Suchen

    klick Kultur - Kultur klick
    Artikelnummer:
    Artikel:

Meldungen

    Politische Kultur
    Stadtrat Benedikt Suttner bleibt stark: Er lehnt Freikarten für die Schlossfestpiele und WM-Baseball-Spiele ab und stellt damit grundsätzlich die "Zuwendungspolitik" für die ehrenamtlichen Bürgervertreter infrage.

    Digitale Nomaden
    Universitätsbibliothek Regensburg unterstützt den Aufbau einer Datenbank zum Thema Tourismus und Reisen.

    Büchereien in den Ferien geöffnet
    Stadtbüchereien stehen während der Sommerferien nahezu wie gewohnt zur Ausleihe offen.

    Qingdao achte Partnerstadt
    Die aufstrebende junge Millionen-Metropole an der Küste des chinesischen Meeres wird Regensburgs achte Partnerstadt.

Video der Woche

    Jeden Tag ein Porträt-Foto, 2356Tage, 2356 Fotos. Mit Musik von Carly Comando hinterlegt. Stop Motion in Progress.

Internetzeitung

Die Kunst zu triozieren

Wer das Glück hatte, sowohl das [em]-Konzert wie auch den Film über Frei Otto aus der Reihe „Architektur im Kino“ besuchen zu können, dem konnte das Zitat eines britischen Bauingenieurs zu Ottos Multihalle in Mannheim wieder in den Sinn kommen: „Zu diesem Bauwerk gab es keinen Vorläufer“. Ähnliches lässt sich über die Musik von Eva Kruse (Kontrabass), Eric Schaefer (Schlagwerk) und Michael Wollny (Piano) sagen: ihre Musik ist unvergleichlich.

Ein dramatisch expressives Klanggemälde wurde hier produziert, das nicht nur das zahlreich erschienene Fachpublikum völlig begeisterte. Einfache oder gar eingängige Kost hatte an diesem Abend niemand erwartet, und so fielen die, über lange Strecken atonalen und mit Geräusch- und Rhythmusfetzen durchdrungenen Stücke auf einen fruchtbaren Boden. Nach zehnmonatiger Babypause standen Wollny, Kruse Schaefer zum ersten Mal wieder gemeinsam auf der Bühne, jedem so viel Freiheit wie möglich und dem Trio soviel Ordnung wie nötig gebend.

Sucht man ein beschreibendes Bild für die Musik von [em] so bietet sich das Sonnensystem an: auf den ersten Blick chaotisch und zusammenhangslos kreisen die Planeten um das Zentralgestirn und um sich selbst. Doch hat jede Laufbahn ihre Gesetzmäßigkeit und doch kommt es bei aller Differenz in den Bahngeschwindigkeiten immer wieder zu klar definierten Konstellationen. So auch bei dem Berliner Trio: Opposition und Konjunktion, das heißt, die weites mögliche Distanz und die völlige Übereinstimmung im Melodischen oder Rhythmischen sind die immer wiederkehrenden Fixpunkte in den Kompositionen von Eva Kruse, Eric Schaefer und Michael Wollny.

Und ähnlich den Frei Ottoschen Tragwerken, seinen Seifenblasen-Bauten und umgedrehten Hängekonstruktionen treten auch in dieser unvergleichbaren Musik die innere Ordnung und Notwendigkeit bei jedem Stück hervor, wird spürbar und erfahrbar und vom Zuhörer dankbar angenommen. „Das ist wirklich cool und überhaupt nicht stressig oder aggressiv“, lautete ein Pausenkommentar. Gleichsam einem Bild, das den Betrachter in die Szene zieht, ja den Wunsch erzeugt, in die Musik einzutauchen und sich darin einzurichten, so funktioniert das Spiel der drei. Wohlgemerkt, wir sprechen hier nicht von ambient music oder Kuscheljazz! Bei [em] fliegen zum Teil die Fetzen: da wird das Piano im Ganzkörpereinsatz bearbeitet, da bringt Michael Wollny nicht nur die Saiten sondern den ganzen Flügel zum Schwingen, da steigert sich sein Spiel zu dramatischen 64stel-Kaskaden, da wird der Bass – fast möchte man sagen – von oben bis unten durchgeknetet, und das Schlagwerk mit Geigenbogen und Ketten attackiert. Da wechseln die Tempi und die Rhythmen mehrmals im Stück, da gibt es bei rasanter Fahrt des öfteren eine Vollbremsung, einen unerwarteten break oder ein abruptes Ende. Doch werden alle Virtuosität und Improvisation nie zum Lärm sondern bleiben immer stimmiger Ausdruck, werden zu einem Programm das nicht nur unterhält, sondern befreit und erhebt.

Drei CDs hat das „aufregendsten Piano-Trio der Welt” (Die Zeit) bislang produziert. Auf der 2008er Scheibe sind Gesang 13 bis 18 aus Dantes Göttlicher Komödie abgedruckt und da taucht er wieder auf, der Planet, „der uns zum ziele führt auf jedem damme“.

 

19.03.10 - michael kroll

Kommentare
Ihr Kommentar
 

 

  

 
 
Internetzeitung | Impressum | ©2009 Verlag Michael Kroll