Retrospektive Walter Zacharias
Walter Zacharias (1919-2000) gehörte zu den großen zeitgenössischen Künstlern der Stadt Regensburg, die ihn 1988 mit dem Kulturpreis auszeichnete. Er gestaltete mit intuitiven Gespür für die Formen aus wertlos Gewordenem, vor allem Weggeworfenem aus der bäuerlichen Alltagswelt, Fundstücken aus einer scheinbar verlorenen Zeit neue Einheiten, die Kunst und Natur wieder zu einem Ganzen werden lassen.
Es sind die einfachen Dinge, die ihn faszinierten, die er in seiner ganz eigenen Komposition zu lebendigen und intensiven Sinnbildern werden ließ.
Nach dem Studium an der Staatlichen Kunstakademie in München hatte seine Kunst in den Hintergrund treten müssen. Mit 61 Jahren verließ Walter Zacharias den Chefsessel im Familienbetrieb. In einem Waldlerhaus im Bayerischen Wald und seinem Atelier in einem alten Holzstadel widmete er sich nun umso intensiver mit der lange in sich getragenen Kreativität Bildern und Skulpturen. Es war sein Aufbruch zurück zu den Wurzeln, und das in ganz eigentlichem Sinne. So entstand das Hauptwerk von Zacharias erst in den letzten 20 Jahren.
Er wurde ein Künstler, der mit seiner Objektkunst eine ganz eigene Position besetzt. Sein Werk fußt auf dem religiösen Brauchtum, auf Volksfrömmigkeit und Volkskunst seiner Heimat, bewahrt verlorengehende Gepflogenheiten und Bezüge der bäuerlichen Bevölkerung und äußert sich konkret in Arbeiten, die nahezu ausschließlich aus vorgefundenem, vernutztem, von früherem Gebrauch und früherer Bestimmung erzählenden Stücken entsteht. Dabei kann es sich um bäuerliches Gerät, Baumrinde und bizarr knorrige Wurzeln sowie Relikte aus dem Votivbereich genauso handeln wie um altes, beschriebenes Aktenmaterial im Fall der Collagen. Walter Zacharias inszenierte Mythen und setzte Zeichen.
„Retrospektive Walter Zacharias“: Zu seinem 10. Todestag zeigt die Ausstellung in St. Ulrich, Domplatz 2, in Regensburg bis 1. November eine Auswahl seines bildhauerischen Schaffens und seines reichen graphischen Werks. Geöffnet täglich außer Montag von 10 bis 17 Uhr.
www.bistumsmuseen-regensburg.de
7.08.10 - peter lang
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