Experiment geglückt
Zugegeben, große Bedenken hätte man gegen das neue Projekt von Alfred Dick nicht haben müssen. Denn alles, was der Kulturkneipen Betreiber anpackt ist von Erfolg gekrönt. Egal ob die monatlichen Sessions mit Nachwuchsjazzern oder die Konzerte, bei denen von der Jazzgröße Frantisek Uhlir bis zu Rock-Newcomerin Krista Page ein breites Spektrum abgedeckt wird; egal ob Klassik, Bürgerfest oder die Aftershow-Partys im Rahmen von Jazz an der Donau: der lässige Musikklub in der Rosengasse hat sich in den vier Jahren seines Bestehens ein großes Stammpublikum erobert und gewinnt ständig neue Musikinteressierte hinzu.
Der jüngste Coup ist eine Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater München, bei der unter dem Label „M goes SR“ junge Jazzer im Raven auftreten. Claus Reichstaller ist der Leiter der Jazzabteilung der Hochschule und er entsendet zukünftig regelmäßig junge Formationen nach Straubing, um ihnen Auftrittsmöglichkeiten jenseits der etablierten Clubs in der Landeshauptstadt zu vermitteln. Für Straubing ist „M goes SR“ neben dem Wettbewerb „Startbahn Jazz“ ein weiteres Aushängeschild für musikalische Nachwuchsförderung und ein weiterer Baustein im Netzwerk von Musikschulen, Festivals und Initiativen wie dem Landesjugendjazzorchester oder „Jugend jazzt“.
Den Auftakt zur vielversprechenden Konzertreihe machten „resonance“, ein Quartett, das von der Saxofonistin Stephanie Lottermoser 2009 gegründet wurde – laut eigener Aussage um ihre Vorstellung von Pop-affinen Jazz selbst umsetzen zu können. Konstantin Kostov (Piano), Sebastian Gieck (Bass), Johannes Jahn (Schlagzeug) bringen die Stücke, die hauptsächlich von der „Jugend jazzt“-2006- Preisträgerin, komponiert und arrangiert sind, sehr kühl und präzise auf die Bühne. Trotz dieser – fast möchte man sagen – intellektuellen Spielhaltung gelingt es den vier Musikern bald das Publikum zu begeistern und die Spannung bis zur Zugabe zu halten. Die musikalische Qualität des Quartetts und der kompositorische Ansatz von Stephanie Lottermoser überzeugen das Publikum, das der, für das Attribut Pop-Jazz doch zu komplexen Musik gerne folgt. Roland Spiegel, seines Zeichens BR-Journalist in der Abteilung Klassik und Jazz hat durchaus recht, wenn als Kritik auf die erste CD „second glance“ schreibt: „Also: Hinhören und genießen – und möglichst doppelt und dreifach das letzte Stück, das von mitreißender melodischer Schönheit ist. Es heißt The Next Step. Im Falle von Stephanie Lottermoser kann man nach dem Hören dieser CD auf die nächsten Schritte noch mehr gespannt sein als bei manch anderen jungen, hochtalentierten Jazz-Musikern.“ Auftritte wie dieser im Raven werden der jungen Band helfen, sich mehr zuzutrauen und dem Emotionalen in der Musik größeren Raum zu geben. Denn bei allem musikalischen und kompositorischen Talent ist es doch die Seele, die mit der Musik angesprochen werden will. Verstehen es „resonance“ mehr von diesem musikalischen Urstoff in ihre Auftritte zu legen, wird ihnen eine große Zukunft beschieden sein.
Wer „resonance“ (wieder)hören will, sollte sich den 10. Juli beim Bayerischen Jazzweekend vormerken. Jazzer von Morgen, von der Musikhochschule München kommend, sind im Raven wieder am 19. Juni zu hören.
2.06.10 - michael kroll
