Raus aus dem Bild
Annegret Hochs Anspruch, „die Farbe soll das Bild verlassen“ ist nur im ersten Moment überraschend. Denn muss nicht jedes Bild, jede Kunst seinen Rahmen verlassen und den Weg zum Betrachter, und dort zu seinem Kopf oder Herzen finden? Selbstverständlich! Nur bei der Oberpfälzer Künstlerin nimmt dieser Prozess eine eigene Form an: Bei ihren Tapeteninstallationen etwa, ergießt sich das Bild auch physisch in den Raum, bei ihren Linienmotiven denkt der Betrachter die farbigen Linien unwillkürlich über das Bild hinaus.
„Ich wünsche Ihnen ein spannende Ausstellung“, so der Vorstandsvorsitzende der E.ON Bayern AG Thomas Barth, bei der Ausstellungseröffnung. Und weiter: „Annegret Hochs Kunst ist immer klar, transparent und einfach.“ Einfach vielleicht deshalb, weil sie „ungegenständlich“ ist – Annegret Hoch vermeidet den Begriff abstrakt. Einfach vielleicht auch deshalb, weil ihr malerisches Hauptwerkzeug die Farbe ist, die Bilder auch ohne Kopfarbeit verstanden werden können. „Der rote Faden meiner Arbeit ist die Farbe“, so die mit vielen Preisen ausgezeichnete Künstlerin, für die „malen wie ein Kind“ keine Herabwürdigung sondern eine Auszeichnung bedeutet.
Annegret Hoch findet „Malanlässe“: Muster, Strukturen, Mikro-Ornamente, die sie erweitert und in ihrem Werk neu ordnet. So malte sie zunächst auf Tapetenrollen, später auf bedruckte Stoffbahnen. Ihre Tapeteninstallationen verlaufen die Wände herunter, laufen am Boden entlang und greifen so in den Raum hinein. Ihre Wandmalereien, geben dem Betrachter Schau-Anlässe, führen den Blick, der in unseren normierten und modular gefertigten Gebäuden abzustumpfen droht, in neue Bereiche. Annegret Hochs Kunst spricht aber ebenso den Kopf an, regt zum Nachdenken, ja Philosophieren an.
Sie berührt die Bereiche Prägung, Muster und Struktur, die durchaus soziologisch und gesellschaftspolitisch gesehen werden können. Sie macht durch ihr Übermalen Mut zum Verlassen der ausgetretenen Pfade, der vorgefertigten Biografien. Sie zeigt uns, dass sich auch auf einer vorhandenen Struktur ein individueller Ausdruck entfalten kann. Sie zeigt, dass nichts kahl und kalt sein oder bleiben muss. Sie macht deutlich, dass der Rahmen verlassen, das Weite gesucht werden kann. Sie bestärkt uns in der Hoffnung, dass eine eindimensionale Welt nicht die einzig mögliche sein muss. Ihre Werke sind ein Plädoyer für die Individualisierung – eine Individualisierung, die sich aber nicht um ihrer selbst willen zelebriert, sondern die sich auf vorhandenen Strukturen entwickeln kann.
„Auf dem Weg“ ist die erste der beiden diesjährigen Ausstellungen, die im E.ON-Kasino gezeigt werden. Es ist die 14te Veranstaltung einer Reihe, mit der es sich der Energieversorger zur Aufgabe gemacht hat, „ausgezeichnete“ Künstler am Regensburger Firmensitz dem Publikum näher zu bringen. In lockerer und guter Stimmung, musikalisch begleitet vom Michael Straube Trio und eingeführt durch die Kunsthistorikerin Anjalie Chaubal konnten die zahlreichen Besucher tatsächlich einen „spannenden Kunst-Weg“ gehen.
(Fotos: oben Anjalie Chaubal, Thomas Barth und Annegret Hoch, alle altrofoto.de)
Annegret Hoch „Auf dem Weg“
bis 24. Mai
Kasino der E.ON Bayern AG
Fr: 15.00–20.00 Uhr, Sa und So: 10.00–18.00 Uhr
27.03.09 - michael kroll
