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Scharfes Brett

Abschluss und Höhepunkt – zumindest was die Schärfe des Gitarren-Sounds anbelangte – vom Straubinger Fest für Bürger war der Auftritt von Christian Schwarzbach und Band sowie der „Gästin“ Erin Perry. Zusammen mit Jörg Raabe (Keys), Raoul Walton (Bass) und Csaba Schmitz (Drums) rockte der Sechs-Saiten-Hexer den Musikklub Raven. Erin Perry, die leider etwas spät ins Spiel gebracht wurde, heizte die Stimmung nach dem 4:1-Sieg über England noch mal kräftig an. „Spiel“ war übrigens ein Stichwort, wenn man nach Erklärungen suchte, warum bei diesem Konzert so wenig Zuschauer anwesend waren. Christian Schwarzbach war nun schon zum dritten Mal im Raven und auch wenn das Verhältnis Zuschauer zu Musiker zeitweise ebenso durch den Quotienten 4:1 darstellbar war, ließen sich die Akteure nicht von ihrer Spielfreudigkeit abbringen.

Christian Schwarzbach und Erin Perry

Das Musikmagazin Gitarre&Bass hat durchaus Recht wenn es schreibt: „Eine wirklich fette, scharfe Lead-Gitarre mit den berühmten Eiern spielt Christian Schwarzbach auf Anthology Part 1.“ Titel der besagten CD sowie neue Nummern, alle aus der Feder des Münchner Gitarristen, erfüllten den großen Saal im Raven und brachten Luft und Boden zum Vibrieren: erdiger, ehrlicher Rock, Rock´n Roll, einige Balladen, drei Titel zusammen mit Erin Perry, die nicht nur eine energiegeladene Bühnenpräsenz zeigte sondern auch ihre Songwriter-Qualitäten bewies sowie den Kracher „Proud Mary“, den sie im Gegensatz zu Tina Turner gleich „rough“ spielten.

Christian Schwarzbachs Gitarre, das liegt in der Natur des Quartetts, ist die Stimme der Band und sie bleibt daher bei aller Härte und Virtuosität melodisch. Die Stücke sind auf diese Melodiösität hin konzipiert und ihr teils kristalliner und sphärischer Klang wird kongenial von Keyboarder Jörg Raabe unterstützt. Raabe, der tags zu vor mit der Formation „Blueswurz“ zu hören war, rollt die nötigen Klangteppiche aus und soliert, wenn es sein muss, spannungsvoll auf seinem dreietagigem Keyboardaufbau.

Christian Schwarzbach Band und Erin PerryRaoul Walton am Bass scheint den Groove schon mit der Muttermilch aufgesogen zu haben, so lässig und souverän greif er in seine fünf Saiten. In seinen Soli will er wohl zuweilen dem Frontmann Schwarzbach in Sachen Geschwindigkeit Konkurrenz machen. Hier wird dann sein Potenzial deutlich, denn Walton ist kein ausschließlicher Rock´n Roller – er spielt mit so unterschiedlichen Leuten wie Tito Puente, Ursula Duziak, Brian Eno oder Marius Müller-Westernhagen. Hinter den Becken sitzt, zum ersten Mal in Straubing mit dabei, Csaba Schmitz. Auch er langt kräftig hin und gibt den Titeln ihr nötiges Betonfundament. Davor, dass sein Rhythmus allzu „straight“ wird, bewahrt den gebürtigen Ungarn sein Jazz-Hintergrund.Er ist unter anderem auf CDs mit Philip Catherine und Claudio Roditi zu hören.

Die Stimme aus L.A. gibt dem Auftritt noch einen gehörigen Energieschub. Erin Perry ist eine Rockröhre wie sie im Buche steht: sie hat die Band und das Publikum sofort im Griff und legt sich ordentlich ins Zeug. Diese zusätzliche Portion Emotionalität tut dem Auftritt von Schwarzbach und seiner Band gut und man darf schon gespannt auf die im Herbst erscheinende CD sein, auf der Erin Perry dann ebenfalls zu hören sein wird. Die Release-Tour wird die fünf Musiker auch wieder ins Raven führen und dann können werder WM-Fieber noch laue Sommernächte als Ausrede für ein verpasstes Rock´n Roll-Highlight herhalten.

 

29.06.10 - michael kroll

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