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Landshuter Hochzeitsparty

Die Bühne wurde zum Spiegelbild des Veranstaltungsraums. Denn ebenso dicht gedrängt wie das zahlreich erschienene Publikum standen die Musiker von Fanfare Ciocarlia dicht gedrängt auf dem Podium des Wintergartens: Elf Männer mit, zum Teil, schweren Gerät entzündeten vom ersten Moment an ein Feuerwerk der Emotionen. Und etwa 200 Gäste, die auf Einladung der Landshuter Jazzfreunde die Balkan-Brass-Party besucht hatten, waren von Anfang an dabei. Eine Mischung aus Hochzeits- und Zirkusmusik, angereichert mit ein paar Jazzstandards wie Duke Ellingtons Caravan, fuhr mit voller Wucht in die versammelte Pfingstsonntagsgemeinde und in deren Tanzbeine.

Fanfare Ciocarlia bringen traditionelle Roma-Musik auf die kleinen und großen Bühnen Europas. Egal, ob in Schweden oder in der Schweiz, in Russland oder Mexiko: Wo die Blech-Truppe aus dem Nord-Osten Rumäniens auftaucht tanzt der Bär; und das seit über vierzehn Jahren. Der Zuspruch einerseits und die Spielfreude andererseits sind ungebrochen. Blechblasinstrumente waren in der traditionellen Musik Roma nicht hauptsächlich integriert. Erst Anleihen an der Ausstattung der militärischen Musikkorps haben den neuen Sound in die alten Formen eingeführt. Arrangements für großes Ensemble sowie Ideen und Titel aus dem Great America Songbook haben den Balkan-Brass geboren, den Fanfare Ciocarlia als dessen Botschafter unermüdlich in die Welt tragen. Die Musik ist getragen von einer unglaublich druckvollen Basssektion: Vier Tuben halten den Groove. Ein Walking Bass mit einer Art rhythmischen Zwischenschritt, der zum Verweilen in der Gegenwart des unabänderlichen Gangs der Dinge auffordert. Das scheint auch das Geheimrezept dieser Musik zu sein: Lebensfreude die durch den Genuss des Augenblicks entsteht!

Über diesem satten Beat des Unabdingbaren, können sich die scharfen Bläserlinien frei entfalten und zu immer rasanteren, fast tranceartigen Tonfolgen entwickeln. Es ist fast so, als sollte die Fülle des Lebens in einem Stundenglas kondensiert werden – das Tonmaterial verdichtet sich zu einem unerhörten Kondensat aus Variationen und Möglichkeiten. Diese virtuose Bläserei erhält als Alter Ego eine spartanisch besetzte doch nicht minder beeindruckende Perkussion bestehend aus einer Bass- und zwei weiteren Bongo-Trommeln. Gesang und Saxofon komplettieren das Klangbild, sodass auch tiefere Gefühle jenseits des Hochgeschwindigkeits-Brass intoniert werden können.

Die „Lerchenbläser“, wie die wortwörtliche Übersetzung von „Ciocarlia“ lauten würde, haben nach zwei Zugaben und einigen Titeln mitten im Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen: einen Ohrwurm der Lebensfreude. Wer das passende Bild dafür sucht, der sei an den Film „Schwarze Katze, weißer Kater“ erinnert, auch wenn die Ursprungsregion der „Fanfare“ nicht im Donau- sondern im Pruth-Raum bei Iasi liegt. Und wer sich einen Eindruck davon verschaffen möchte, wie seine eigene Hochzeit zu einem rauschenden, barfüssigen Brass-Fest werden könnte, der besorge sich die neue CD/DVD Live. Und wer einfach nur möglichst bald wieder Romanista-Musik hören möchte, der kommt an 23. Juli in den Wintergarten – zu Kal.

 

23.05.10 - michael kroll

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