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Welterbe im Welterbe: Metropolis

Als im letzten Sommer wie immer Aljoscha Zimmermann einige Stummfilme begleitete, sprachen die Macher des ältesten Stummfilmfestivals der Republik mit ihm auch über "Metropolis". Zimmermann erzählte, dass er bereits von der Murnau-Stiftung das Recht erhalten habe, auch mit der neu restaurierten Fassung wieder auf Reisen gehen zu dürfen.

Wenn also die Murnau-Stiftung mitmachen würde, könnten wir also bereits 2010 auch in Regensburg die längere Version des Fritz-Lang-Klassikers sehen. Nun, es hat geklappt. Die rührige Nicole Litzel schaffte es nach zähen Verhandlungen mit den Rechteinhabern tatsächlich, den Film, der zum Weltkulturerbe gehört, in die Stadt zu holen, die einst im 11. Jahrhundert ein geistlicher Schreiber "Metropolis" genannt hat. Der bittere Wermutstropfen dabei ist: Aljoscha Zimmermann wird nicht mehr dabei sein, denn kurz vor Weihnachten ist er in München plötzlich verstorben. "When Silence Sings" heißt eine schöne Dokumentation über ihn, die ihm zu Ehren den Abschluss der Stummfilmwoche bilden wird und vom 29.8. - 1.9. in der Filmgalerie laufen wird.

 Die Stummfilmwoche selbst beginnt am 25. August im Museumscafé im Klosterhof des Historischen Museums (Ort aller Stummfilme mit Ausnahme von "Metropolis") mit einem der großen komischen Filme der zehner Jahre: "Eskimobaby" mit der unglaublich albernen Asta Nielsen. Ein Komödienschmuckstück aus der Weltkriegszeit, das den Weg ebnete für den Humor eines Ernst Lubitsch. Gekoppelt ist das "Eskimobaby" mit einigen Kurzfilmen des großartigen Komikers Max Linder. Eberhard Geyer, der Hauspianist der "Bavarian Giants", wird diese Perlen musikalisch begleiten. Einen Tag später wird das neue Aljoscha-Zimmermann-Ensemble sein Regensburg-Debüt geben. Aljoschas Tochter Sabrina Hausmann und ihr neuer Pianist Mark Pogolski werden eine der ungewöhnlichsten Oscar-Wilde-Verfilmungen orchestrieren: "Salome", von und mit der legendären Nazimova. Ein Spektakel, das tatsächlich noch den Geist von Wilde und seinem Illustrator Beardsley atmet. Ein Film, den man fast schon als "camp" bezeichnen kann, wie Susan Sontag später den überzeichneten Stil jener Jahre nannte. Nach "Salome" folgt am 27.8. ein Klassiker des russischen Kinos: Dziga Vertovs "Der Mann mit der Kamera". Der Montagefilm par excellence, musikalisch bearbeitet von Rainer J. Hofmann und Christoph Becker. Und ein Film, der in den letzten Jahren als wahrer Klassiker des modernen Kinos gerade auch von Musikern aus aller Welt wieder entdeckt wurde, weil er so durch und durch musikalisch geschnitten ist.

Den Höhepunkt freilich stellt am Samstag "Metropolis" dar, der in der Minoritenkirche gezeigt werden wird. Das Aljoscha-Zimmermann-Ensemble wird dort die Musik vorstellen, die der Meister noch kurz vor seinem Tod entwickelt hat. Bisher war Fritz Langs "Metropolis" immer nur in einer verstümmelten Fassung zu sehen gewesen. Und das führte dazu, dass dieses unglaublich einflussreiche  Meisterwerk nie zu seinem filmischen Rhythmus fand. Trotz Otto Huntes genialer Bauten und Brigitte Helms ultracooler "Maria"-Performance ließ Fritz Langs Vision von 1926 viele Filmkritiker letztlich kalt. Zu groß waren die Sprünge in der Handlung und in den Bewegungen der Protagonisten. Bis plötzlich 2008 in Argentinien verloren geglaubtes "Metropolis"-Material auftauchte, von einer halben Stunde Länge. Eine Sensation, an die erst einmal niemand glaubte, bis Filmhistoriker das Material sichteten. Weil die kommentierte Partitur , der Score, von Gottfried Huppertz noch vorhanden war, konnten die "neuen" Szenen wie in einem Puzzlespiel in die bisherige Version von "Metropolis" eingefügt werden. Und plötzlich konnte der Film, der nun 147 Minuten dauert, seinen Rhythmus entwickeln. Der Film bekam seinen Flow zurück, den er nach der Uraufführung von 1927 für immer verloren schien. Man muss nur warten können. Bevor die neue "Metropolis"-Fassung nun ihren Siegeszug um die ganze Welt beginnen wird, werden die Regensburger diesen sagenumwobenen Film schon vorher sehen dürfen, dank der Bemühungen von Nicole Litzel und des AkF. Während die einen nicht einmal einen Termin finden für das nächste Bürgerfest, schaffen die anderen in der Stadt ohne viel Wirbel Tatsachen. Weitere Infos: www.filmgalerie.de

Viktor Rotthaler

 

27.07.10 - peter lang

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