Katze schwanger
Laden Sie nie eine Bigband zu sich nach Hause ein. Ed Partyka, Bigband-Leader des JOR/Die Volvo Big Band, warnte in einer seiner launigen Anmoderationen ausdrücklich davor: "Weinkeller leer, Kühlschrank geplündert, Katze schwanger!" Dann doch lieber einen Live-Auftritt besuchen und sich mitreißen lassen von der Spielfreude der Weltklasse-Jazzer, die den Auftakt zur zweiten Saison mit der Sängerin Efrat Alony zu einem unvergesslichen Erlebnis machten.

Was machte den Abend mit der Regensburger Bigband zu solch einem außergewöhnlichen? Sicher lag es nicht allein daran, dass der Frauenanteil im Orchester um 400 Prozent gesteigert war, wie der frisch gebackene Förderverein-Chef Michael Scheiner vor dem Konzert feststellte. Auch die Tatsache, dass es sich um einen Premierenabend handelte (die Bigband trat zum ersten Mal mit Sängerin auf) kann nicht der Grund gewesen sein. Allein, es lag an der Mischung: fetzige Bluesnummern, jüdische Volkslieder, Minimal-Art und die immer traurigen Balladen von Ed Partyka, gepaart mit einer faszinierenden Stimme und viel Raum für Soli machten den Auftritt des JOR/ Die Volvo Big Band zu einem ihrer stärksten.

Die Stadt Regensburg täte gut daran, diesen Klangkörper weiter zu fördern, so dass diese Formation bessere Töne aus der Dom- und Welterbestadt in die Welt tragen kann. Denn Regensburg taucht in den überregionalen Medien meist unter negativen Vorzeichen auf, und die Auftritte der Domspatzen allein können den Ruf der Oberpfalzmetropole nicht aufpolieren. Wenn etwa der Ingolstädter Jazzförderpreisträger Bernhard Hollinger Jazz und Regensburg nicht auf einen Nenner bringen kann, dann ist das ein Alarmzeichen dafür, dass man die Jazzszene nicht weiter unter seinen Scheffel stellen sollte. Das Autohaus Volvo Bauer macht es vor: Dominik Weber sponsort die Gagen der 17 Musiker und ermöglicht in der zweiten Saison noch drei weitere Auftritte.
Kulturjournal Regensburg sprach mit Bandleader Ed Partyka und Manager Christian Sommerer kurz vor dem Konzert am 18. Oktober.
KJ: Heute beginnt die zweite Saison für die Regensburger Bigband. Wie sieht euer Resümee für die erste Saison aus?
C.S.: Ausbaufähig!
KJ: Was heißt das genau?
E.P.: Für die Musik wäre es gut einen extra Probentag zu haben. So wie es bis jetzt läuft kommen die Musiker aus ganz Deutschland und Österreich hierher angereist, müssen dann vier Stunden proben, essen und dann auf die Bühne. Das ist bei der Komplexität des Programms schon sehr stressig.
C.S.: Ideal wäre es, mit der Band mehr spielen zu können, also zwei Tage proben und dann vier bis fünf Konzerte geben.
KJ: Das heutige Programm ist extra auf die Sängerin Efrat Alony zugeschnitten. Wie darf man sich das vorstellen?
E:P.: Efrat und ich arbeiten schon eine ganze Zeit zusammen, sie ist auch auf der neuesten CD von ED Partyka Jazzorchester zu hören. In unserer gemeinsamen Arbeit beschäftigen wir uns viel mit Balladen, ihr werdet also viel ruhige Töne hören.
C.S.: Efrat ist nicht nur eine tolle Sängerin, sie schreibt auch wundervolle Texte und Musikstücke. Sie hat den Text zu einem Stück von Ed geschrieben und wir bringen zwei Titel, die komplett aus ihrer Feder sind. Außerdem gibt es jüdische Volkslieder zuhören und neben zwei Standards eine Bearbeitung von Tom Waits „Time“.
KJ: Und was können wir uns von den anderen drei Konzerten dieser Saison erwarten?
E.P.: Mit dem Konzert am 26. Dezember sind Westcoast-Klänge der 60er-Jahre zu hören. Das wird ein swingender Abend mit dem Vibraphonisten Dizzy Krisch. Die 60er stehen auch im Mai im Programmheft: Al Porcino, die Bigband-Legende, wird seinen 85. Geburtstag zusammen mit uns und dem Universitätsjazzorchester im Audimax feiern. Beim März-Konzert stehen dann unsere jungen Nachwuchskomponisten und –musiker im Vordergrund – es wird also moderner.
KJ: Steht die Finanzierung des Projektes Jazzorchester Regensburg auf einem soliden Fundament?
C.S.: Es könnte solider sein! Dank dem Engagement vom Autohaus Volvo Bauer ist aber zumindest eine gute Basis geschaffen. Wir hoffen sehr, dass sich die Stadt Regensburg auch weiterhin hinter "ihre" Big Band stellt. Als weiteren Pfeiler für unsere Arbeit haben wir den Förderverein gegründet, der als gemeinnütziger Träger des JOR fungiert. Mitglieder wie Spender sind herzlich willkommen.
Termine, Hintergrundinfos und mehr Fotos: www.jazzorchesterregensburg.de [>]
(Text und Fotos: Michael Kroll)
30.10.09 - online redaktion
