Entspannter Bebop
Frantisek Uhlir, der europaweit zu den Spitzenbassisten gehört, war am Rande von „Jazz an der Donau“ mit seinem Team in Straubing zu hören. Bebop, Blues und Balladen aus dem great american songbook sowie aus eigener Feder waren bei bestem Wetter und in entspannter Atmosphäre im Innenhof des Raven zu hören. Der Grandseigneur des Kontrabass trat zusammen mit Schlagzeuger Jaromir Helesic, dem Saxofonisten David Vrobel und dem Gitarristen Adam Tvrdy auf und dieses Quartett kann mit Recht als Entdeckung und Geheimtipp gelten.
Frantisek Uhlir, zu dessen 60sten Geburtstag der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus zu einem Konzert mit Musikern wie dem deutschen Schlagzeuger Wolfgang Haffner auf die Prager Burg einladen wird, spielt seinen Bass so leichthändig und melodisch, dass er neben dem Saxofon und der Gitarre stets als eigenständiges Instrument wahrgenommen wird. Leichtigkeit und Beschwingtheit, ja eine gewisse Heiterkeit schwingt stets in seinem Spiel mit, so dass von einer Art Easy Bebop gesprochen werden kann. Frantiseks Bass ist die Seele des überragenden Quartetts ohne es zu dominieren.
Der zweite Saitenmann ist Adam Tvrdy und er ergänzt die Spielhaltung des Bassisten in kongenialer Weise. Alles was an Frische, Heiter- und Leichtigkeit vorhanden ist, wird von ihm auf seiner Archtop-Gitarre weitergeführt und weiterentwickelt. Der klassische Gibson-Sound kommt ohne Effekte aus und begeistert durch Virtuosität bei gleichzeitiger Melodiehaltigkeit. Ob Tonfolgen oder Akkordlinien, ob Blues oder Ballade, Adam Tvrdy lässt die Finger fliegen und zaubert immer neue Varianten und Klänge hervor. Ganz besonders deutlich wird dies bei der Wayne-Shorter-Nummer „Lester left Town“: der Bebop lebt! Herrlich präzise und immer wieder überraschend ist nach den solistischen Ausflügen das Unisono-Siel von Gitarre, Bass und Saxofon.
Mit Frantiseks Eigenkompositionen wird man immer wieder aufs Neue in die vielfältigen Klangräume des Jazz genommen und mit „June in Prague“ erfolgt eine wunderbare Einladung, sich vollends in die Welt der Blue Notes entführen zu lassen. Mit verantwortlich für den überzeugenden Sound sind Saxofonist David Vrobel und der begnadete Schlagzeuger Jaromir Helesic. Während Vrobel sich naturgemäß immer wieder in den Vordergrund spielt und sich zu immer gewagteren Melodie- und Rhythmusparts aufschwingt, hält Helesic den Groove, ohne den das beste Solo nichts Wert wäre. Er hält stets kleine Überraschungen und Einwürfe bereit und geht jeden Tempowechsel der Solisten mit traumwandlerischer Sicherheit mit.
Zum bevorstehenden 60sten Geburtstags des Bandleaders Frantisek Uhlir ist bei Multisonic ein Doppelalbum erschienen auf dem einerseits Einspielungen aus dem Jahr 1984 und andererseits ein 2010er Konzertmitschnitt zu hören ist. „Bass Devotion/Basssaga“ heißt das Schmuckstück mit dem der sympathische Tscheche Uhlir endgültig beweist, dass er und sein Team längst nicht mehr als Geheimtipp gelten müssten.
19.07.10 - michael kroll
