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Von Pfingstochsen, Vater- und Prangertagen

„Geschmückt wie ein Pfingstochse“, den Satz hat wohl jeder schon einmal gehört, wenn auch nicht unbedingt gerne auf die eigene Person bezogen. Was hat es nun mit den Pfingstochsen auf sich und worum, das liegt viel tiefer, worum geht es bei Pfingsten eigentlich? Und was haben Christ Himmelfahrt, Fronleichnam und Ostern damit zu tun?

 Genau 50 Tage nach Ostern feiern die verschiedenen christlichen Konfessionen das Pfingstfest, auf Griechisch: Pentekoste, was nichts anderes heißt als 50 Tage. An Pfingsten gedenken die Christen der Sendung des heiligen Geistes. Jesus Christus, der am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden war und zu seinem Vater in den Himmel zurückkehrte, sandte seinen Jüngern die Kraft Gottes, den Heiligen Geist. Und weil eigentlich Unsichtbares in der Bibel immer irgendwie sichtbar wird, war in der Apostelgeschichte im Neuen Testament die Rede von Feuerzungen, die auf die Apostel herabkamen.

Nun konnten sie alle Sprachen verstehen und in ihnen reden. Sie folgten dem Auftrag Jesu, und gingen in alle Welt, um die Frohe Botschaft vom Evangelium zu verkünden. Sie wurden Abgesandte, Gesandte, auf Griechisch „Apostólos“. Damit ist das Pfingstfest sozusagen der Geburtstag der Kirche. Ja, und einer von vielen Bräuchen ist an diesem Tag das Schmücken der Rindviecher beim Auftrieb auf die Wiese, u.a. der Pfingstochsen.

Da Pfingsten am 50. Tag des Osterfestkreises gefeiert wird und Ostern ein beweglicher Feiertag ist, der sich nach dem ersten Frühlingsvollmond richtet, kann der Pfingstsonntag zwischen dem 10. Mai und dem 13. Juni liegen.

Genau immer zehn Tage vorher, gedenken die christlichen Kirchen der Himmelfahrt Christi, Jesus kehrt zu seinem Vater zurück in den Himmel. In manchen katholischen Gemeinden ist er auch der Tag der Erstkommunion. Erst in den vergangenen Jahrzehnten hat sich an diesem Tag ein „Feiertag“ breitgemacht, der im Volksmund „Vatertag“ genannt wird. Ausflüge der Väter und derjenigen, die es vielleicht einmal werden wollen, mit einem Leiterwagen mit Hochprozentigem bewaffnet, zu irgendwelchen Ausflugsgaststätten ziehend, prägen das „Festgeschehen“ an diesem Tag. Der Vatertag ist sozusagen parallel zum Muttertag entstanden, wobei seine Kommerzialisierung bei weitem nicht soweit fortgeschritten ist. Höchstens die Gastronomie und die Hersteller von alkoholischen Getränken profitieren von diesem Tag. Dieser kirchliche Feiertag, also Christi Himmelfahrt, fällt immer auf einen Donnerstag und ist in allen deutschen Bundesländern auch arbeitsfrei.

Anders sieht das bei dem katholischen „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ aus. Das Fronleichnamsfest, so der deutsche Name, ist gesetzlicher Feiertag nur in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie in einigen Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung in Sachsen und Thüringen. Termin ist immer der zweite Donnerstag nach Pfingsten, soweit ist noch alles klar.

Worum dreht es sich denn an diesem katholischen Feiertag, an dem meist vormittags große Prozessionen mit singenden und betenden Menschen durch die Straßen der Städte und Dörfer ziehen, wo Altäre an verschiedenen Punkten an den Straßen aufgebaut werden und mit oft üppigem Blumenteppichen dekoriert werden? Das Wort Fronleichnam stammt vom mittelhochdeutschen vrônlîcham oder vrônlîchname und bedeutet soviel wie „Leib des Herrn“. Die Ordensschwester Juliane von Lüttich hatte im Jahre 1209 eine Vision, bei der sie einen dunklen Fleck auf dem Vollmond sah, der als das Fehlen eines Festes zur Verehrung der Eucharistie gedeutet wurde.

Da die Menschen im Mittelalter nur an Ostern, Weihnachten und Pfingsten zur Kommunion gingen, war ihre Sehnsucht sehr groß, die gewandelte Hostie, den „Leib des Herrn“ zu sehen. Auf dem Hintergrund dieses geistlichen Bedürfnisses muss man die Vision der Ordensfrau deuten. Äußerst vielfältig ist die Umsetzung und Ausgestaltung dieses Festes und seiner Prozession an diesem Tag. Viele kirchliche Vereine und Verbände, Ritterorden und Studentenverbindungen, Kommunionkinder und Repräsentanten des öffentlichen Lebens nehmen an dieser Prozession teil, verehren damit den eucharistischen Herrn, der in einer Monstranz vom Priester unter einem Baldachin getragen wird. In Zeiten schwindender Religiosität kommt dieser Prozession aber auch der Charakter einer Glaubens-Demonstration zu. In Bayern nennt man ihn auch den Prangertag, von prangen, im Sinne von geschmückt, geziert sein.

(Carl Prämaßing)

 

1.06.09 - online redaktion

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