Tanzperformance aus Kroatien: BADco.
Eigentlich ist es ein Wunder: die Tanzszene Kroatiens wird bis auf wenige Ausnahmen staatlich kaum gefördert, generell hat es zeitgenössischer Tanz nicht gerade leicht in dem Adriastaat. Und doch hat sich in den letzten zehn Jahren eine unabhängige Tanzszene entwickelt, die den Vergleich mit der des Westens nicht scheuen muss, ganz vorn die Company BADco. Der Zusammenschluss mehrerer avantgardistischer Tanzprojekte gilt als eine der Keimzellen für zeitgenössischen Tanz in Kroatien.
Tanz – sinnliche Kunst
Mit den beiden Stücken, die BADco. im Regensburger Theater an der Universität
aufführt, bietet die Kompanie Tanztheater in seiner reinsten Form. Bei „Solo Me“
und „2“ handelt es sich nicht um die, in den letzten Jahren so beliebten,
Crossover-Produktionen zwischen Tanz, Performance und Theater. In beiden
Stücken geht es in erster Linie um den Tanz selbst. Sie machen es uns schwer
und einfach zugleich. Schwer, weil sie keine leicht nachvollziehbare Story
erzählen, leicht hingegen, weil sie auf wunderbare Weise vorführen, dass Tanz
immer noch die sinnlichste aller Künste ist. Der „spartanische“ Ansatz der beiden
Produktionen wird allein schon dadurch deutlich, dass sie beide vor der gleichen
Kulisse stattfinden: einem sehr reduzierten, entfernt an eine Turnhalle
erinnernden Bühnenraum, der sich im Übrigen perfekt in die ebenfalls reduzierte
Architektur des Regensburger Universitätstheaters fügt.
Beethovens Siebte handelt vom Tanz
Das erste Stück, „Solo Me“, des Tänzers Pravdan Devlahović und der Tänzerin
Nikolina Pristaš ist eine Studie über Bewegung und Rhythmus, begleitet von
Beethovens siebter Symphonie. Diese Wahl ist alles andere als zufällig, denn im
Werk Beethovens hat dieses Stück insofern eine Sonderstellung, als es die
„rhythmischste“ aller seiner Symphonien ist. Richard Wagner nannte sie eine
„Apotheose des Tanzes“. Die Frage, worum es in „Solo Me“ geht, lässt sich somit
nur tautologisch beantworten: Das Thema des Tanzstücks ist die Musik, genau so
wie das Thema von Beethovens Siebter der Tanz ist.
Etwas gegenständlicher, wenngleich nicht weniger musikalisch, geht es in dem
zweiten Stück des Abends, in „2“ zu. Nikolina Pristaš, die auch schon „Solo Me“
bestritt, tanzt hier mit ihrer Kollegin Ana Kreitmeyer. „2“ ist ein Stück über die
Annäherung zweier Körper, zweier Tänze, zweier Welten. Gezeigt wird die
nonverbale Kommunikation, wie sie auf diese Weise entsteht. Erstaunlich, gerade
in ihrer Zurückgenommenheit, sind beide Aufführungen ein Statement, mit dem
die donumenta an die hohen Standards anschließt, die sie in den letzten Jahren
gesetzt hat.
Termin:
Performance am Sonntag, den 02.11.2008, um 20.00 Uhr,
Theater an der Universität, Universitätsstr. 31, 93053 Regensburg
(Text:Paul-Philipp Hanske, Foto: Ljubo Gamulin)
29.10.08 - online redaktion
