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Sensationell: Huay Xay in Regensburg

Die heilige Dreizahl: Mit dem April beginnt für viele so richtig der Frühling. Der laotische Künstler Huay Xay sieht in Skateboards die wahren Frühlingsboten. In Regensburg zeigt er dem Publikum, warum das für ihn so ist. Sein Regensburg-Zyklus und er selbst sind nur noch heute in der Galerie Kunst-Direkt zu bewundern!

 Schnee und Eis bedecken die Erde wie ein großes weißes Leichentuch. Kälte und Frost halten uns fest im Griff. Doch plötzlich weht von Süden her ein leiser, hinterhältiger Wind. Du schließt die Augen und zählst auf Drei, plötzlich ist alles weiß und gelb vor Blüten. Du drehst dich um und alles ist rosa und grün. Der müsste wohl früh aufsteh’n, der den Mirabellenbaum am Blühen hindern wollte! Die Welt ist verändert, das Leben beginnt neu, es ist Frühling. Huay Xays Frühlings-Zyklus ist dort angekommen, woher die Inspiration dazu stammt. Der laotische Künstler – im internationalen Kunstzirkus ein aufgehender Stern – war wieder in Regensburg und hat ein Geschenk hier gelassen.

 3 x 3 x 3. Dreisätze. Jeweils drei Themen zu einem, in eins, verarbeitet der laotische Künstler Huay Xay in all seinen Arbeiten. Das Quadrat und die Dreizahl, auf diesen formalen Nenner lässt sich die äußerliche Formgebung des jungen Künstlers bringen. Reichtum (Karriere), Gesundheit und langes Leben, diese Dreiheit des traditionellen fernöstlichen (Glück-)Wunsches nimmt Huay Xay auf und besetzt jeden Wunsch mit bildnerischen Metaphern neu. Mal sind es – erstens – kitschige Heiligenbilder, die – zweitens – mit Fotos von nackten Schaufensterpuppen und – drittens – Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble verquickt werden, ein anderes Serial bringt die neun höchsten Berggipfel der Welt vom Nanga Parbat bis zum Mount Everest in Fotoaufnahmen mit Gemälden von englischen Rennpferden und internationalen Verkehrszeichen in Einklang.

Verbindendes Moment sind Texte, Buchstaben, Zeichen, Chiffren, die die jeweils neun Bilder zusammenhalten. Lyrik, Romanfetzen, Haikus, Zitate. Im Tiefdruckverfahren hergestellt, entstehen Xays Werke in Miniauflagen von maximal drei Exemplaren. Die am Computer komponierten Vorlagen werden nach dem Druck in einem feierlichen und öffentlichen Akt gelöscht. Meist lädt der Künstler zum Löschvorgang zu einem Umtrunk und zelebriert so die Fertigstellung seines neuesten Werks mit einer Party in seinem kleinen New Yorker Hinterhof Atelier. Der kleine Regensburg-Zyklus – Titel hat er, wie übrigens alle anderen Werke von Huay Xay, keinen – zeigt auf jedem der neun 20 x 20 cm großen Drucke ein Regensburger Stadtmotiv. Üblich ist bei Xay ansonsten das Maß 25,4 x 25,4 cm (= 10 x 10 Inches).
Vom allgegenwärtigen Dom über die Steinerne Brücke bis zur Wahlenstraße hat er repräsentative und touristische Motive gewählt. Darüber, hinein und gegenüber gestellt sind Skateboardfahrer, meist als Silhouette, sowie Florales, Organisches, Blütenzweige. Die Trias hier: Regensburg, Skater, Blüten; Die Textebene – von deutlich „ab-lesbar“ bis zur Reduktion auf verschwommene Buchstaben – ist durchweg der Frühlingslyrik entnommen, Songtexte halten hier gleichermaßen her wie Shakespeare und Wordsworth. Bunt, optimistisch, dem Frühling entsprechend, so möchte man dieses Serial bezeichnen. Was Huay Xay dazu anregte, erklärt er so: „Ich merkte, dass das Frühjahr nahen musste, weil unentwegt die Skateboards über das Pflaster schlitterten. Schon morgens. Mittags war der Lärm der Hartplastikrollen auf dem Beton fast unerträglich und noch bei Einbruch der Dämmerung hallte das Klappern der Boards auf dem Asphalt bis zu meiner Zimmer im Studentenwohnheim am Ernst-Reuter-Platz. Die ersten Meisen hatte ich bereits an klaren Tagen im Januar gehört und Blüten, Obst und Tomaten, Früchte und Ernte des Sommers sind ohnehin ganzjährig für günstiges Geld zu haben. Die Äste der Bäume vor meinem Balkon waren noch kalt. Untrüglicher Indikator des kommenden Frühlings ist für mich seit meinen Regensburger Tagen das Hallen der Skateboards auf den Straßen.“

