„Entspannt euch“
Wer die Musik des Esbjörn Svensson Trios oder der österreichischen Formation Triotonic liebt, der wird auch von Benedikt Jahnel und seinen Mitstreitern Owen Howard (Schlagzeug) und Antonio Miguel (Bass) begeistert sein. Begeistert waren auch die Landshuter Jazzfreunde von ihnen – der Applaus klang, als wären hundert Leute im Saal. Und es war ein Glück, dass die drei zwischen Ihrem BR-Konzert in München und dem Tournee-Abschluss in Ismaning noch im Wintergarten konzertieren konnten.
Vergleiche mit anderen Trios sind ja eigentlich obsolet, doch hier angebracht, weil für Benedikt Jahnel gilt: schön, wenn es keine Schubladen mehr braucht, um Musik zu katalogisieren und man sich Begriffe sparen kann. „Die Titel sind ziemlich stark auskomponiert und das Stückgefühl steht im Vordergrund“, so der Berliner Pianist nach dem Konzert. Das scheint das Geheimrezept zu sein, denn Spannung und Höhepunkte werden hintergründig aufgebaut und dann ausformuliert. Die Musiker wollen nicht durch ausschweifende Soli ihr Können demonstrieren, ihr Auftritt kommt ohne Affektiertheiten und Effekthascherei aus. Die anfänglich etwas ungewöhnliche Positionierung auf der Bühne – das Ganze sieht aus als würden die drei wie im Bus hintereinander sitzen – wird so zum Bild dafür, dass sie an einem Strang ziehen, in die gleiche Richtung spielen.
Die Arrangements weisen dennoch einen hohen Grad an Komplexität auf und lassen Spielraum (im wahrsten Sinne) für den Einzelnen um sich Charakter prägend einzubringen. Etwa dann, wenn sich kurzzeitig alles um Owen Howards vielgestaltiges, polyrhythmische und von Beckenakrobatik bestimmtes Schlagzeug dreht und er dem Stück einen, von innerer Logik bestimmten Akzent gibt. Oder wenn Antonio Miguels weicher und doch präziser Bass eine musikalische Idee solistisch weiterführt, um ihr dann später wieder das wohlklingende Fundament zu bereiten.
Benedikt Jahnels Klavier hat diese Ausgewogenheit von Melodie und Rhythmik, deren Balance er mal in die eine oder andere Richtung verschiebt. Ausgewogen sind auch die energischen und die zarten Töne mit denen er gleichermaßen Spannung erzeugt. Der, in einem anderen Zusammenhang geprägten Ausdruck „Filmmusik ohne Film“ lässt sich hier beschreibend anführen: der Zuhörer bleibt nie auf Distanz sondern taucht ein in Klänge und Rhythmen, die ihn wie eine klar gezeichnete Wolke umfangen.
Benedikt Jahnel geht auf sein Publikum zu, sagt „entspannt euch“ und bedankt sich mit den Worten: „Ohne euch würde das alles hier keinen Sinn machen.“ Der Sinn liegt in einer Musik, die gleichermaßen unterhält wie auch berührt, daran arbeitet das Trio mit ganzem Einsatz und mit vollem Erfolg. Der Abend wird zu einem bilderreichen Musikerlebnis und die Frage die Jahnel in einem Musiktitel aufwirft, „hätte man etwas anders machen sollen“, erübrigt sich!
30.04.10 - michael kroll
