Achtung Swing!
Mit einem Doppelkonzert feierten das Uni Jazz Orchester und die Volvo Big Band den 85ten Geburtstag und den Bühnenabschied der Swing-Legende Al Porcino. Ein begeistertes Audimax-Publikum gab am Ende Standing Ovations und bedauerte, dass es keine weiteren Zugaben und kein Zurück mehr geben würde. Seit fünf Jahren war der große Mann der Bigband-Musik regelmäßig in Regensburg und für Christian Sommerer, dem Leader des Uni Jazz Orchesters und Manager der Volvo Big Band, waren seine Besuche stets eine Inspiration und eine Gelegenheit Neues zu lernen. Im ersten Set führte Al Porcino, der seine Trompeter-Karriere erst im Alter von 80 Jahren beendet hatte, die Uni-Jazzer durch den Abend, den er mit einer Warnung eröffnete: „Wir spielen keine Avantgarde, wir spielen Swing – Swing pur!“
Mit „Kingfish“ wurde das Feuerwerk des Swing eröffnet und Al ließ keinen Zweifel daran, dass er die 18 Musiker des Uni-Ensembles zu höchster Performance bringen wollte. Mit launigen Anmoderationen und einem Running Gag über seine Lieblingsarrangeure, ständig zwischen Rhythmusgruppe und Bläsern hin und her gehend, brachte er das Urgefühl dieses Musikgenres, das den Jazz bis Anfang der 1950er-Jahre dominierte, auf die Bühne. Und es dauerte nicht lange bis er feststellen konnte: „You cats are swinging!“
Im zweiten Set stand das Jazz Orchester Regensburg – Die Volvo Big Band unter der Leitung Porcinos. Ed Partyka, der die Formation sonst leitet, hatte seinen Posten an diesem Abend geräumt. „How do you like my red shirt“, fragte Al, der mit seiner neuen Garderobe wohl signalisieren wollte, dass es noch heiß hergehen würde im Verlauf des Programms. Und tatsächlich schaffte er es, aus diesem eher zeitgenössisch orientierten Klangkörper, eine Swing-Truppe zu machen. Ohne eine Partitur vor sich zu haben, brachte er jeden Einsatz auf den Punkt, steuerte die Dynamik in vollem Umfang und sorgte dafür, dass der triolische Drive nie nachließ. Bereits bei „My Heart belongs to Daddy“ war die volle Kraftentfaltung gelungen. „Diese Jungens sind heiß“ meinte ihr Leader und sie blieben es – auch bei Balladen wie „Autumn in New York“ oder „Stella by Starlight“.
Wer in den ersten Reihen im Audimax saß, hörte die Musik unverstärkt und direkt, die Energie von Bläser- und Rhythmusgruppe entlud sich ins Publikum und man konnte an Als Minenspiel ablesen, wann die Musiker seine Vorstellung von in-time-sein erfüllten. Denn, wie Christian Sommer sich nach dem Konzert äußerte, Swing wird oft unterschätzt. Und unter der Leitung von Al Porcino zu spielen ist nicht nur eine große Freude und ebensolche Ehre, es ist auch eine enorme Herausforderung, denn er weiß genau was er will und wie sich der Klangkörper anzuhören hat. Die große Faszination des swingenden Bigband-Sounds liegt ja gerade in der Kombination von Energie, Präzision und Gefühl und um dies umsetzen zu können ist Disziplin das oberste Gebot. „Schön, yeah“ – bei „Stella by Starlight“ genoss der Meister selbst die von ihm inszenierte Musik. Auf ganz leisen Tönen kam „Espana“ daher, mit einem wunderbaren Pianosolo und einem, die Spannung potenzierenden Schlagzeugeinsatz. Die Solisten Ed Zimmermann, Oliver Leicht, Lutz Häfner, Tobias Weidinger und Lorenz Kellhuber gaben den Titeln einen bereichernden Aspekt Modernität ohne das Swing-Konzept ihres Leader zu unterlaufen.
Das Al-Porcino-Galakonzert war ein überaus gelungener Abend und ein würdevolles Abschiedsfest für einen Mann, der für den Jazz so viel bedeutet. Schön zu sehen, wie Alt und Jung miteinander kommunizieren und dass das Great American Songbook immer wieder mit Leben gefüllt werden kann. Es bleibt nur noch, Al Porcinos Worte auf ihn selbst zu münzen: „Dieser Junge ist heiß.“
18.05.10 - michael kroll
