Mit cool fusion in die Winterpause
Die Straubinger Jazzfreunde boten ihrem Publikum noch einen Ohrenschmaus, mit dem sich der Jazzförderverein bis 16. Januar in die Winterpause verabschiedet. Fast wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk war das Vibrafon mit seinen golden schimmernden Platten auf der Bühne des Alten Schlachthofes anzusehen, und bevor die „staade Zeit“ endgültig anbrach, bescherten die vier „Yellow Mallets“ den Zuhörern noch einen richtig coolen Fusion-Sound.

Gerald Dorsch, Manfred Sauer, Arne Brien und Alex Kilian hatten es bei ihrem Auftritt nicht leicht: zum einen spielte im "Raven" die Christian-Schwarzbach-Band, zum anderen ist der Sonntag nicht gerade der angesagteste Konzertabend. Doch fanden wenigstens 60 Zuhörer den Weg in den Alten Schlachthof und hatten ihre wahre Freude an dem Programm, das gänzlich aus Eigenkompositionen von Mallett-Kopf Gerald Dorsch bestand. Bei Vibrafon denkt man an Namen wie Lionel Hampton oder Gary Burton und im darf nachhinein dem Saxofonisten Adrian Rollini dankbar sein, dass er dieses, zunächst als untauglich eingestufte, Instrument in den Jazz einführte.
Der Franke Dorsch beherrscht es meisterhaft und er holt aus seinen goldfarbenen Mallets alles heraus, für was das Instrument im besten Sinne steht: virtuoses, perkussives, melodisches – ja romantisches Spiel, silbrige Klänge und Glissandoartiges, zarte bis hingehauchte Töne und kräftige, die sich zu eindrucksvollen Klangwolken verdichten. „Schweres Wetter“ indes zieht niemals auf, da die Band immer cool bleibt – vielleicht zu zurückhaltend, denn etwas mehr Dynamik im Tempo und stärkere Ausdifferenziertheit beim Gitarren-Sound würde das Potenzial der jungen Formation vollends ausschöpfen.
Wer bei den Zusätzen „midi“ für Dorschs Vibrafon und Kilians Gitarre an irgendwelche Plastik- oder Synthetik-Instumente dachte, wurde angenehm enttäuscht. „Midi“ ist nur die Sound-Aufbereitung nicht die Tonerzeugung. Alex Kilian spielt eine spezielle E-Gitarre bei der jede Saite einzeln abgenommen im Computer abgemischt wird. Die Effekte stehen hier aber nicht im Vordergrund, sondern die Kunst, die ja bekanntlich von „Können“ kommt. Alex Kilian überzeugt ebenso als Begleiter wie als Solist; auf der Akustikgitarre bei „Hip Hop“ wie beim musikalischen Höhepunkt, dem Titel „Yellow Mallets“.
Die Band harmoniert bestens und Schlagzeuger Arne Brien, wie Bassist Manfred Sauer liefern ein stabiles Fundament auf dem den „Mallets“ Flügel wachsen können. Sauers Bass eignet sich aber auch für Intros und Solistisches, und nicht einmal ein gerissener Gitarrengurt kann ihn aus der Ruhe, respektive dem Takt bringen. Nicht ganz ins Konzept passte und wenig gelungen empfand das Publikum die gesungene Ballade, die von Gerald Dorschs Lebensgefährtin Nandita Jamun intoniert wurde. „Fusion at its best“ ist eben bei Titeln wie Arras, Yellow Mallets, Rin Tin Tin oder der Nummer ohne Titel zu hören und sollte die 2010 erscheinende CD bestimmen.
Mit „Mallets“ werden sowohl die Platten, wie auch die Schlegel des Vibrafons bezeichnet und wer bis zum Wiederhören mit den „Yellow Mallets“ – den golden schimmernden – nicht ganz auf Vibrafon-Live-Sound verzichten will, sollte sich diesen Termin vormerken: Dizzy Kirsch spielt zusammen mit dem Jazzorchester Regensburg am 26.Dezember im Leeren Beutel swingigen Westcoastjazz.
(Text und Fotos: Kroll)
21.12.09 - michael kroll
