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„Radar“ nennen vier junge Jazzer ihre Formation. Der Name steht nach eigener Aussage für das programmatische Leitmotiv: Interaktion und Offenheit für das Ungewisse. Timo Vollbrecht, Lorenz Kellhuber, Tim Schäfer, Moritz Baumgärtner unterstützt von Johannes Enders stellten bei ihrem Regensburger Konzert unter Beweis, dass ihre Sensoren funktionieren und sie in der Lage sind, aus dem Vollen zu Schöpfen und eine eigene Jazz-Sprache auf die Bühne zu bringen. Ihre Kompositionen und Interpretationen klingen nicht nur zeitgenössisch sondern auch großstädtisch intelligent.

Radar

„Wir sind eine Berliner Band“, so der Saxofonist und Moderator des Abends Timo Vollbrecht. Das lässt sich nicht nur damit begründen, dass sich die vier Radar-Musiker am Jazz-Institut Berlin kennengelernt haben. Ihre Musik, bis auf zwei Titel alle aus eigener Feder, klingt metropol, klingt nach Weltstadt – klingt nach Avantgarde ohne avantgardistisch zu sein. Die Kompositionen wie auch die Umsetzung auf der Bühne sind sehr präsent, sehr selbstbewusst und legen Zeugnis ab dafür, dass im Schmelztiegel der Jazz-Streams ein eigener, zum Teil nachdenklich wirkender Standpunkt gefunden wurde. Das zeichnet „Radar“ aus.

Die Formation befindet sich auf CD-release-Tour und legte zwischen Stuttgart und Leipzig in Regensburg einen Termin, um in Lorenz Kellhubers Heimatstadt auftreten zu können. Der Name Kellhuber ist hier klar mit Musik assoziiert. So ist Vater Martin der Prorektor der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik und konnte den Konzertsaal mit dem Prospekt der Goll-Orgel im Hintergrund für den Auftritt vermitteln, gesponsert hat die Saalmiete der Rotaryclub Porta Praetoria. Lorenz Kellhuber kennt man aus dem Leeren Beutel, mal in der Rhythmusgruppe des JOR – Die Volvo Big Band spielend, mal mit seinem Trio Standards interpretieren. Dass er sich mit seinem Klavierspiel in kleine wie große Ensembles integriert und trotzdem seine eigene Note einbringt wurde nun ein weiteres Mal deutlich.

Tim Schäfer liefert das Bassfundament und das markant und zuverlässig. Ohne große Ausschweifungen ins Solistische macht er das, was von einem guten Bassisten erwartet wird: mit traumwandlerischer Sicherheit hält er den Groove um den sich dann, wie beim „Song for Harlem“, die Saxofone schlängeln können. Timo Vollbrecht wird kongenial ergänzt durch Johannes Enders. Ein Quintett mit zwei Saxofonen ist nicht oft zu hören und hier wird es zum Genuss! Egal ob leise Töne, Soloparts oder Synchronspiel, bei den beiden Bläsern stimmt die Chemie und die Dynamik- und Rhythmenwechsel werden hervorragend inszeniert.

Ein weiterer Lichtblick beim Ausloten der musikalischen Tiefen ist Moritz Baumgärtners Schlagwerk: immer im Dienst des jeweiligen Titels und stets zurückhaltend akzentuierend. Dass er sein Instrument auch perkussiv bedienen kann zeigt sich in Stücken wie „Oscuridad de verano“. 2009 erst hat sich „Radar“ formiert und konnte im gleichen Jahr noch den Tonträger „In Sight“ einspielen. Sie haben damit ein wirklich hörenswertes Werk vorgelegt und man kann sich nur auf weitere Einspielungen und Auftritte der hoffnungsvollen Formation freuen.

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7.06.10 - michael kroll

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