Zwischen Maria und Minnelli
In der Welt zu Hause, aber seit gut 30 Jahren in Bayern daheim, ideenreiche Geschäftsfrau, fürsorgliche Mutter, engagierte Katholikin. Sie war bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes die Chefin einer alten und bedeutenden Adelsfamilie. Die überzeugte Marienverehrerin belebte im Jahre 2006 die Marianische Frauencongregation in Regensburg wieder und steht dieser seitdem als Präfektin vor. Als Schirmherrin der Thurn und Taxis-Schlossfestspiele überrascht sie das Publikum immer wieder in kleinen Rollen und hat nicht nur im Aachener Karneval mit ihrem stimmgewaltigen Gesang überzeugt. Sie zeigt Präsenz bei der Regensburger Fronleichnamsprozession genauso wie in verschiedenen Fernsehdiskussionen. Sie liebt die Tradition, kann aber auch gänzlich unkonventionell sein. An ihr scheiden sich die Geister, was sie selbst aber wohl nicht stört.
Heuer ist die Marianische Frauencongregation Regensburg zum dritten Mal mit rund 160 Pilgerinnen und Pilgern nach Maria Vesperbild gewallfahrtet. Also bald schon so etwas wie eine Tradition. Warum wurde gerade Maria Vesperbild für die Buswallfahrt ausgesucht?
Weil Maria Vesperbild einen sehr würdigen und schönen Wallfahrtsservice bietet. Man kommt an, wird vom Klerus und den Ministranten bei Glockengeläut empfangen, zieht dann gemeinsam in die Kirche ein, dort sind alle Beichtstühle besetzt. Die Messe wird würdig zelebriert, die Predigt ist großartig, viele Frauen empfinden es als etwas ganz Besonderes.
Trotz der oft zitierten schwindenden Religiosität erfreuen sich Wallfahrten, gleich bei welchen Altersgruppen, großer Beliebtheit. Woran liegt das Ihrer Meinung nach, was ist daran so besonders? Was ist für Sie persönlich das Besondere?
Wallfahrten ist ein Gebet im Gehen oder Fahren. Es ist ein Gemeinschaftserlebnis. Es macht Spaß, es verbindet, das ist das Schöne am Wallfahrten. Jeder Schritt ist Gebet.
Als sogenannte Person des öffentlichen Lebens stellt sich einem da nicht auch die Frage, inwieweit gehe ich mit meinem Glauben in die Öffentlichkeit, wie viel möchte ich davon nach außen tragen?
Wir haben einen missionarischen Glauben, wir sind verpflichtet, anderen die Schönheit unseres Glaubens näherzubringen. Auf angenehme Weise natürlich, nicht aufdringlich.
Wallfahren ist ein Teil unserer Kultur, besonders bei uns in Bayern, man denke nur an Altötting (seit 1489), Andechs (seit 1128) oder gar den Bogenberg bei Straubing (seit 1104). Die Thurn und Taxis-Schlossfestspiele werfen schon vielfältig ihre Schatten voraus. Sehen Sie eigentlich eine Verbindung des einen Kulturgutes mit dem anderen, sozusagen Kultur zwischen Maria und Minnelli?
Das eine ist etwas Heiliges, das andere etwas Profanes. Beides ist im Leben wichtig, alles zu seiner Zeit.
Heuer finden die Thurn und Taxis-Schlossfestspiele schon zum siebten Mal statt, vor einem Ausblick auf das aktuelle Programm noch einen kleinen Rückblick auf die vergangenen Jahre und Stars. Über wen haben Sie sich besonders gefreut, bei welcher musikalischen Begegnung ist für Sie auch persönlich ein Traum in Erfüllung gegangen?
Ja ganz toll ist es, die Stars nach der Show persönlich treffen zu können. Meistens kommen sie noch auf ein paar Gläser Wein oder sogar, um etwas zu essen ins Festzelt. Liza Minelli, Rolando Vilazon, Bobby Mc Ferrin – alles tolle Leute, die viel Spaß an ihrem Auftritt im Schloss haben. Das macht mir natürlich auch viel Freude.