 Entstanden ist das Regensburg-Werk im Jahr 2004 in Basel. Die Stadt erinnerte ihn „somehow“ an Regensburg, sagt der Künstler. Einflüsse von Streetart will und kann er nicht leugnen. „Meine Anregungen kommen von der Straße, klar, woher denn sonst?“, entgegenet Huay Xay mit entwaffnender Offenheit. „Mein Deutsch ist nicht so gut, obwohl ich es hier gelernt habe“, sagt Xay, „aber wichtiger war es mir, die Mentalität der Deutschen kennen zu lernen. Und die Kultur.“

Für einen Tag macht Huay Xay in Regensburg Station und besucht seinen alten Freund Andreas Zacharek-Lorenz von „Kunst direkt“ in der Weißen-Hahnen-Gasse. Nach dem obligatorischen Besuch in der Historischen Wurtskuchl, den jeder Regensburg-Gast zu absolvieren hat, bleibt Huay Xay – wieder sagt er es – „somehow“ am Schaufenster von Zacharek-Lorenz kleben – es war im April 2000 – und man kommt ins Gespräch, fachsimpelt über Kunst und den Kunstbetrieb und bleibt lose in Verbindung, auch, als es Huay Xay nach New York verschlägt, wo er für mehrere Galeristen als Dolmetscher und Kunstvermittler tätig ist. Dass auch Huay Xays eigenes Kunstschaffen immer größere Resonanz erfährt, belegen zahlreiche Ausstellungen in Fernost und immer häufiger auch in Deutschland und den USA. Sein spontaner Regensburgaufenthalt Ende März war möglich, weil er unterwegs zu einem Galeristen nach Basel war. Dabei war es Huay Xay nicht an der Wiege gesungen worden, dass er einst in Richtung Kunst gehen würde. Geboren 1981 in Vientiane, der Hauptstadt von Laos, in weitgehend gesicherten Verhältnissen als Sohn eines Regierungsbeamten, war jedoch in seinen ersten Jahren keinerlei Begegnung oder Konfrontation mit westlicher Kunst gegeben. Während der Schulzeit in Japan – Xays Vater wurde in diplomatischer Mission nach Tokio beordert – kam er zum ersten Mal intensiv mit Kunst und dem Kunstbetrieb in Berührung. Der Entschluss Malerei zu studieren reifte während des Studiums der Wirtschaftswissenschaften, das er an der Hokkaidô-Universität von Sapporo aufnahm, aber nie abschloss. Von Doo-Shik Lee, dem wohl bedeutendsten koreanischen (in Japan lebenden) Kunstdozenten des ausgehenden 20. Jahrhunderts, gefördert und nach diversen Akademieaufenthalten in Japan und Korea folgten erste eigene Ausstellungen in Sapporo und Seoul. 2000 unternahm Huay Xay eine große Europa- und USA-Reise, die ihn für sechs Monate nach Regensburg verschlug, um bei „Horizonte“ in der Roten-Hahnen-Gasse Deutsch zu lernen. Seit 2008 ist Huay Xay einer der wichtigsten Assistenten des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, der auf der letzten Dokumenta in Kassel mit seiner Installation „Template“ für Aufsehen sorgte. Xay ist Vertragskünstler von derzeit 18 Galeristen in Deutschland und der Schweiz.

Den dekorativen Regensburger Frühlings-Zyklus können Sie gewinnen, die neun vom Künstler signierten Drucke sind so nur noch zweimal auf der Welt existent. Huay Xay hat Kulturjournal die neun Drucke zur Verlosung überlassen. Der erste Besucher bei „Kunst direkt“, der unaufgefordert „Skateboard“ sagt, bekommt die neun Blätter, die im Handel auf einen Wert von gut 6000 Euro geschätzt werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

 

1.04.09 - peter lang

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