Unterhaltung auf höchstem Niveau
„Wer meint, er könnte von der Bühne herunter die Welt verändern, der ist entweder naiv oder größenwahnsinnig“, sagt der niederbayerische Kabarettist Django Asül. Die Welt verändern Kabarettisten vielleicht nicht, wohl aber die Sicht auf dieselbige. Denn wenn der Deutsch-Türke „ohne klassischem Migrationshintergrund“ das marodierende Bankensystem auf die Schippe nimmt, dann gehen dem Publikum schneller die Augen auf, als nach seitenlangem Studium der Wirtschaftsteile in den Leitmedien: „Es braucht immer einen Blöden, der einen Schmarrn kauft, und im Idealfall findet er noch einen Blöderen, der ihm Geld leiht, um einen Schmarrn zu kaufen.“
Obwohl im nagelneuen Programm „Fragil“ der CSU-Wahlabsturz umfassend unter die Lupe genommen wird – neben dem Rauchverbot kommen die Themen G8-Einführung, Pendlerpauschale, Transrapid, Überwachungswahn und Bildung aufs Tapet – will Django Asül die Politik nicht als den eigentlichen Schwerpunkt seiner Arbeit verstanden wissen. „Ich will gute Unterhaltung bieten, Unterhaltung auf einem hohen Niveau. Ein Kabarettabend soll Spaß machen – auch mir“, erläutert er, als er nach der Veranstaltung und einer Autogrammstunde, nach persönlichem CD-Verkauf und einer Darstellung seiner Vorgehensweise in der Garderobe für weitere Fragen zur Verfügung steht.
Als Initialzündung gilt ein Kabarettbesuch in Berlin und als er Matthias Beltz auf der Bühne sieht will er auch „so ein Kabarettist sein“. Ein Jahr dauerte es nur, bis Django Asül mit seinem ersten Programm auf der Bühne steht. Die nahe liegende Frage, ob er sich auf der Bühne etwas von der Seele reden muss, ein Ventil aufmacht, verneint er. „Ich bin auch gut drauf, wenn ich mal eine Zeit lang nicht auf der Bühne stehe. Ich habe eine gesunde Distanz zu dem, was ich kabarettistisch behandle.“ In der Tat ist schon sein Outfit – grauer Anzug, graues T-Shirt – dazu angetan, auf der Bühne eher einen Referenten als einen leidenschaftlichen Kämpfer für eine bessere Welt zu sehen. Und auch wenn er ganz grandios den Türkisch-Mann, den Fußballjugendtrainer oder den Fitnessclub-Besitzer gibt, so bleibt Distanz gewahrt, weil er für diese Figuren Vorbilder aus der realen Welt hat, die Charaktere nicht seine Schöpfungen sind.
Was für ein Leben führt Django Asül außerhalb der Kabarettwelt? „Ein ganz unspektakuläres: keine exotischen Reisen oder Hobbys“, sagt er, während er sich mit einer Wurstsemmel stärkt, und zu Karl, seinem Tourbegleiter, hinüberschaut. „Ich bin gern daheim, gern auf der Couch, wir gehen zum Fußball und zum Stammtisch.“ So stellt man sich das typische niederbayerische Dorfleben vor. Dass er regelmäßig als Kolumnist für eine Münchner, Passauer und Ingolstädter Tageszeitung arbeitet, verschweigt er; ebenso die zahllosen Fernsehauftritte, die er absolviert. A propos Fernsehen: Der Schritt zu einer eigenen show sei nicht zwingend, er wolle nicht ins Fernsehen, damit er auch dabei sei. „Wenn ich was Gutes machen kann, ist mir auch dieses Medium recht.“ Kommt die eigene show? „Lass dich überraschen!“
Überraschungen lauern auch in seinem Programm, er ist scharf in der Analyse und sein Sprachdekonstruktivismus ist gnadenlos. Ob nach der „fiskalen Bulimie“ nun auch die Finanzwelt komplett von einer krankhaften Ess-Brechsucht erfasst wird – Asüls Programm ist nicht so festgezurrt als könnte er nicht jederzeit die aktuellen Entwicklungen aufnehmen und auf die Bühne bringen und so das genaue Hinsehen zur Unterhaltung auf höchstem Niveau erheben und damit eine „vernünftige Alternative zur Realität“ bieten.
Weitere Auftritte:
06.02.2009: Beratzhausen, Mehrzweckhalle 20:00Uhr
05.03.2009: Tegernheim, Mehrzweckhalle 20:00Uhr
Kulturagentur Alex Bolland www.maelze-fanblock.de oder 0941 / 4652560
Django Asül im Netz:
www.django-asuel.de
und im Fernsehen
16.10.08 - michael kroll
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