Ein Schotte in Regensburg
Zunächst einmal das: Willie Duncan, der Gitarrist der legendären Spider Murphy Gang lebt in Regensburg. Wusset ihr nicht? Dann das noch: Willie war sogar mal Mister Regensburg! Das ist lange her, sehr lange; damals war es in Bayern noch üblich, Langhaarigen mit Schrotflinten nachzustellen. Doch schön der Reihe nach ...
Es begann in einem Militärhospital in Iserlohn: Dort wurde William Duncan 1955 geboren. „Alle drei Jahre kam mein Vater an einen anderen Ort, mein Bruder kam in Kuala Lumpur zur Welt“, so der Musiker über seine Jugend und das ständige Versetztwerden. „Das war sehr hart, denn Kinder können grausam sein – am Anfang wollen sie dich nicht dabei haben und wenn du dann nach einer Zeit mit drin bist, dann musst du weg.“
Für Willie war schon früh klar, dass er Musiker, ein Gitarrist wie der Blueser Johnny Winter, werden wollte. „Der hat mich fasziniert, die Musik, wie er gespielt hat, die langen weißen Haare, die ganze Figur ...“ Der Werdegang des Linkshänders Duncan liest sich wie ein Storybook zu einem Roadmovie: Früh mit der Schule aufgehört, vom ersten Geld eine Gitarre gekauft, rumgezogen, mit 18 Jahren nach Deutschland, wenig Geld verdient, in Studenten-WGs untergekommen und im Melody Maker nach Bands, nach Jobs geschaut.
Ende der Siebziger dann Regensburg – die Schwesterstadt seiner aus Aberdeen stammenden Eltern: „Ich war mit dem Auto unterwegs und kurz nach Nürnberg nach links, Richtung Regensburg abgebogen. Und dann, kein Mensch mehr auf der Straße – niemand! Wo sind die alle? Und ich musste an einen Film denken, da ging es darum, dass in Bayern Langhaarige mit Schrotflinten bedroht wurden – und ich hatte lange Haare!“
William Duncan steht auch für ein Stück Regensburg-Geschichte: Als er kam, da war die Uni gerade im Bau, da fuhren noch durch alle Gassen Autos, da gab‘s noch den Jazzclub in Kneiting und am Gries vier Kneipen. Da waren Musiker noch Heroes und bekamen überall ihr Freibier, da gab‘s die Eule noch, das Jenseits und das Namenlos. Und man konnte im Vorbeigehen noch Mister Regensburg werden und dem Moderator die Schau stehlen: „Als ich auf die Bühne kam, übernahm ich die Führung, hab mit dem Arsch gewackelt und mit den Leuten gesungen ...“
Fast wäre Willie Gitarrist bei Iron Maiden geworden, wenn er nicht auf das Urteil eines anderen gehört hätte und tatsächlich bei dieser „ganz schlechten Band“ vorgespielt hätte. Willie hatte dann seine eigenen Bands und machte experimentellen Jazzrock. Dann machte er einen Job als Tourmanager „bei den Spiders“. Lange verschwieg er, dass er selbst Musiker war, doch seit 1989 steht er mit der Kultband auf der Bühne, absolviert etwa hundert Auftritte im Jahr und kann den Erfolg manchmal selbst kaum fassen.
Willie hat in Regensburg ein kleines Studio, da werden Demos eingespielt. Zur Zeit arbeitet er am Soloprojekt von Spider-Chef Günther mit. In seinem Plattenschrank stehen über 3000 LPs – lauter unbekannte Sachen – und in Koffern, gut verstaut, etwa 70 Gitarren.
(Aus Kulturjournal, Ausgabe April. Fotos: oben Michael Kroll, unten privat) www.willieduncan.com
6.05.09 - michael kroll
