Bigband Infotainment
Was ist der Unterschied zwischen Corpsgeist und Bandgeist? Letzterer kann humorvoll sein und wenn der Humor noch dazu ein englischer ist, dann ist zumindest für Stimmung gesorgt. Und was haben Jazzsänger und Bandleader gemeinsam? Sie geben meist gute Entertainer ab und Ed Partyka, der Leader des Jazzorchesters Regensburg, konnte kraft seines Humors das Publikum im Leeren Beutel schon nach zwei Sätzen für sich gewinnen. Er überzeugte musikalisch und verdiente sich im Laufe des Abends goldene Sporen als Infotainer.
„The more you drink, the better we sound“, war einer der wenigen englischen Sätze, die der in Chicago geborene Bigbandleader Edward A. Partyka am zweiten Weihnachtstag an die zahlreich erschienenen Gäste richtete. An ein Publikum, das, wie Ed meinte, an diesem Weihnachtsfeiertagabend nichts Besseres vor hatte und deshalb zwangsläufig zur Fangemeinde wurde. Ein Publikum, so Ed weiter, das nur wegen der Musik gekommen sei und nichts lernen wolle. Dem setzte er, der Musikdozent, Arrangeur und Komponist, allerdings seine süffisanten und jazz-historisch fundierten Anmoderationen entgegen. Und so wurde nicht nur Musikgenuss auf hohem Niveau bereitet sondern auch ein Abriss jüngster Bigbandgeschichte geliefert.
Der Abend, übrigens der zweite Auftritt des kürzlich gegründeten Jazzorchester Regensburg (JOR), stand im Zeichen der New Yorker Bigband-Tradition. Und die ist eng verbunden mit Thad Jones (1923 - 1986), einem „Schüler“ Count Basies, der im Laufe seines Schaffens den Swing-Sound harmonisch weiter entwickelte. Bob Brookmeyer (1929), so erklärte Bandleader Partyka, ging noch einen Schritt weiter: Er nahm Elemente der Klassik und der 12-Ton Musik in seine Bigband-Konzepte mit auf und erweiterte die Strukturen der Arrangements. Die Genealogie führt (wie die setlist) weiter über die „Brookmeyer-Schüler“ Jim McNeely und Maria Schneider, in deren Bigband Partyka und einige seiner Mitstreiter bereits gespielt haben. ![]()
Musikalisch gesehen hat es der Bandleader verstanden eine gute Mischung aus eingängigen Standards wie „All of me“ und eher sperrigen Stücken, wie „Ding Dong Ding“ oder der dreiteiligen Brookmeyer Suite „El Co“ zusammenzustellen. Seinen Bläsern bot er reichlich Gelegenheit als Solisten zu glänzen, wobei die Blech-Solos erwartungsgemäß eher als free zu bezeichnen sind. Tobias Weidinger, Jörg Engels, Martin Auer, Florian Trübsbach, Felix Fromm, Johannes Herrlich, Johannes Lauer, Lutz Häfner, Oliver Leicht und Herwig Gradischnig glänzten in ihren Soloparts. Höhepunkte waren sicher Thad Jones „Cherry Juice“, das nach Eds Ansage „eher selten gespielt wird, weil es so schwer ist“ und die von Brookmeyer für Clark Terry und das Mel Lewis Jazz Orchestra geschriebene Suite. „So etwas hören sie nicht in München und in Köln müssen sie das auf Kassette kaufen“, so der launige Bandleader. Die Originalnoten kamen dank der Christian Sommerer-Connection aus New York direkt nach Regensburg und wurden von Jörg Engels zum Beweis der Einmaligkeit dem Publikum präsentiert.
Die Regensburger Bigband, die auf Anregung von Christian Sommerer (Bassposaune und Bigband-Gesamtleitung) und durch Finanzierung durch die Stadt und das Volvo-Autohaus Bauer, dessen Geschäftsführer Dominik Weber selbst die Tasten des Pianos anschlagen kann, gegründet wurde, ist also eine gute Investition, wenn sie auch als Botschafter für Regensburg als Jazzstadt fungieren wird. Sie kann den internationalen Ruf, den sich die Stadt durch ihr Jazzweekend und die von hier aus wirkenden hervorragenden Jazzmusiker erworben hat, auf exzellente und charmante Weise untermauern. Als Beleg für die Akzeptanz kann der ausverkaufte Saal im Leeren Beutel ebenso gelten wie die Anwesenheit von vier Generationen Jazzfans. Eine ältere Dame, die schon im April 1954 Louis Armstrong in der RT-Halle gehört hatte, fand das Konzert jedenfalls einmalig schön und sie freute sich darüber, dass es „seit dem Jazzweekend in Regensburg mit dem Jazz so richtig losgeht“.
Mit dem JOR geht es am 15. Februar wieder richtig los, wenn das Jazzorchester Regensburg zeigt, was Bigbandmusik der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts zu bieten hat, wenn die Bandmitglieder mit ihren eigenen Arrangements gefeatured werden und wenn uns Ed – hoffentlich auch anhand eigener Kompositionen – erklärt, warum zeitgenössischer Bigbandsound so klingt, wie er klingt.
(Am 14. April wird dem Großmeister Duke gehuldigt. Weitere Termine und Informationen: www.jazzorchesterregensburg.de Und hier noch ein interessantes Interview mit Ed Partyka über seine Arbeit mit dem Bundesjugendjazzorchester [<])
Text und Fotos: Michael Kroll
29.12.08 - online redaktion
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