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Session without sax

Das ist schon eine Seltenheit, wenn unter sieben Jazzern auf der Bühne kein Saxofon zu finden ist. Am vergangenen Freitag jedenfalls gaben die Trompeten und Posaunen den Ton bei der Jubiläumssession im Raven an. Ulrike Schwarz von den Jazzfreunden Straubing hatte zur Feier des Tages Bernhard Girlinger und Tom Jahn eingeladen und so konnte Sessionleiter Norbert Ziegler den Abend ganz entspannt aus Besucher-Sicht genießen.

Jubiläumssession mit Norbert Ziegler

Seit zwei Jahren finden jeweils am dritten Freitag des Monats Sessions im Raven statt. Norbert Ziegler leitet sie, und da es sich um ein Förderprogramm für junge Jazzer handelt, kommt ihm auch die Aufgabe des Musikpädagogen zu. Er wollte zwar selbst nie Lehrer werden, doch nach einer Erfahrung, die ihm beim Besuch der Kirchenmusikschule in Regensburg zuteil wurde, entschloss er sich neben seinem Trompeten- noch zu einem Pädagogikstudium in München. Seit 1978 ist er Fachlehrer für Musik am Anton-Bruckner-Gymnasium und leitet dort auch eine Schülerbigband. In Regensburg betreut er heute selbst Studenten an der Hochschule für Kirchenmusik und an der Universität. Er kennt sich somit aus im Musik- und Lehrbetrieb, sieht die Straffung der Lehrpläne zum G8 sowie die Verschulung des Studiums durch die Einführung des Bachelors kritisch: Zu wenig Zeit zur Entfaltung und zur Reifung!

Bernhard GirlingerAls Norbert Ziegler mit dem Jazz in Berührung kam, da war noch eine andere Zeit. In den 70gern gab es in Regensburg noch Jazzkeller mit Live-Musik, Richard Wiedamann – der Erfinder des Bayerischen Jazzweekends – saß noch selbst am Piano, und den Domspatzen und Musikstudenten drohte der Rausschmiss wenn sie in den einschlägigen Kneipen gesichtet wurden. Doch hier gab es die heiße Musik, hier konnte man selbst spielen und sich zum Studium auch ein paar Mark dazu verdienen. Heute ist das anders. Da muss man den Jazz nicht mehr unter dem Tarnnamen „Foxtrott“ lernen, Eltern und Schüler haben zum Teil die gleichen CDs im Regal und der Jazz hat alles Zwielichtige und Anrüchige verloren. Heute ist alles leichter zugänglich, es gibt Lehrbücher und Musik-, ja sogar Hochschulen für Jazz. Doch mangelt es an Auftrittsmöglichkeiten und daran, Bühnenerfahrung sammeln zu können …

Riser, Geisperger, GirlingerHier setzt die konzertierte Aktion der Jazzfreunde, von Raven-Inhaber Alfred Dick und dem Pädagogen Ziegler an. Sie haben einen authentischen Ort geschaffen, wo Musik gespielt wird, Entfaltung und Improvisation möglich ist, wo Erfahrungen gesammelt werden können, wo Begegnungen mit „Alten Hasen“ möglich sind und wo trotz zwangloser Kneipenatmosphäre ein Ziel verfolgt wird: die Förderung junger Musiker. Die Konstellation ist ideal, denn die Jazzfreunde sind qua Satzung schon der Nachwuchsförderung verpflichtet und sie ermöglichen mit der „Startbahn Jazz“ Jahr für Jahr den Aufstieg junger Talente. Alfred Dick ist ein Musik- und Musikerfreund, der sich ganz und gar dem Anliegen, Musik auf die Bühne zu bringen, verschrieben hat. Und mit Norbert Ziegler konnte die Rolle des Mentors nicht besser besetzt werden.

Tom JahnDas Konzept ist aufgegangen, die Sessions werden regelmäßig besucht und die Besucher goutieren die Abende mit einem freiwilligen Obolus, der nun in eine eigene Bühnenausstattung investiert wurde. All das wurde am diesem Freitag gefeiert und die eingeladenen Girlinger und Jahn passten zu 100 Prozent zu Stil und Wesen der Sessions. Obwohl beides Jazzgrößen – Bernhard Girlinger an der Trompete und Tom Jahn am Piano – zeigten sie überhaupt kein Stargehabe. Im Gegenteil! Bereits nach drei Stücken aus ihrem eigenen Programm überließen sie die Bühne dem Nachwuchs um sich dann später unaufdringlich motivierend und fördernd unter die Jungen zu mischen. Da wurde dann gejammt und improvisiert, da verstand man sich und warf sich die musikalischen Bälle zu. Alle Achtung zu welcher Leistung die erst 14-jährigen Bastien Riser an der Trompete und Philipp Houben am Bass und der 16-jahrige Posaunist Jonas Geisperger fähig waren. Zusammen mit den beiden Profis kam es zu einigen hochkarätigen Interpretationen.

Live im RavenBei so viel Spielfreude hielt es auch Norbert Ziegler nicht mehr im Publikum. Er lieh sich Bastiens Trompete aus und motivierte nicht nur seine Zöglinge mit seinem Spiel, sondern lockte noch die Wahl-Regensburgerin Camilla Brecka ans Gesangsmikrofon. Mit der Stimme aus Prag ging dann noch mal richtig die Post ab und es zeigte sich, dass Sessions nicht nur für Musik sondern auch für Überraschungen gut sind. Und wenn der Basti (Bastien Riser) mit dem Barney (Bernhard Girlinger) am Biertisch fachsimpelt, dann hat man das absolute Kontrastprogramm zu den ganzen Superstar- und Topmodel-Sendungen vor Augen und sieht, dass Karrieren ganz anders beginnen.

Weitere Infos und Termine hier [>]
Jazzfreunde Straubing hier [>]

(Text und Fotos: Michael Kroll)


 

3.12.09 - online redaktion

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