Zimmer mit Flügel
Zugegeben, der Titel übertreibt ein wenig, aber immerhin: Jedes Studentenappartement der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik ist mit einem Klavier ausgestattet und Unterkünfte für Studierende stehen in Stadtamhof immerhin 40 zur Verfügung. Diese sind alle im Zuge der Sanierungsarbeiten auf den neuesten Stand gebracht worden, ebenso wie die Räumlichkeiten in der Hochschule selbst. Dort war die größte Veränderung der Einbau eines Foyers als Verbindungsbau zwischen den ehemaligen Kreuzgängen und dem Konzertsaal.
A propos Konzertsaal. Der wurde im Zuge der Umbauarbeiten ebenfalls neu gestaltet: Größere Bühne, auf der die Goll-Orgel erst noch installiert werden muss, Einbau einer Zuschauerempore und freundlichere Innengestaltung gehörten zum Maßnahmenkatalog von Architekt Joachim Peithner. Im Konzertsaal werden am Cäcilientag nach dem Festgottesdienst auch die Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung stattfinden: Nach der Begrüßung durch Rektor Dr. Franz Josef Stoiber, den Grußworten von Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch und einem Beitrag von Architekt Peithner wird der Würzburger Bischof Dr. Friedheim Hofmann den Festvortrag halten: Christliche Kultur – Lebendiger Glaube in Kunst und Musik. Die Musik kommt an diesem 22. November ab 17.00 Uhr zu ihrem Recht, wenn die neue CD aus der Kompositionen-Hochschulreihe vorgestellt wird.
Die Hochschule selbst wurde 1874 von dem Domkapellmeister Franz Xaver Haberl gegründet und beruhte auf der Idee, dass die Reformbewegung der sogenannten Cäcilianer am besten von einem Ort der Lehre in die Welt getragen werden könne. Die Cäcilianer wollten die Kirchenmusik frei halten von der modischen Affektiertheit der immer beliebter werdenden Einflüsse aus der Oper. Der Regensburger Autor Dieter Lohr hat zu diesem Thema den historischen Roman „Rebellion im Wasserglas“ verfasst, der Einblicke in das Leben der damaligen Kirchenmusikszene gewährt.
Die Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik präsentiert sich heute auf der Höhe der Zeit, sind nicht nur durch die Umbaumaßnahmen die Anforderungen des Bologna-Prozesses zur Hochschulreform umgesetzt worden. Die Studiengänge können ab diesem Wintersemester mit dem Bachelor und Master abgeschlossen werden. Auf der Höhe der Zeit präsentiert sich die Hochschule auch in der Gestaltung ihres Festwochen-Programms, doch das sei nur eine Randbemerkung.
Inhaltlich geht es bis zum 28. November sehr vielfältig zu und man sieht, dass sich die Verantwortlichen nicht scheuen über ihren Kernbereich hinauszugehen. So etwa, wenn der Arrangeur, Komponist und Produzent Dieter Falk zu einem Workshop eingeladen wird. Der Juror aus „Popstars“ wird am 25. November zeigen, wie man in alte Lieder den Hauch von Norah Jones oder Elton John bringt. Während der Festwoche stehen die Türen am Sonntag zur Besichtigung offen: ab 11.30 im Foyer mit Weißwurstfrühstück und ab 13.00 Uhr mit Hausführungen. Um 17.00 Uhr findet das Festkonzert statt. Ein weiterer Höhepunkt dürfte das „Gratulationskonzert der Chöre“ sein. Die Regensburger Domspatzen, der Chor St. Anton, der Cantemus-Chor, der Studienchor der Hochschule für evangelische Kichenmusik und das Heinrich-Schütz-Ensemble werden einen abwechslungsreichen Abend gestalten.
Den Abschluss findet die Festwoche am Freitag, den 28. November, mit dem „Bach Süddeutschlands“ Georg Muffat. Muffat, der vielen vielleicht als Namensgeber für eine Münchner Veranstaltungshalle bekannt ist, schuf zahlreiche Werke, die von Opern und Tanz-Suiten über Vokal- und Messkompositionen bis hin zu seinem „Apparatus musico organisticus“, einer der bedeutendsten Sammlungen barocker Orgelmusik, reichen. Um 20.00 Uhr wird die sensationelle 24 stimmige „Missa in labore requies“ zu hören sein.
Mit der Wiedereröffnung am Cäcilientag wird die Hochschule für katholische Kirchenmusik auch weiterhin unter einem guten Stern stehen, denn die etwa um 200 geborene Cäcilia gilt als Patronin der Musik, der Sänger und auch der Dichter. Die Legende sagt, die junge Cäcilie hätte sich heimlich mit Jesus Christus verlobt und ihre Keuschheit auch in der späteren Ehe bewahrt, das Schwert ihrer Folterknechte soll sie drei Mal überlebt haben
Das komplette Festprogramm gibt es hier [<].
(Fotos: Franz Josef Stoiber, Martin Kellhuber und Geschäftsführer Johannes Lederer
Domorganist und Rektor Dr. Franz Josef Stoiber mit einer Notenedition
Prorektor Martin Kellhuber, Text und Fotos Kroll)
21.11.08 - michael kroll
