Großstadt Country
Die New Yorker Formation Great Lakes listet auf ihrer Myspace-Seite 2591 Freunde – seit Mittwoch dürften es mindestens 30 mehr sein. Frisch aus Spanien kommend waren Ben Crum (Gesang und Gitarre) und Kevin Shea (Drums) „glad to be in the land of beer“ und die Konzertbesucher im gut gefüllten Innenhof des Raven froh über diesen außergewöhnlichen Konzertabend. Die beiden Musiker aus Brooklyn hatte ihre neue CD „Ways of Escape“ im Gepäck und machten ihrem Ruf als Singer/Songwriter alle Ehre. Popmusik aus Brooklyn gilt für Kenner als besonderes Schmankerl und hier wurde dieses Schmankerl besonders cool präsentiert.
Ben Crum zupfte und pickte sich durch das erste Set sehr ruhig und melodisch über die Saiten seiner E-Gitarre. Seine Stimme klang nach Country und nach Großstadt gleichermaßen und oszillierte zwischen Cohen, Cash und Reed. Die Titel hatten was von „Hotel Calfornia“ und Velvet Underground und waren doch ganz Gegenwart wie etwa die Fleet Foxes. „Großstadt Country“ so könnte man eine Schublade beschriften in die dann Great Lakes doch nicht ganz reinpassen. Denn im zweiten Set griff Ben Crum tiefer in die Saiten, seine Stimme wurde energischer, Kevin Shea schlug die Kessel und Becken immer virtuoser und der Applaus wurde lauter. Der Godfather of Grunge mit seinen Crazy Horse schiene für diesen Teil Pate gestanden zu haben.
„I’ am not the messenger, i’ am the message“ – eine Textzeile aus dem Great-Lakes-Repertoire – zeigt die Haltung der Formation: Sie wollen sich nicht hinter ihren Instrumenten verstecken, sie zeigen Präsenz und sind greifbar. Ihr sehr direktes, sehr unmittelbares Spiel legt davon Zeugnis ab. Auf ihrem Tonträge klingen sie indes eingängiger, lockerer und beschwingter. Eine gute CD die einen durch den Rest-Sommer begleiten könnte und die Fahrt zu den Badeseen in der Umgebung versüßt. Bei „A Good Day to Die“ mag man auch gern an die Weite zwischen dem Lake Superior und dem Lake Ontario denken …
26.07.10 - michael kroll
