Buntes Bauhaus
Wer hätte das gedacht, dass eine Filmreihe über Architektur zum Blockbuster werden könnte. Medard Kammermeiers Kino Wintergarten zeigt heuer zum zweiten Mal im Rahmen von „Architektur im Kino“ sechs Filme, die sich mit der mächtigsten und am meisten vernachlässigten Kunst auseinandersetzen – der Baukunst. Veranstalter ist der BDB (Bund Deutscher Baumeister) Regensburg und Stefan Vogl möchte mit dieser Reihe die Berührungsängste mit Architektur abbauen. Das ist ihm gelungen: Der Film über Oscar Niemeyer wird gleich zweimal wiederholt (1. und 2. März) und auch „Bauhaus – Modell & Mythos“ war bis auf den letzten Platz ausverkauft.
Architektur ist und bleibt die prägendste aller Künste, denn Gebautes umgibt uns auf Schritt und Tritt, am Arbeits- und Schlafplatz ebenso wie bei unseren Freizeitaktivitäten. Doch leider wird die Architektur dieser bedeutenden Rolle oft nicht gerecht. Warum das so ist, darüber ist viel gerätselt und diskutiert worden; meist im Elfenbeinturm, fernab derer, die Architektur aushalten müssen. Um zeitgenössische Architektur an die Bürger zu vermitteln gibt es mittlerweile doch einige Ansätze: Projekte in Schulen oder Kindergärten, die Architekturwoche, die vom BDA organisiert wird und eben die Filmreiche "Architektur im Kino"
Bauhaus - Modell & Mythos

Am vergangenen Mittwoch präsentierte die Regisseurin Kerstin Stutterheim den Dokumentarfilm "Bauhaus - Modell & Mythos", den sie zusammen mit Niels Bolbrinker gedreht hat, in einer überarbeiteten Form. Der Titel ist gut gewählt, denn er vermittelt treffend den Inhalt: Das Bauhaus war mehr als eine Architekturschmiede und anders als es sich die meisten vorstellen. Den beiden Filmemachern gelingt es dem Begriff "Bauhaus" Leben einzuhauchen und eine spannende Geschichte über dessen Geschichte zu erzählen. Das Werk ist reich an Informationen, exzellent recherchiert und zeigt "das Bauhaus" in einer eindrücklichen Farbigkeit.
Die liegt nicht zu Letzt an den zahlreichen Interviews, die mit Bauhaus-Schülern geführt wurden: Menschen, die in den Zwanziger und Dreißiger-Jahren jung, voller Tatendrang und auf der Suche nach dem Neuen waren. Es kommen Vertreter aller am Bauhaus unterrichteten Gewerke zu Wort. Die Filmemacher spüren den Veteranen bis nach Tel Aviv nach und vermitteln so das Bild eines internationalen Lehrinstituts, das nicht nur die führenden Köpfe zum Unterricht nach Weimar, später Dessau und zuletzt Berlin holte, sondern eben auch in alle Welt ausstrahlte.
In den behutsam und doch sehr markant gedrehten Porträts der ehemaligen Bauhäusler ist die Begeisterung für die Methodik, den Umgang untereinander und die Aufbruchstimmung immer noch spürbar. Gropius, Itten, Schlemmer oder Kandisky: sie wollten die Welt verändern und haben zumindest die Sicht auf diese revolutioniert. Die Verbindung von Handwerk und Kunst stand da im Programm und wurde mit den Bauhauswerkstätten auch gelebt. Kunst und Technik, das Schöne und Funktionale sollte vereint werden, und das gelang, wenn auch nicht immer. Das Bauhaus galt als Links, geriet unter den Druck der Nazi-Ideologie. Andererseits planten Bauhaus-Architekten für die NS-freundliche Wirtschaft. Das Bauhaus war keine monolithische Institution sondern ein von Menschen geformter Organismus, der ebenso für Profilsucht und Egoismus anfällig war.
Sehr eindrucksvoll auch die Stellungnahmen der Bewohner der Neuen Bauten. "Über Gropius lass ich nichts kommen", sagt eine Berlinerin und eine Israelin erinnert sich an das "Bittschön-Dankschön" der siedlungsbauenden Emigranten. "Dokumentarfilme sollen vom Bild her erzählt werden", so Regisseurin Kerstin Stutterheim im kurzen Einführungsgespräch vor Filmbeginn. In ihrem Film entstehen die Bilder durch die Erzählungen, das spricht für den Film, der den Titel Meisterwerk verdient. Ein Film durchaus mit feinfühligem Humor, wovon diese Aufzählung von Ernst Kallai
ein Zeugnis ablegt:

»Heute weiss jeder Bescheid: Wohnungen mit viel Glas und Metallglanz:
Bauhausstil!
Desgleichen mit Wohnhygiene ohne Wohnstimmung: Bauhausstil!
Stahlrohrsesselgerippe: Bauhausstil!
Gewürfelte Tapeten: Bauhausstil!
Drucksachen mit fetten Balken und Grotesklettern: Bauhausstil!
Alles kleingeschrieben: Bauhausstil!
Alles groß gesprochen: Bauhausstil!
...Damenwäsche nicht mehr mit Blümchen, sondern im zeitgemässen »Bauhausstil« mit
geometrischen Dessins.
Seine Majestät der Snob wünscht etwas Neues.«
Für alle, die dieses unterhaltsame Stück Kulturgeschichte auf DVD besitzen wollen, gibt es "Bauhaus − Modell & Mythos" bei absolut MEDIEN unter www.absolutmedien.de im Internet zu bestellen.
Architektur im Kino
Wintergarten im Andreasstadel
noch bis 17. März jeweils 19:00 Uhr
Sonntags-Matinée, 14.03.10
www.architektur-im-kino.de
26.02.10 - michael kroll
Sehr geehrter Herr Kroll,
vielen Dank für Ihre – ebenfalls exzellent rechercherierte – Veröffentlichung über den BAUHAUS-ABEND im Kino Wintergarten.
Herzliche Grüße
Iris Bernhard
