Suchen

    klick Kultur - Kultur klick
    Artikelnummer:
    Artikel:

Meldungen

    Politische Kultur
    Stadtrat Benedikt Suttner bleibt stark: Er lehnt Freikarten für die Schlossfestpiele und WM-Baseball-Spiele ab und stellt damit grundsätzlich die "Zuwendungspolitik" für die ehrenamtlichen Bürgervertreter infrage.

    Digitale Nomaden
    Universitätsbibliothek Regensburg unterstützt den Aufbau einer Datenbank zum Thema Tourismus und Reisen.

    Büchereien in den Ferien geöffnet
    Stadtbüchereien stehen während der Sommerferien nahezu wie gewohnt zur Ausleihe offen.

    Qingdao achte Partnerstadt
    Die aufstrebende junge Millionen-Metropole an der Küste des chinesischen Meeres wird Regensburgs achte Partnerstadt.

Video der Woche

    Jeden Tag ein Porträt-Foto, 2356Tage, 2356 Fotos. Mit Musik von Carly Comando hinterlegt. Stop Motion in Progress.

Internetzeitung

Wunschkonzert

Als der Autor dieser Zeilen zur Berichterstattung ins Raven fuhr, da war die Autobahn Regensburg-Straubing verschneit und aus dem Radio kam ein B2-Interview mit Hanne Lenz. Der Roman „Freunde“ ihres Mannes Hermann kam dabei zur Sprache … Kurze Zeit später: wieder Freunde – diesmal auf der Bühne des Musikklubs. Wie viele Freunde es sind, das lässt sich auf den ersten Blick nicht sagen. Zehn stehen im Rampenlicht, einer sitzt am Mischpult und einer ist wie immer im Hintergrund. Nur einmal, ganz kurz, da taucht er auf, sensationell. Und als er wieder verschwunden ist, riecht es ein wenig nach Petroleum.

Bei manchen Revivals fragt man sich: „Musste das wirklich sein?“ Bei anderen: „Kann es nicht für immer sein?“ Letztere Frage wurde vom Publikum beim Auftritt der Kultband Jam Jar insgeheim gestellt und Uli Zrenner-Wolkenstein, der Bassist der Soul- und Funk-Formation, machte diesen Wunsch zum Running Gag: „Wir spielen ab jetzt jeden Montag hier.“ Nein, so viel Spaß, wie es den Musikern und dem begeisterten Publikum auch gemacht hat, eine Wiederbelebung der ehemals regen Konzerttätigkeit, die die Truppe unter anderem bis nach Istanbul geführt hatte, wird es nicht geben, keine weiteren Konzerte, keine neuen Tonträger.

„Eine Reise in die Vergangenheit“ war es für viele, persönliche Erinnerungen, Erlebnisse, die wilde alte Zeit, in der „die Brüste unsrer Mädchen noch kein Geheimnis waren, kein Privatbesitz“ (wie Heinz Rudolf Kunze 1981 textete). Der Auftritt von Jam Jar war ein Wunschkonzert, ein Freundschaftsdienst, den die Musiker ihrem Mentor Alfred Dick geleistet haben. Er war aber auch ein Beleg dafür, dass Fantreue auch über zehn Jahre Bühnenabstinenz hält (beim ersten Revival-Konzert im Dezember mussten an die 200 Leute wieder nach Hause geschickt und ein Zusatzkonzert anberaumt werden) und dass sie es noch immer können, die Damen und Herren um Jam Jar-Gründer Stefan Lang.

Jam Jar im RavenVon „Midi-Hängern“ und Marmeladenbroten, die mit Schraubenziehern bestrichen wurden, von „weit entfernten Bassgitarren“, Spickzetteln und Problemen beim Erklimmen der Bühne war die Rede und davon, dass sich die Garderobengespräche nicht mehr um durchzechte Nächte, sondern um Kindergartenplätze drehen und dass sich das Einheiraten in diese Band gelohnt hat (Klaudia Salkovic). Kurzum, die Musiker waren ganz nah dran am Publikum, das mit ihnen „alt“ geworden ist. Doch bei aller Nostalgie: Von Altersschwäche konnte nun wirklich keine Rede sein. Schon bevor der Fred drei Mal Feuer von der Bühne spuckte, ging die Band richtig ab und der sprichwörtliche Funke aufs Publikum über. Die Wucht einer Bigband, gepaart mit der elektrisierenden Energie einer Rockband – dem konnte sich niemand entziehen. Das Front-Trio Klaudia Salkovic-Lang, Mona Prechtl und Max Müller riss nicht nur die Zuhörer mit, es brachte sich auch gegenseitig immer höher – und das nicht nur beim gleichnamigen Song. Präzise Einwürfe, schneidende Kaskaden ebenso wie romantische bis sphärische Klänge brachten Stefan Lang, Matthias Raess und Martin „Möpl“ Jungmayer aus ihrem Blech hervor. Die elektrische Gitarre von Bernd Zrenner verlieh dem Programm die zuweilen nötige Härte und man hätte sich mehr Soli von ihm gewünscht. Das Schlagzeug war gleich zwei Mal besetzt: Andreas Adlhoch, untrennbar mit Jam Jar verbunden, wechselte des Öfteren vom Mischpult auf den Platz von Michael Thomas – sie überzeugten sowohl mit harten Beats wie mit „Besigem“. Sogar der fliegende Wechsel nach „Spinning Wheel“ zum Schlagzeugsolo glückte. Peter Markgraf, der ganz hinter den Tasten aufging, war eine verlässliche Größe und hätte sich ruhig öfter in den Vordergrund spielen können. Uli Zrenner-Wolkenstein bestellte mit seinem erdigen Bass unermüdlich das Feld, auf dem die elf Freunde ihr Heimspiel machten; einmal dribbelte er sogar mit einem Slap-Stück davon.

Das Programm bestand aus vielen Eigenkompositionen, aus zum Teil sehr romantischen Balladen (große Klasse „How lonely“) und aus Krachern, die bei solch einem Abend keinesfalls fehlen dürfen (I feel good, Sex Machine). Auch ein Wunschkonzert im Wunschkonzert war zu hören: Als Zugabe explodierte noch mal „TNT“ von AC/DC und mit „Easy“ machten es die Jam Jars dem Publikum wirklich nicht einfach, das definitive Ende ihres Auftritts zu akzeptieren. Ein kleines Trostpflaster für alle Fans: Es gibt noch ein paar Exemplare der drei bereits eingespielten CDs und einige aus der Gruppe immer noch live zu hören.

(Text und Fotos: Michael Kroll)

 

25.02.10 - online redaktion

Kommentare
Ihr Kommentar
 

 

  

 
 
Internetzeitung | Impressum | ©2009 Verlag Michael Kroll