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Vorboten der Wende

Neuigkeiten vom Regensburger „Arbeitskreis Film e. V.“. Unterstützt vom neu gewählten Ersten Vorstand Jürgen Wydra und den neuen Kurzfilmwochen-Organisatoren Insa Wiese und Paul Müller stellte die neue AKF-Geschäftsführerin Dr. Sabine Schöbel im Leeren Beutel ihre Pläne für die Zukunft vor. Nachdem das Wintergarten-Kino seit Oktober von Dr. Medard Kammermeier betrieben wird, kann man sich nun wieder auf das Stammkino konzentrieren: die Filmgalerie im Leeren Beutel.


Dort will man in Zukunft verstärkt Filme in Originalfassung zeigen. Dabei sollen vermehrt auch türkische, russische und osteuropäische Filme gezeigt werden. Auf die klassischen Arthouse-Filme müssen die Zuschauer natürlich nicht verzichten.  Mit viel Schwung geht es für den AKF in den Herbst. Weil sich im November zum 20. Mal der Mauerfall jährt, hat Sabine Schöbel vom 19. bis zum 25. November ein Filmseminar geplant unter dem Motto „Vorboten der Wende“, Untertitel: „Tabubruch und ästhetische Innovation in der Kinematographie der sozialistischen Länder Osteuropas“. Unter diesem etwas spröden Motto hat Schöbel ein kleines, aber feines Filmprogramm zusammengestellt aus raren Perlen aus dem „Ostblock“, wie es damals hieß. Wie sich dieser „Block“ langsam auflöste, kann man sehen in seismografischen Studien aus Polen („Tanzender Habicht“, „Krieg der Welten“), Ungarn („Der kleine Valentino“), der UdSSR („Die Nadel“) und der CSSR („Panelstory“). Der Filmwissenschaftler Claus Löser wird diese Filme in Regensburg vorstellen und den politischen und ästhetischen Kontext aufzeigen, in dem diese Filme aus den späten 70er- und 80er-Jahren entstanden sind.
Das Herzstück dieses Filmseminars bildet freilich Thomas Heises dreistündiger Kompilationsfilm „Material“ über den Zusammenbruch der DDR. Filmmaterial aus dem Untergrund der DDR seit den Siebzigern hat der Regisseur und Sammler dafür ausgewählt. Videos, Super8 oder 35-mm-Filme zeigen dabei eine andere DDR-Wirklichkeit, eine in den offiziellen Medien unsichtbare Gegen-Welt. Der Geist der Rebellion wird plötzlich sichtbar. Der rebellische Geist Heises zahlte für seine Taten einen hohen Preis: Das Studium an der Filmhochschule Babelsberg musste er abbrechen. Heute wird Heise gefeiert. Heises Dokumentarfilme „führen Menschen, Lebensumstände, Landschaften, historische Gegebenheiten genau und geduldig vor Augen und zielen immer wieder auf schwierige, ungemütliche Nervenpunkte herrschenden deutschen Selbstverständnisses“, befand der „Filmdienst“. „Kinder. Wie die Zeit vergeht“ heißt dann auch sein neuestes Projekt. Weitere Informationen: www.filmgalerie.de (Viktor Rotthaler)

 

30.10.09 - peter lang

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