Auch dieses Jahr ist es den Verantwortlichen, allen voran Reinhard Söll von Odeon Concerte, wieder gelungen, ein sehr vielfältiges Programm mit den unterschiedlichsten Künstlern auf die Beine, pardon, auf die Bühne zu stellen. Die Schlossfestspiele sind sozusagen eine musikalische Weltreise mit vielen Weltstars, ein musikalischer Spaziergang durch die Welt von Oper, Musical, Ballett oder Schauspiel. Gibt es da eine Aufführung, die Sie persönlich besonders freut?
Ich freue mich natürlich auf Pippi Langstrumpf, weil ich da mitspiele. Alle anderen Shows sind auch toll, jede für sich ist etwas Besonderes, es kommt einfach auf die persönliche Vorliebe an. Einer mag Klassik, der andere mag's mehr modern. Ich werde auf jeden Fall jeden Abend dabei sein.
Neben der Neugier der Festspielbesucher, wer alles mit dabei ist an Künstlern, ist ja auch immer die Frage, die Fürstin nur als Besucherin oder auch als Darstellerin, von großem Interesse und ja bereits beantwortet: In Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf werden Sie dieses Jahr bei der Kinderaufführung auf der Bühne stehen. Was bedeutet Ihnen Pippi Langstrumpf eigentlich?
Pippi war für mich der Inbegriff von dem, wie ich gerne sein wollte. Allein in einem Haus, mit Tieren, herrlich. Keine Regeln, keine Konventionen, so stark wie ein Bär, was könnte es denn Schöneres geben. Pippi war in meiner Kindheit der absolute Hero.
Sie schlüpfen an diesem Sonntagvormittag in die Rolle der gestrengen Lehrerin Frau Prysselius, die von Pippi immer nur frech „Tante Prusselise“ genannt wurde. Wie kam es gerade zu dieser Rolle? Wie werden Sie sich vorbereiten?
Vorbereiten ganz klassisch mit repetieren, so wie man ein Gedicht auswendig lernt. Es war der Vorschlag der Regie, mir diese Rolle zu geben. Ich bin sehr zufrieden mit dem Vorschlag, denn ich habe etwas mehr Text als in den letzten Jahren und darf auch etwas mehr spielen.
Sie selbst sind ja multi-kulturell aufgewachsen, geboren in Stuttgart, Kindheit in Afrika, Jugend in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, mit Großeltern aus Deutschland, Polen, Ungarn und Russland. Welche Bedeutung hat für Sie da kulturelles Leben, wo haben Sie Ihre kulturellen Wurzeln?
Meine Wurzeln sind in Deutschland, aber durch meine Familie und die Verwandtschaft bin ich sehr international aufgewachsen. Ich spreche viele Sprachen und fühle mich in vielen Ländern wohl. Ich bin multikulti. Meine Familie hat russische, türkische, griechische, belgische und deutsche Vorfahren. Damit bin ich ein echter Europäer.
Jetzt in Bayern daheim und trotzdem in der Welt zu Hause, sind Sie ja auch ein gerngesehener Gast in den Festspielhochburgen Bayreuth und Salzburg. Was ist in Regensburg anders als dort, was macht den besonderen Reiz der bei Schlossfestspiele aus?
Bei den Regensburger Schlossfestspielen wird darauf geachtet, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Es ist ein Open-Air-Event und damit schon mal ganz anders als Bayreuth oder Salzburg, die ja sehr aufwändige, Millionen teure Theaterbühnen haben. Bei uns kostet ein Ticket zwischen 20 und 130 Euro. In Bayreuth und Salzburg 400 Euro.
Werfen wir auch einen Blick ins Jahr 2010, über das verflixte siebente Festspieljahr hinaus: Gibt es eine Traumrolle für Sie bei zukünftigen Festspielen? In welche Rolle würden Sie gerne einmal schlüpfen?
Das überlasse ich ganz der Regie, schließlich kann ich mein Potenzial überhaupt nicht einschätzen. Aber die Theaterleute können das.
Eure Durchlaucht, besten Dank für das Gespräch und einen gelungenen Festspielverlauf mit viel tosendem Applaus, aber ruhiger Wetterlage, mit begeisternden Künstlern und einem begeisterten Publikum und Ihnen als Frau Prysselius toi toi toi!
(Interview Carl Prämaßing, Foto Clemens Mayer)
9.07.09 - online redaktion
