Zwerg heil
Ottmar Hörls Legion von Plastik-Gartenzwergen verdeutlicht das Ausmaß des Problems: Als Einzelner spielt der Mensch mit faschistischem Gedankengut keine Rolle, als Masse wird er zur bedrohenden Gefahr. Faschismus basiert auf dem Prinzip der Ausgrenzung und Unterdrückung von Minderheiten, funktioniert, wenn Schwache sich auf Kosten noch Schwächerer erheben. Die Ideologie des Nationalsozialismus ist im wahrsten Sinne asozial.

Nazi-Aufmarsch in Regensburg (3. Oktober), NPD-Niederlassung in der Straubinger Osserstraße – Ottmar Hörls Installation von 1250 Plastikzwergen, die den Hitlergruß machen, kommt also zur rechten Zeit. Dem Künstler, der seit 1999 eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg inne hat, geht es auch darum, zu zeigen, dass rassistische, nationalistische oder faschistische Gedanken latent vorhanden sind. Und das bei einer Vielzahl von Menschen. Härteres Durchgreifen gegenüber Sexualstraftätern, Ausweisung von straffälligen Ausländern, Arbeitsplätze zunächst für Deutsche – nicht wenige stimmen hierin überein. Zudem besetzen die extremen Rechten zusehens Themen, die auch Grüne oder Linke ansprechen: Kritik an Gentechnik, Globalisierung und Kapitalismus. Wer nicht genau hinschaut, der macht schon mal sein Kreuzchen auf der rechten Liste oder hebt den rechten Arm.
Die Beweggründe um zum Nazi zu werden sind vielfältig, Einflüsterungen kommen aus verschiedenen Kanälen. Daher sind die Straubinger Hitlergruß-Zwerge nicht in Reih und Glied aufgestellt. Jeder empfängt das völkische Manna aus einer anderen Himmelsrichtungen. Die Plastik-Zwerge sind unterschiedlich gefärbt: tiefschwarz und anthrazit, beim einen ist die nationalsozialistische Ideologie tief verwurzelt, der andere läuft nur an der Oberfläche mit. Nur vereinzelt gibt es Goldfarbene, die Funktionäre, die „Goldfasane“ – diejenigen, die von ihrer rechten Gesinnung am meisten profitieren.
Profit ist das entscheidende Stichwort, denn wem nutzt eine Ausweitung der nationalsozialistischen Ideologie? Vom deutschen Volk, von Volksgemeinschaft von Rasse und von deutschen Interessen ist die Rede. Doch wer bestimmt was ein Deutscher ist, was deutsche Interessen? Einschüchterung und Gewalt kann sich jederzeit gegen Andersdenkende und anders lebende richten. Juden, Muslime, Christen, Homosexuelle, Linke, Intellektuelle, Künstler – die jüngste deutsche Geschichte zeigt, dass allein schon ein „falsches“ Buch oder ein „falsches“ Gemälde zur Verfolgung ausreicht. Gleichschaltung, Uniformsein, Kritiklosigkeit sind die Säulen eines NS-Regimes, dass durch Gewalt geführt wird. Zwerge, die alle gleich aussehen und wo keiner aus der Masse hervortritt.
Hörls Installation, die vom 15. bis 19. Oktober auf dem Ludwigsplatz zu sehen war, ist auch deshalb so wichtig, weil sie einem bewusst macht, dass ein nationalsozialistisches System keine Vielfalt, Buntheit oder Andersartigkeit duldet. Wer den rechten Arm hebt befürwortet die reinrassige Folterkammer für Geist und Seele.
- Über das "NPD-Bürgerbüro" in Straubing [>] (redok)
- Themen der extremen Rechten [>] (Toralf Staud)
- Todesopfer rechter Gewalt [>] (Bundeszentrale für politische Bildung)
(Text und Fotos: Michael Kroll)
30.10.09 - online redaktion
