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Anspruchsvolles Sonntagabend-Programm

Wenn es einen krasseren Gegensatz zur allsonntäglichen 20-Uhr-Beschäftigung, die Walter van Rossum in seinem Buch „Meine Sonntage mit Sabine Christiansen“ als Drama der Sachzwänge beschrieben hat und welches nun von ihrer Nachfolgerin Anne Will ebenso stereotyp fortgesetzt wird, dann diesen: Ein Musikprogramm weitgehend aus eigener Feder, mit einem ganz eigenen Stil, keine leichte Kost und dennoch nicht schwer verdaulich – das Ulli Knod Trio zeigte im Raven, dass Niveau keine Handcreme ist und dass man sich als Akteur auf der kulturellen Bühne nicht dem vermeintlichen Massengeschmack des Publikums zu unterwerfen braucht.

Ulli Knod TrioUlli Knod, beschreibt das Anliegen der Formation so: „Wir wollen in jedem Stück einen eigenen Stil spielen und einen unverwechselbaren Sound erzeugen.“ Die Kompositionen sind überwiegend aus der Hand von Schlagzeuger Knod und Gitarrist Roland Huber. Fremdes Material ist von Miles Davis, John Coltrane, Thelonius Monk und John Scofield zu hören. Diese Komponisten beschreiben recht gut das Terrain, auf dem sich das durch Tom Matejevic am Bass komplettierte Trio bewegt. Komplexes Material, das durch Hubers sphärischen, zum Teil stark verzerrten, psychedelischen oder gar trashigen Gitarrensound geprägt wird. Das Ganze mit einer Prise Humor gewürzt.

Roland Huber ist durch „DiFusion“ bekannt und es ist ein Glück, ihn in einem Trio hören zu können, in dem er sich voll entfalten kann – kompositorisch wie spielerisch. Er hebt seinen Sechs-Saiter in neue Sphären und überrascht sowohl spieltechnisch wie melodisch immer wieder. Auch Tom Matejevic hat sich einen Namen mit der Regensburger Fusion-Formation um Bertl Wenzl gemacht und während er dort für den Gesamt-Drive verantwortlich ist, kann er sich im Trio mehr individualisieren. Matejevic’ Basssoli sind prägender und bereichernder Bestandteil des Programms und er scheint seine Inspirationen und Einsätze aus dem permanent innigen Kontakt mit dem Mann hinter den Becken zu holen.

Roland Huber im RavenPrägend ist auch das Schlagwerk, und das nicht nur weil das Trio den Namen seines Schlagwerkers trägt. Dem Schlagzeug kommt in diesem Trio eine besondere Bedeutung zu – es ist narrativ, wird von seiner Rhythmus gebenden Funktion fast gänzlich entbunden und zu einem melodiösen Instrument. Ulli Knod erzählt Geschichten! Seine Sticks und Besen sind in ständigem Einsatz um hier und dort ein Wort einzufügen, eine Wendung oder Pointe zu geben. Ein Hochgenuss und völlig stimmig wird diese Art des Spiels (und des Zusammenspiels) in der John-Coltrane-Nummer „Impressions“ und bei der Zugabe „Let’s go“. Das Schlagwerk ist aber noch aus einem anderen Grund prägend. Mit vielen Becken und einem massiven Klang ausgestattet, kommt es sehr knackig und hölzern rüber. Der außergewöhnliche Sound ist dem Produktionsverfahren des australischen Herstellers geschuldet; dort wird zum Teil Vollholz verwendet. „In a copycat world where so much is becoming the same, nothing sounds like a Brady because nothing is built like a Brady.“ Das passt zum eigenständigen Klang der Formation und birgt gleichzeitig die Gefahr der Dominanz. Auch wenn Ulli Knods Geschichtenreservoir unerschöpflich scheint, könnte er sich öfter mal zurücknehmen und sich als reiner Rhythmusgeber verstehen. Das käme den anderen beiden Akteuren zu Gute und würde den Titeln ein wenig mehr Zusammenhalt und Durchgängigkeit verleihen.

Alfred Dick hat mit der Einladung des Trios ein feines Gespür für ungewöhnliche Töne bewiesen und das Publikum darf jetzt bereits gespannt sein auf die Projekte, die Ulli Knod mit Helmut Kagerer und Frantisek Uhlir bzw. Tom Matejevic plant. Und zum Glück sind auch schon die nächsten Sonntagabende gerettet: Näheres dazu unter www.ali-raven.com

 

6.05.10 - michael kroll

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