Musikalisches Arkadien
„Love me or leave me“, konnte nicht die Frage des Abends sein. Denn als Hans Huber und seine vier Mitstreiter diesen Titel in der Mitte des zweiten Sets anstimmten, war die Entscheidung schon längst gefallen: Das Publikum musste die Musik und die Art zu spielen einfach lieben. Sehr entspannt, sehr cool und ungemein souverän waren Manfred Hartlieb am Bass, Michael Gottwald am Schlagzeug, Helmut Kagerer an der Gitarre, Albert Josipovic am Saxofon und Hans Huber am Piano zu Gange. Für den Kroaten Josipovic, der 21 Jahre lang in Regensburg als Architekt tätig war und der seit acht Jahren wieder in seiner Heimat arbeitet und dort die lokale Jazz-Szene belebt, war es „wahnsinnig amüsant“ vor dem Regensburger Publikum zu spielen. Und man konnte es bei jeder Note spüren, dass die fünf auf der Bühne eine „Secret Love“ mit ihrer Zuhörerschaft verband.
Von einem Heimspiel sprach Winnie Freisleben als er den Abend zusammen mit Angela Plenkers von der Volksbank Regensburg, die den Auftritt sponsorte, eröffnete. Auf der Bühne standen Urgesteine des Jazz, allesamt Weggefährten und den Anwesenden gut bekannt. Die große Erfahrung und die langjährige gemeinsame Spielpraxis zeigte sich in der vollständigen Harmonie des Ensembles: Hier achtete Jeder auf Jeden, gewährte Freiraum zum Solieren und hatte immer wieder Freude am gemeinsamen, synchronen Zusammenspiel. Da war Manfred Hartlieb, der wie ein Fels seinen Kollegen ein sicheres Fundament stellte und dennoch mit ungeheurer Leichtigkeit zum wohlklingenden Solospiel fand. Zwischenapplaus – dann erhob sich der „General“, deutete eine Verbeugung an und ein Lächeln huschte über sein Gesicht.
Es war die Nacht der wunderbaren musikalischen Anschläge: Wer hatte je einen Bass so gezupft und das Piano so anschlagen gehört? Hans Huber, der seine Grundausbildung bei den Domspatzen bekam, der in amerikanischer Kriegsgefangenschaft die ersten Berührungen mit dem Jazz hatte und der an der Hochschule für Musik in München zum Kapellmeister ausgebildet wurde – unter anderem bei dem legendären Ernst Krenek – hat mit seiner feinsinnigen Spielweise der Formation den Stempel aufgedrückt. Nicht nur wenn er musiktheoretisch und mit viel Humor den Aufbau von „Caravan“ erklärt, nebenbei veranschaulicht welcher Teil der Noten bestimmt nicht von Juan Tizol sein kann und noch beiläufig den Neapolitaner (Neapolitanischen Sextakkord) erläutert, erahnt man das immense Fachwissen des Pianisten. Gerade bei seinem Caravan-Solo wird deutlich, welche weiten Ausflüge über einem Thema möglich sind, dass Debussy ohne weiteres aufscheinen kann und Kadenzen, Alternierungen, Tonartwechsel und Umkehrungen nützliche doch sperrige Begriffe sind für wunderbare Linien, die Hans Huber mit dem Herzen spielt.
Ganz in diesen Duktus des melodiösen, soften und warmen Jazz fügt sich Albert Josipovic mit seinem Saxofon, das neben der Klarinette an diesem Abend hauptsächlich zum Einsatz kommt. Gefühl ist sein Markenzeichen. Und das nicht nur wenn er das eigens vom Quintett komponierte Geburtstagsständchen für die Jazzclub Managerin Ulrike Eilers intoniert. Höhepunkt in dieser Hinsicht dürfte sein Duett mit Hans Huber gewesen sein: „Lover Man“ – ganz ohne Worte.
Michael „Scotty“ Gottwald und Helmut Kagerer spielen zwar altersmäßig nicht in der gleichen Liga wie die übrigen Mitglieder des Quintetts, wohl aber niveaumäßig. Über die Exzellenz der beiden ist schon viel geschrieben worden und ihre Könnerschaft ist dem Publikum bekannt. In dieser Formation glänzen sie besonders durch ihr Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft sich in den Dienst des Gesamtklangbildes zu stellen: Helmut Kagerer mit seinen wunderbar weichen Gitarrenklängen die sich immer wieder zu virtuosen und spannenden Parts aufschwingen; „Scotty“ Gottwald, der ein vielmaschiges Rhythmusnetz webt, aus dem – immer zur rechten Zeit – die Akzente hervortreten. In Anlehnung an Josipovics Betitelung „Korrektor“ könnte man diesem Schlagzeuger auch die Ehrenbezeichnung „Akzentor“ verleihen. Akzente, so kann zusammengefasst werden, hat das Hans Huber Quintett mit dem überwiegend aus Standards bestehenden Programm auf ganz erfrischende Weise gesetzt und es war wahnsinnig amüsant ihnen dabei zu zuhören.
22.04.10 - michael kroll
