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Schweizer Tanzfilme

Im Bezug auf den Landesschwerpunkt Schweiz der diesjährigen Kurzfilmwoche, waren am 26.11. im Kinoraum „Wintergarten“ des Andreasstadels sehr unterschiedliche schweizer Tanzfilme zu sehen. Zum vierten Mal kooperieren die Regensburger Tanztage mit der Kurzfilmwoche. Die Vielfalt von Tanzdarbietung im Film wurde in der diesjährigen Zusammenstellung sehr facettenreich dargestellt.

Der erste Film „One Bullet Left“, im Stile der alten Serie-Noir-Filmen, erzählt ohne Worte die Geschichte eines Musikers, die tragisch endet. Das Ballett des Theaters Basel tanzt unter der Regie und Choreografie von Markus Fischer. Es gibt kaum synchrone, klassische Tanzszenen, obwohl derartige Schrittfolgen erkennbar sind. Viel mehr wurden Kampfszenen zwischen Gaunern choreographiert oder Liebesszenen. Der Film ist stilsicher und detailliert ausgestattet, die Geschichte ist durch die vielen Zeitsprünge nicht sehr leicht verständlich. In seiner Gesamterscheinung ist die Produktion für Freunde des Tanzfilms sehr sehenswert.

„Intermezzo“ spielt in einer geheimnisvollen Raumlandschaft, die durch schwarz-weiße Licht- und Schattenspiele mit ungewöhnlichen Kameraeinstellungen eingefangen, entstehen. Es geht um eine Begegnung zwischen Mann und Frau, die sich zunächst durch Balanceakte einander annähern, sich dann gegenseitig stützen und stoßen, und schließlich in enger Umschlingung in einem Raum landen, in dem Schwerelosigkeit zu herrschen scheint. Der Betrachter kann nicht unterscheiden, welche der zwei eng aneinandergrenzenden Ebenen der Boden unter den tanzenden Körpern ist. Die schwarz-weißen Kontraste führen zu sehr grafisch anmutenden Bildern.

Ein Mann wird mit Schuhen beworfen. So beginnt „Les Affluents“, eine Choreographie für acht Tänzerinnen und Tänzer. Zwei aufgefangene Schuhe zieht er sich an und tanzt. Die Bühne sieht aus wie ein weißes, quadratisches Spielbrett, auf dem sich die Tänzer unter Zahlenreihen aufstellen, um anschließend wie bunte Spielfiguren das Leben zu spielen. Sie tanzen mit langen Stangen, schieben die Schuhe beiseite, tanzen mit- und gegeneinander, zu acht, zu zweit, erotisch oder humorvoll. Diese Choreografie hätte mir persönlich besser live als auf der Leinwand gefallen.

Ein schweizer Großstadthinterhof ist der Schauplatz für „Cartographie 5: Rue Centrale 17-19“.  Die drei Aussteiger, die dort ihre Zeit verbringen, rumhängen. Man sieht, wie man Türen mit den Füßen aufmachen kann, an Wänden hochläuft. Die Tanztechnik erinnert an die neue Trendsportart „Parcours“, bei der im Großstadtdschungel Hindernisse überwunden werden. Schaulustige wagen einige Blicke vom Balkon oder aus dem Fenster. Doch nur ein Mädchen durchkreuzt ihr Territorium, das sich auf ein Spiel, einen Tanz mit ihnen einlässt.

Eine Sage ist die Grundlage für „Reines d`un Jour“. Sechs Frauen und Männer in ländlicher Kleidung, wälzen sich eine grüne schweizer Bergwiese hinab. Dazu läuten Kuhglocken. Zwei Stiere kämpfen, danach gibt es Zweierchoreografien, die Gründzüge dieses Kampfes übernehmen. Beim Dorftanz mit Zieharmonikamusik wird gefeiert, getanzt und getrunken. Eine Art moderner Heimatfilm, der mit Witz und natürlichem Charme, die geheimnisvolle Sage von den drei Frauen, die jedes Jahr bei Vollmond an einem See erscheinen, erzählt.

Die parallel zu der Preisverleihung der 15. Regensburger Kurzfilmwoche laufende Veranstaltung war dennoch gut besucht. Wer das Ende der Kurzfilmwoche bedauert kann sich noch bis einschließlich Sonntag mit Besuchen beim Tanz-Festival trösten.

(Bettina Hutterer)

 

 

27.11.08 - bettina hutterer

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