Swingender Paukenschlag
„Ellington revisited“ mag sich für manchen hochstaplerisch anhören, „Tribute to Duke Ellington“ für andere zu tröge. In jedem Fall geriet die Begegnung mit der Musik des Großmeisters orchestralen Jazz` beim Auftritt des Jazzorchester Regensburg - Volvo Bigband im Leeren Beutel zu einem wahren Fest für Ohren und Gemüt. Einmal mehr stellte das JOR seine Klasse unter Beweis. Stürmisch gefeiert - trotz österlichen Biergartenwetters - von einem vollen Haus.
Mehr Neuentdeckung als „revisited“, Wiederbegegnung, war die Welturaufführung von „Take the A Train“ in einem Arrangement von Gilbert Kuhn. Ed Partyka, gewiefter und gewitzter Leiter des prachtvollen Stadtorchesters, hatte sich den Swingklassiker, quasi die Erkennungsmelodie des Ellington Orchestras, bis fast zum Schluss des Konzertes aufgespart. Die Wirkung war umso größer und durchschlagender. Gilbert Kuhn, diplomierter Schlagzeuger aus Mainz, dirigierte sein tempogeladenes, spritzi-ges Arrangement selbst, mit Felix Fromm (tb), Florian Trübsbach (ts) und Stephan Zimmermann (tp) als packende Solisten. Ohne den Wiedererkennungswert zu gefährden, nutzte Kuhn moderne gewagte Elemente, Harmonien und Tempi und machte aus der gemütlichen Dampfeisenbahn einen schnittigen Schnellzug.
Eine andere Art der Nachwuchsförderung betreibt das Jazzorchester Regensburg – Volvo Bigband mit dem jungen Pianisten Lorenz Kellhuber. Der hochtalentierte Regensburger besticht mit einem feinfühligen, nuancenreichen Spiel und gehört zu den interessantesten Neuentdeckungen im deutschen Jazz. Mit Gefühl für das Zeitkolorit gibt er zwar nicht die Marschrichtung, wie dereinst Ellington, vom Flügel aus vor. Mit dem pfiffig nuancierenden Paul Höchstädter (drums) und Paul Imm (bass) sorgte der 17-Jährige Pianist aber für ein transparentes, elegant swingendes Fundament.
Den Neubearbeitungen und Originalarrangements der Ellington-Band verpasste das JOR – Volvo Bigband einen Vitalitäts- und Frischeschub, welche die alten Tanz- und Bluesnummern
erstrahlen ließen. Vom schwungvollen „Rockin` in Rhythm“, aus dem Jahr 1931, dem Blues „Don`t get around much anymore“ bis zu den groß angelegten konzertanten Suiten „Such Sweet Thunder“ und einer Bearbeitung von Ed(ward) Griegs „Peer Gynt“ blätterte das Stadtorchester viele verschiedene Facetten des großen Bandleaders auf. Und zum Glück machte Ed Partyka eines aus seiner launigen Anmoderation nicht wahr: den Abend schnell hinter sich zu bringen um selbst noch ein wenig den Biergarten genießen zu können.
In den weiteren Genuss erstklassigen Bigband-Sounds kommen die Regensburger und alle Fans des JOR – Volvo Bigband, wenn es im Herbst wieder heißt „Bühne frei für Sounds oft the Future“.
(Text: Michael Scheiner, Fotos: Michael Kroll, v.o.: Gilbert Kuhn, Lorenz Kellhuber, Paul Imm)
Infos und Termine: www.jazzorchesterregensburg.de
15.04.09 - online redaktion
