich bevorzugt in den beiden Bierzelten, die mit einem aufregenden Programm für super Stimmung sorgen. Ob „Topsis“, „Erwin und die Heckflossen“, die „Isartaler Hexen“ oder die „Bayerische 7“, die „gong fm band“ oder „Kulticz“ – meist steht schon nach den ersten Takten alles auf den Bierbänken und kommt sich so näher ...
Aber auch wer es lieber urig und zünftig mag, der ist auf der Regensburger Dult immer noch goldrichtig. Für bayerische Tradition stehen Speis und Trank in den Fest- und Fischzelten ebenso wie im Bierdorf. Blaskapellen, Musikanten und sonstige „Spitzbuam“ bringen gute Laune auf den Festplatz am Europakanal. Und beim traditionellen Volksmusikprogramm schmecken die Mass und das Hendl gleich noch mal so gut.
Ein Seniorennachmittag und zwei Kinder- und Familientage machen den Dultbesuch auch für schmale Geldbeutel erschwinglich. Ganz besonders festlich wird es am ersten und letzten Dult-Freitag, wenn es wieder „Feuer frei“ zum großen Dultfeuerwerk heißt.
Mit der Warendult kann der Dultbesuch auch einen ganz praktischen Nutzen haben: Ob Kräuter oder Schokolade, Kakteen oder Obstbäume, Porzellan oder Gardinen, T-Shirts oder Trachten, Öfen oder Haushaltswaren, die Warendult hat viele Stammkunden, die schon darauf warten, dass wieder Messer geschliffen, Gürtel gemacht oder Bürsten angeboten werden.
Im Herbst 2009 steht die Dult unter dem Motto „Nostalgie“. Gleich drei Fahrgeschäfte untermauern dieses Motto: Motorradartisten werden in einem Zylinder ihre waghalsige Kunststücke zeigen, ein Glasirrgarten ist seit langem mal wieder in Regensburg vertreten und das bayerische Hupferl lädt zur körperbetonten Gaudi auf dem Schwungrad ein.
„Einsteigen bitte, und auf geht‘s zur Herbstdult 2009!“ Das kann durchaus wörtlich genommen werden, denn die RVV-Nutzung erhöht die Freude am (Heim)Fahren.
Foto oben: Festwirt Michael Hahn, Bürgermeister Gerhard Weber, Festwirt Alfred Glöckl, Spitalmeister Willibald Koller.
Fotos darunter: Josef Menzl, "Partyvogel" Harry, Dultschönheiten.
29.08.09 - michael kroll
