Blauer Sonntag
Eine laue Sommernacht, drei Männer die vom Mond und von schönen Frauen singen und der Innenhof des Raven füllt sich langsam bis auf den letzten Platz. Als „Muck and his Swinging Buddies“ mit „Summertime“ ihre letzte Zugabe spielen, ist der vielzitierte Mond zwar noch nicht zu sehen – dazu hätten sie bis in die Morgenstunden spielen müssen – und doch sind alle angenehm gerührt und mit viel Insiderwissen unterhalten worden.
Muck, der sich mit bürgerlichem Namen Markus Kotz schreibt, gilt als Urgestein der Blues-Szene. Namen wie „Tana Nile“, „Chambergrass“ oder John Kirkbridge sind mit ihm verbunden. Man könnte ihn, den Orgelbaumeister, als weißesten Bluessänger bezeichnen, auch wenn dieser Titel nicht von allen als Auszeichnung betrachtet werden wird. Und doch hat er eine ganz eigene Art gesanglich mit den Titeln der frühen Jahre des 20sten Jahrhunderts umzugehen. Bezeichnen wir es ruhig als Kammermusik-Blues, der sich ebenso auf der Straße wie im Kreise einer geneigten Zuhörerschaft intonieren lässt. Er singt mit viel Pathos und erweist sich in seinen Ansagen als detailreicher Kenner des Genres. Und wenn er zur Harp greift? Dann scheint plötzlich ein zweiter, ein tief schwarzer Muck auf der Bühne zu stehen, so Herz zerreißend gehen einem die Töne unter die Haut.
Die Blue Notes und Blues-Skalen zupft und schlägt Stefan Brandl auf seiner Gibson an. Mit stoischer Gelassenheit fährt er durch alle Lagen des Griffbretts wie durch die sprichwörtlich unruhige See des Lebens. Nur bei wenigen Titeln wie „Ain’t that fine“ oder bei „Missile Blues“ tritt er aus der Begleitfunktion und spielt sich in den Vordergrund. Er hält den Kurs und gibt dem Abend seine monochrome Farbe: Blau. Bertl Wenzl ist Kraft seines Amtes als Saxofonspieler überwiegend als Solist tätig und das keine Note zu lang. Egal ob er aus dem großen Dunklen oder kleinen Hellen seine Klangwunder zaubert, er ist großartig! Und im Zusammenspiel mit Mucks Blues-Harp scheint der samten sanfte Ton des Saxofons die jammernde Mundharmonika beschwichtigen zu wollen und ihr zu bedeuten: es wird schon alles wieder gut. Gut, gelungen, unterhaltsam und anrührend lautet auch das Fazit des Auftritts der Drei. „Muck and his Swinging Buddies” haben sich in die Herzen der Raven-Besucher gespielt, und wie ein „Motherless Child“ musste sich an diesem Abend wirklich niemand fühlen. What a wonderful world!
8.06.10 - michael kroll
