Zwischen den Polen
Ralf Koenemann stellt in der Galerie Art Affair aus, Galerist Karl-Friedrich Krause lud zur Vernissage, Jürgen Huber führte in die Ausstellung ein und die versammelte Kunstszene konnte sich ein Bild von unendlicher Weite und archaischer Nähe machen. Die großformatigen Bilder des Künstlers, der in Essen auch eine Malschule betreibt, sind noch bis Ende Mai zu sehen.
Ralf Koenemanns Ausstellung lässt sich am besten mit "dem Fernen und dem Fremden" charakterisieren. Zum einen der Blick ins All, in die Unendlichkeit – passend zum Leitmotiv des 20. und 21. Jahrhunderts "die Grenzen überwinden". Doch wie stellt man das Unendliche, das Unbegreifbare dar? Koenemann lässt Lichtpunkte und Lichtpulke aus einer schwarzen Masse heraustreten. Die Bilder scheinen von sich aus zu leuchten, was natürlich ähnlich wie für das Sternenzelt nicht gilt: Sterne werfen das Licht, das auf sie fällt zurück – nur Sonnen leuchten. Die Strahlkraft Koenemanns großformatiger Arbeiten resultiert auch aus dem Umgang mit der Farbe als Material. Er experimentiert mit den Zusammensetzungen und fügt zusammen, was Kunstprofessoren erschaudern lässt. Farbe hat bei im weniger mit Frequenzspektren als mit Alchimie zu tun.
Der andere Teil seiner Werke, der noch bis Mitte Mai bei Art Affair zu sehen ist, greift das Archaische auf, das uns (Über)Zivilisierten ebenso fremd und fern vorkommt wie ein Leuchten aus den Tiefen des Universums. Die ursprüngliche Kraft seine Afrika-Motive (Geier, Gorilla, Büffel) können einem schon Angst einflößen, nicht jeder möchte einen bedrohlich wirkenden Menschenaffen in seinen eigenen vier Wänden haben. Aber
ebenso wie im Weltall, schlummert auch im Urwald die unergründlichen schöpferischen Kräfte, das Geheimnis der Schöpfung.
Jürgen Huber vom Kunstverein Graz stellte in seiner Einführung fest „die Bilder entstehen bei längerer Konfrontation mit dem Betrachter in dessen Kopf“; wohl wahr, denn jeder Mensch hat seine eigenen Assoziationen. Und so können Koenemann Bilder auch als Hinweis auf die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit des Menschen verstanden werden, der nicht der Herr der Welt, sondern nur ihr Gast ist.
Kaleidoscope Eyes
Ralf Koenemann
bis 14. Mai
Art Affair, Neue Waaggasse 2
www.art-affair.net
(Foto unten: v.l. Jürgen Huber (Kunstverein Graz), Ralf Koenemann und Galerist Karl-Friedrich Krause)
9.05.09 - online redaktion
