Ein Regensburger Erfolgsmodell
Unverzichtbar - auch in den Augen der Stadtväter und -mütter - ist für Regensburg und das Regensburger Kulturleben die Städtsche Sing- und Musikschule. Zu fast allen Tageszeiten sieht man Kinder, große und kleine, bewehrt mit Geigen- oder Cellokoffern, Gitarren- oder Trompetenkästen, in und aus der Kreuzgasse strömen. Die SUMS (kurz für Sing- und Musikschule) ist nicht nur für die musische Grundausbildung der Stadt zuständig, sie ist auch eine Talentschmiede und genießt wegen ihres qualitativ und pädagogisch hochwertigen Ansatzes einen ausgezeichneten Ruf. Bundesweit!
Was ist die SUMS?
Die Ursprünge der Städtischen Sing- und Musikschule reichen zurück ins Jahr 1910, als die Singschule gegründet wurde. 1971 formierte sich (als Verein) die Musikschule, 1981 fusionierten beide Einrichtungen zur heute erfolgreichen Institution. Träger der Einrichtung ist die Stadt Regensburg, etwa 40 Prozent der Aufwendungen werden durch Unterrichtsbeiträge bestritten, 50 Prozent der Kosten übernimmt die Stadt Regensburg, der Freistaat beteiligt sich zu 10 Prozent an der Finanzierung. Das Angebot der Sing- und Musikschule richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger der Region, insbesondere aber an Kinder und Jugendliche. „Der Run auf unsere Kurse ist immens“, sagt der Leiter der Sing- und Musikschule Wolfgang Graef-Fograscher, „es tut mir jedes Mal in der Seele weh, wenn ich hoffnungsvolle Kinder, die mit Begeisterung ein Instrument erlernen wollen, auf spätere Kurse vertrösten muss.“ Aber: Die musische Früherziehung ist für alle Kinder gewährleistet, zu gelegentlichen Engpässen kommt es erst, wenn sich der Nachwuchs auf bestimmte Instrumente spezialisiert. Angeboten wird das komplette Instrumentarium, das ein Orchester-Apparat benötigt, von Akkordeon über Harfe und Schlagzeug bis Zither stehen ausgebildete Dozenten, allesamt Absolventen von Hochschulen und Konservatorien, zur Verfügung. Derzeit nutzen etwa 1900 musizierfreudige Menschen von vier bis 70 Jahre die Einrichtung, sich musikalisch zu vervollkommnen, da viele aber mehrere Kurse besuchen, liegt die Belegung derzeit bei etwa 2400 Auszubildenden.
Regensburger Modell
Das Besondere der Regensburger Sing- und Musikschule sind zwei Spezifika, die überregional für Erfolg und Renommee der Institution gesorgt haben. Zum einen springt jedes Kind nach der Absolvierung der Grundfächer Singen und Flöte auf das „Instrumentenkarussell“. „Jedes Kind muss die Finger an der Klaviertastatur, die Lippen an der Trompete, die Hand am Cellobogen und im Mund eine Klarinette und unter dem Kinn eine Violine gehabt haben, ehe die Aufbaufächer besucht werden können. Welches Instrument passt zu wem und wer ist für welches Instrument geeignet, das finden wir in einem intensiven Prozess heraus, erst dann kann der Unterricht beginnen. Dieses Procedere hat sich bewährt, so wird viel Frust vermieden, das Kind erlernt tatsächlich das Instrument, das sich ihm quasi als ideal anbietet und auf dem es rasch Fortschritte sieht. Es macht keinen Sinn, einem Jungen Schlagzeugunterricht zu geben, wenn er zu wenig Rhythmusgefühl hat, dafür aber wunderbar für Posaune geeignet ist. Kinder müssen alle Instrumente sinnlich erfahren können.“ Die zweite Komponente des Regensburger Modells ist, dass der Fokus auf den Gruppenunterricht gelegt wird. Ensemblespiel ist Kernfach, Solo-Unterricht Lernfach, so die Devise in der Kreuzgasse 5.
Mit 25 Euro pro Monat für 20 Minuten Musikunterricht pro Woche zählt die Sing- und Musikschule Regensburg zu den günstigsten (und sozialsten) im ganzen Land, 25 Euro (zzgl. 40 Prozent, die jedoch erlassen werden, wenn man einem der zahlreichen hauseigenen Ensembles angehört) sind für weitere 20 Minuten in einer anderen Disziplin zu entrichten. Der Orchester haben sich inzwischen viele gefunden: Akkordeon Ensemble, Big Band – „Swingin’ Pool“, Bläser-Ensemble „Crossline Brass“, Blasorchester „Tuten und Blasen“, Blasorchester „Beat, Brass & Wind“, CANTEMUS-Chor, Gitarren-Ensemble „Seconda Volta“, Jazz-Ensemble „Acoustic Strings“, Junior-Streichorchester, Kammerorchester „Strings & more“, Percussions-Ensemble „Dr. Perc“, Saxophon-Ensemble, Streichquartett und Klaviertrio, Volksmusik-Ensemble „Zammasuri“ und das Zither-Ensemble. Diese Aufzählung macht auch deutlich, dass die Ausrichtung keineswegs streng auf Klassik fokussiert ist. Den Einflüssen von Pop, Rock und Jazz kann und will man sich nicht entziehen. „Wir müssen motivieren, und in vielen Fällen glückt das mit dem Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach halt weniger als mit der aktuellen Populärmusik, mit der sich gerade junge Leute identifizieren.“ Viele Absolventen werden und wurden intensiv auf ein Studium an Musikhochschulen vorbereitet, Ehemalige findet man in Profiorchestern und der Weg für Solisten wurde in der Kreuzstraße 5 in Regensburg bereitet. Graef-Fograscher: „Auch wenn wir nicht mit dem Anspruch antreten, eine Talentschmiede zu sein – unser Auftrag ist in erster Linie die Weitergabe von musischer Bildung –, so hat sich die Städtische Sing- und Musikschule ein klares Profil und überregional Renommee erarbeitet.
Musikalisches Aushängeschild der Stadt
Der Cantemus-Chor ist aus dem Regensburger Kulturleben gar nicht mehr wegzudenken, mit welchem Elan und welcher Disziplin sich die jungen Vokalisten hier ins Zeug legen, intensive Wochenend-Proben und Unterricht und Proben während der Ferien gerne in Kauf nehmen, hat den Chor, seiner Qualität wegen, zu einem Aushängeschild für unsere Schule gemacht. Dass unser Kammerorchester letztes Jahr in Berlin den zweiten Platz bei Jugend musiziert belegt hat, ist ein weiterer Beleg für die Richtigkeit unseres Wegs“. Für die Zukunft ist man bestens gerüstet, um den musikalischen Nachwuchs muss sich Regensburg also keine Sorgen machen. Mit dem Kulturreferat steht man im Benehmen, im derzeit erarbeiteten „Kulturentwicklungsplan“ nimmt die Institution einen festen Platz ein. Nach seinen Wünschen für die Zukunft befragt, könnte sich Wolfgang Graef-Fograscher den Aufbau einer Sparte „Darstellende Kunst“ vorstellen. Schließlich wird 2010 der 100. Geburtstag der Singschule den bisherigen Erfolgen verpflichtet mit einer eigens für die Einrichtung komponierten Oper gefeiert.
Infos: www.regensburg.de/singundmusikschule
(Text: Peter Lang, Fotos: Veranstalter)
29.01.09 - online redaktion
