Completely locked in
Am Ende fehlten den begeisterten Zuschauern dann doch die Worte, um ihrer Freude und Bewunderung für den Auftritt der Wiener Formation um den Straubinger Sobczyk Ausdruck zu verleihen. Das Zusammenspiel, das Verständnis, die Harmonie, die Spieltechnik, der Sound und immer wieder dieses unbeschreibliche Zusammenwachsen von vier Individuen zu einem einzigartigen Klangkörper wurden gelobt. Der darüber sichtlich erfreute Schlagzeuger Peter Müller meinte dazu, im Englischen gäbe es eine treffende Bezeichnung: „completely locked in“. Blues, klassische Swing-Nummern und Boogie Woogie, so war man sich einig, müssen einfach so gespielt werden.

Für den Erfolg von Andreas Sobczyk (Piano), Norbert Schneider (Gitarre), Dani Gugolz (Bass) und Peter Müller (Schlagzeug) gibt es mehrere Gründe. Neben ihrer musikalischen Klasse - der virtuosen Beherrschung des Instruments und dem umwerfenden Gefühl für Melodien -, ist ihre Verbundenheit untereinander und zu ihrem Musikstil zu nennen. Ein Teil der Rhythmusgruppe, nach Sobczyk „die beste der Welt“, spielt schon seit 25 Jahren zusammen, Gitarrist Schneider ist seit acht Jahren dabei. Verbunden sind die vier aber auch ganz stark ihrem Programm: von Verehrung für Mose Allison und von „Lieblingsstrophen“ war da die Rede; das Quartett hat sich ganz diesem Terrain verschrieben und macht keine Ausflüge in andere musikalischen Gefilde. Mann könnte den Titel ihrer neuen CD Like it Is als Bekenntnis nehmen. Der Blues will gehabt sein und er will gelebt werden.
Natürlich ist auch der Sound ausschlaggebend! Und die viel zitierte Authentizität wird hier über den warmen, fast herbstfarbenen Ton erreicht: Müller spielt ein Slingerland von 1947, Schneider eine Gibson von 1954 und Gugolz' Bass hat so viele Jahre auf dem Buckel, wie beide vorgenannten Instrumente zusammen. Über dieser Grundfarbe können sich Sobzcyks Melodie- und Rhythmuslinien voll entfalten. Gerade der Boogie neigt zu dramatischen Tempi und atemberaubender Virtuosität. Doch der Mann an den Tasten versteht es, durch Zurücknahme des Tempos, Breaks und Wechsel in der Dynamik eine ungeheure Spannung und Abwechslung in die Stücke wie in das Programm zu bringen. Er beweist einmal mehr, dass Dichte und Schnelligkeit beeindrucken, doch dass ebenso einzelne und leise Töne die Zuhörer fesseln. Herrlich, wenn neben dem tiefsten Bass die höchsten Töne Flügel bekommen.
Das Quartett besticht nicht nur dadurch, dass es absolut in time ist, sondern auch durch seine Abgestimmtheit: Gitarre und Bass kommen nie mit dem breiten Tonumfang des Klaviers ins Gehege. Jeder Ton hat seinen Raum und seine Bestimmung. Norbert Schneider übernimmt, führt weiter, soliert und tritt dann wieder in die Rhythmusgruppe zurück. Dass er ein echter Crooner ist, beweist er, wenn er ans Mikrofon tritt. Und einmal wird er mit einem eigenen Boogie gefeatured und reißt den vollbesetzten Saal mit. Das gelingt auch Peter Müller mit seinem fulminanten Drumsolo. Da zeigt der sonst im Hintergrund Agierende was in ihm steckt. Nur einmal wird sein grandioses
Rhythmusverständnis noch ganz offensichtlich: als er in den St. Louis Blues ein paar Takte Rumba hineintrommelt. Dani Gugolz antwortet auf Frage nach einem Solo lediglich mit einem Bassistenwitz – er ist bescheiden und meint „diese Musik eignet sich nicht zum Solieren“. Grandios diese Bescheidenheit, ebenso, was er den ganzen Abend über leistet.
Kennzeichnend für die Musik des Quartetts ist der Shuffle, der Swing, das Triolische. Musiktheoretisch gesehen kommen auf eine Zählzeit im Takt dabei drei Einzelschläge, die je nach Rhythmus anders betont werden. Das macht den Drive, den Groove, das Vorwärtsdränge und letztlich das Optimistische und Lebensbejahende, von dem vor Konzertbeginn im Publikum die Rede war, der Musik aus. Musik, die trotz aller Komplexität einen ordnenden Rahmen und eine positive Grundhaltung hat. Schön, dass die vier bald wieder zum nächsten Heimspiel nach Straubing kommen und dass man die Wartezeit bis dahin mit ihrer neuen CD überbrücken kann.
(Text und Fotos: Michael Kroll)
9.03.10 - online redaktion
… bin mehr als begeistert über eine Beschreibung eines Konzertes an dem ich selber trommeln durfte und als Wiener die Straubinger Bühnenluft geatmet habe.
Michael Kroll hat meine Empfindungen in schriftlicher Form wiedergegeben – besser kann man es nicht beschreiben – danke
