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High-End-Entertainment

Dieser Jubiläumsabend des „Jazzfreunde Straubing e.V.“ auf dem Freigelände des Alten Schlachthofes hatte einiges Symbolhaftes an sich. Dunkle Wolken zogen kurzzeitig auf – doch alles blieb trocken. Die „Real Cats“ lieferten Unterhaltung auf hohem Niveau – so machen es auch die Straubinger Jazzfreunde mit ihren Jahresprogrammen. Und der Kreis der Zuhörer blieb überschaubar – somit ist das Vereinsziel „Förderung und Unterstützung des Jazz“ weiterhin engagiert zu verfolgen.

The Real CatsUnd noch etwas: Die drei Entertainer aus München machten bei ihrem Konzert deutlich was Jazz ist. Ihr Repertoire reicht von Blues über Latin, bis hin zu Standards und Eigenkompositionen, sie legten eine grandiose Improvisation über Lenas „Sattelite“ hin, waren im ständigen Dialog mit dem Publikum und hatten Spaß dabei. Miles Davis’ Definition von Jazz ist wohl die Passendste, denn für ihn war „Jazz“ nur ein Four-Letter-Word. Das heißt, dieser Begriff muss ständig mit Leben erfüllt, die Grenzen ausgelotet und das (musikalische) Gespräch am Laufen gehalten werden. So gesehen ist der Straubinger Verein tatsächlich ein Zusammenschluss von Jazzfreunden.

Bastian Pusch (Gesang, Klavier und Moderation), Tom Peschel (Kontrabass) und Wolfgang Peyerl (Schlagzeug) eröffneten den Abend mit einer Hommage an Ramsey Lewis, einer Nummer, die gleich aufhorchen ließ und die mit ihrem geradlinigen Beat und dem hervorragend abgemischten Sound sofort das Publikum erreichte. Mit „Let’s call the whole thing off“ von George Gershwin wurde der Humor der Formation deutlich: Standards, wie später auch „The Girl from Ipanema“ können durchaus mit deutschen Texten versehen werden. Und so erfuhr man so einiges über die Deutsch-Österreichischen Sprachbarrieren: während die einen grantln und die anderen sudern, tun die einen schnackseln und die anderen pudern.

„The Real Cats“ haben es geschafft mit einem abwechslungsreichen Programm einen unterhaltsamen Abend auf höchsten Niveau zu gestalten. Dabei gab es durchaus nachdenkliche Töne. So etwa den hintersinnigen und philosophischen Titel über den Satz des Pythagoras oder das ergreifend interpretierte „Georgia on my Mind“. Zweifellos dachte Bastian Pusch an den US-Staat und nicht an die Schwester des Komponisten Hoagy Carmichael, als er mit der Überleitung zu „St. Pepper“ eine kurze Adresse an die Verantwortlichen von British Petrol richtete. Im Hinblick darauf, dass die Ostküste der USA bald von dem Öl-Unfall im Golf von Mexiko betroffen werden wird, meinte er: „Liebe Leute von BP, wenn ihr es bitte möglichst bald auf die Reihe bringen könntet …“ Jazz ist eben Weltmusik.

Bastian PuschEin wesentlicher Bestandteil des Abends war das Wunschkonzert. Titelvorschläge wie „Cantaloupe Island“ oder „Song for my Father“ erfüllten die „Cats“ umgehend – beim Lena-Titel „Sattelite“ war indes etwas Eingroovungszeit nötig. Doch dann folgte eine Reise durch fast alle teilnehmenden Länder des Song-Contests und das Gewinnerlied wurde mal im Reggae-Stil, mal mit afrikanischen oder türkischen Anleihen und am Ende im russischen Kasatchok-Feeling inszeniert. „I’am at the end of my language“, konnte der Conferoncier Pusch nicht auf das Musikalische gemünzt haben, denn bei den Improvisationen und Interaktionen kam es zu keinerlei Stockungen.

Der Abend war nicht nur ein Genuss für Jazzfreunde, auch die Kinder und deren Väter kamen auf ihre Kosten. So wurde das Thema der „Sendung mit der Maus“ ebenso frisch intoniert wie das „einzige Jazzlied, das Männern wirklich gut gefällt“. Mit „Up to date“ – von Thomas Reich komponiert und von Max Greger fürs ZDF eingespielt – wurde die Brücke zu den Fußballfans und der „bevorstehenden Häufung von Vatertagen“ geschlagen. Gemeint war die WM 2010, die sich heuer mit dem Bayerischen Jazzweekend überschneidet, bei dem auch die „Real Cats“ zu hören sein werden (11. Juli um 11.00 Uhr auf dem Regensburger Bismarckplatz). Von den Jazzfreunden gibt es, wie Uli Schwarz betonte, „wieder wirklich Spannendes“ nach der Sommerpause im Alten Schlachthof zu hören. Und bis dahin: „Just don't give up trying to do what you really want to do“ (Ella Fitzgerald, zitiert von www.jazzfreunde-straubing.de).

 

13.06.10 - michael kroll

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