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Überschäumende Spielfreude

Naturfreunde kennen mehrere Phasen der Bewunderung des pflanzlichen Lebenszyklus: erstes Aufkeimen, zarte Blüten, volle Farbenpracht, reife Früchte und die Schönheit des Alterns, die mit eigenwilligen Formen und dem wunderbaren Spiel der Herbsttöne einher geht.

Triozon steht, um im Bild zu bleiben, im Stadium der Frühjahrsblüte, die sich erfolgreich gegen die Kälte und Monochromität der vierten Jahreszeit durchsetzt. Und ebenso wie bei den floralen Frühlingsboten ist hier das Frische, Unverbrauchte und die volle Energie des Wachstums spürbar. Während die große Bilderschau Armin Mueller-Stahls in Regensburg mit „Alle Kunst will Musik werden“ betitelt ist, so könnte für den Auftritt des jungen Trios im Musikklub Raven gelten: Alle Energie will Musik werden. Leon Hees (Tasten), Lukas Keller (Kontrabass) und Heiner Kunkel (Schlagwerk) – allesamt Abiturienten aus der bayerischen Grenzregion Aschaffenburg – spielen einen kompromisslosen Jazz, ohne Schnörkel und übertriebene Vergeistigung. Eine Musik, die grooved ohne zu swingen, die straight nach vorne gerichtet ist, dorthin wo sich das Publikum befindet und diesem durch Herz und Bein fährt.

Bei jungen Musikern wird ja häufig das Phänomen der frühen Meisterschaft, der Perfektion und des Könnens bewundert. Hier kommt aber noch etwas hinzu! Die Substanz, den Kern der Musik die sie spielen, auf ihre Weise dem Hörer zu vermitteln. Anders gesagt: Diese Jungen haben etwas zu sagen, wenn sie Stücke des Esbjörn Svensson Trios, von Triotonic oder ihrem Mentor Tom Jahn auf die Bühne bringen. Sphärisch, minimalistisch, meditativ, Gletscher- und Wildbachmusik, mitreißende Synthese aus Energie und Eleganz – all das beschreibt die Musik der drei, die noch eine große musikalische Zukunft vor sich haben.

Es war der erste Auftritt von Triozon vor einem überregionalen Publikum, vor Zuhörern die etwas von dem Genre verstehen und man spürte förmlich die Freude und die Begeisterung der drei, dass sie nicht nur bei Eltern und Verwandten, Freunden und Mitschülern ankommen. Doch wie bei allem, was frisch und unverbraucht in die Höhe schießt muss auch an Triozon noch geschliffen und gefeilt werden. Nicht in dem Sinne, das Markante ins Gefällige zu wandeln. Sondern um die Energie zu kanalisieren, um Dynamik, Akzente und um ein Noch-Mehr an Spannung zu erzeugen. Wie in jeder Formation ist es auch im Trio wichtig, dass kein Instrument auf Dauer dominiert, dass jeder Einzelne darum weiß, wann er sich im Sinne des Ganzen zurückzunehmen hat. Das Arrangement wird hier in besonderem Maße darüber entscheiden, wie sich diese junge und hoffnungsvolle Pflanze entwickeln wird. Doch eines ist sicher: das Publikum will Triozon möglichst bald wiedersehen.

 

29.03.10 - michael kroll

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