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Hofbräuhausbrotzeit

Sollte noch jemand an der Sinnhaftigkeit der Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe „beat me with your love“ gezweifelt haben, so wurde er durch Christoph Maltz’ – fast möchte man das Wort vermeiden – szenischen Vortrag über die Romantik eines besseren belehrt. Maltz hat das vom Kunstverein Graz aufgegriffene Thema „Neue Romantik“ eingenordet, hat den großen Bogen von Rom zu Novalis, zur Nazipropaganda bis zur Tourismus- und Werbeindustrie gespannt.

 Nicht nur dass Christoph Maltz eine kulturgeschichtliche Einordnung der Romantik gelang, er leitete auch bewusst oder unbewusst zu seinem Folge-Referenten Helmut Groschwitz über. Dieser wird am 23. Mai zum Thema „Romantisches Welterbe“ sprechen. Das romantische Welterbe kann dem Regensburger in Form von tagwandelnden Nachtwächtern in Mittelalterkostümen tagtäglich begegnen. Und da ist er auch schon, der Missbrauch des Romantischen, wenn das Attribut Verwendung findet um „die Welt nicht besser zu machen sondern besser zu verkaufen“.

Christoph Maltz findet keinen Gefallen an der Verklärung der Realität, er erwartet von zeitgenössischer Kunst, dass sie enthüllt und nicht romantisiert. Novalis, so legte er dar, gebar einen Pool von Sujets mit dem die Künstler arbeiten konnten: Mythos, Liebe, Leiden und Sehnsucht nach Stille, Erhabenheit und Wahrheit. Doch was ist romantisch? Heute weiß es jeder, weil jeder etwas anderes damit verbindet, die Romantik hat sich privatisiert: Sex, Natur, Eisenbahn oder Hof-Bräu-Haus-Brot-Zeit.

Die Instrumentalisierung der Romantik wird zynisch, wenn das Naziregime bei Ausschwitz davon spricht, dass „der Führer den Juden eine Stadt schenkt“. Die Romantik hat also nichts zur Besserung der Menschheit beigetragen, sie dient dem einen dazu Bilder zu verkaufen, dem anderen mit Immobilien Profit zu machen und dem nächsten die Welt zu zerstören. „Es schert den Materialismus nicht, wenn sich der Künstler von der Wirklichkeit abwendet“, so Christoph Maltz und daher ist seine Forderung, die Welt zu enthüllen – nicht zu romantisieren. Will er die Welt verändern? Nein, ihm gefällt die nicht-romantische Haltung einfach nur besser.

Das Publikum goutierte seine Inszenierung mit lang anhaltendem Applaus und nicht weit vom Kunstverein ging der romantisierte Vergnügungsalltag seinen gewohnten Gang. Schön, dass es noch Orte und Menschen gibt, die anders sind …

 

20.05.09 - michael kroll

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