Woodstock im Bierzelt
"I'm still a hippie" war eine der wenigen Ansagen von Woodstock-Legende Santana bei seinem Auftritt bei Jazz an der Donau. Freiheit und Frieden, so Carlos Santana im ausverkauften Festzelt am Hagen, seien für ihn immer noch die wichtigsten Dinge. Und so wurde das Straubinger Jazzfestival auch zu einem Manifest für eine bessere Welt. Denn nicht nur der hochumjubelte Gitarrengott aus dem mexikanischen Autlán de Navarro sondern auch die japanische Death-Jazz-Band "Soil & Pimp Sessions" setzten mit ihrer Publikumsanimation "Music has no Border" ein Zeichen für weltweite Verständigung.
Keine Grenzen kannte auch die Programmzusammenstellung des Festivals in der Gäubodenmetropole: Von Klaus Doldingers Passport mit Sänger Sasha über die traditionellen opener - den Gewinnern des Nachwuchswettbewerbs "Startbahn Jazz" -, bis zu Lee Ritenour war ein Spannungsbogen gelegt, der sich auch an den Besucherzahlen ablesen lies.
Gut besucht war "Jazz an der Donau" auch bei Nicht-Mainstream-Formationen, wie dem Tobias Meinhart Quartett oder den Männern um Agitator Shacho von "Soil & Pimp Sessions", aber zu zeigen was ein ausverkauftes Bierzelt ist, das gelang freilich nur dem Top-Act Santana. Dessen Friedensbotschaft hatte sich schon zu Beginn des Konzertes ausgewirkt, denn im sogenannten Schützengraben, von dem aus Fotojournalisten während der ersten Songs die heiß begehrten Fotos schießen dürfen, ging es ungewöhnlich kollegial zu. 40 Jahre nach Woodstock ist die Welt zwar nicht friedlicher geworden, dennoch ist es im Zeitalter der weltweiten Kommunikation wichtiger denn je, die Bereitschaft zu Kooperation und Verständigung zu zeigen und sich dafür zu engagieren - "it's possible", so Carlos, der im Woostock-T-Shirt auf der Bühne stand. Woodstock lebte auch auf der Leinwand wieder auf, als ein Video aus vergangenen Tagen zu "Oye como va" eingespielt wurde. Musikalische Remineszenzen gab es auch immer wieder zu hören, so als etwa "A day in the life"-Klänge von den Beatles zum Santana-Klassiker "Black Magic Woman" überführten.
"Jazz is not a style, jazz is an attitude", so der Frontmann von "Soil & Pimp Sessions" der das Publikum Tanzen sehen und Singen hören wollte. Und daher kann das Festival in Straubing unbedingt als jazzig bezeichnet werden und man darf sich jetzt schon auf die Jubiläumsveranstaltung vom 15. bis 18 Juli 2010 freuen und an dieser Stelle allen Beteiligten für ihr Engagement danken.
Es traten auf: Sanmera, Klaus Doldingers Passport feat. Sasha, Shaggy, Soil & “Pimp” Sessions, Richard Galliano Quartet feat. Gonzalo Rubalcaba, Richard Bona & Clarence Penn, Till Brönner, Lee Ritenour & Band, Santana, Tobias Meinhart Quartett, Chris Potters Underground, Yadam.
Veranstalter: Jazz an der Donau e.V. [>] Sponsoren: u.a. E.ON Bayern, BMW Werk Dingolfing, Straubinger Tagblatt, Bayerischer Rundfunk, Media Markt.
(Text und Fotos: Michael Kroll)
20.07.09 - michael kroll
