Suchen

    klick Kultur - Kultur klick
    Artikelnummer:
    Artikel:

Meldungen

    Politische Kultur
    Stadtrat Benedikt Suttner bleibt stark: Er lehnt Freikarten für die Schlossfestpiele und WM-Baseball-Spiele ab und stellt damit grundsätzlich die "Zuwendungspolitik" für die ehrenamtlichen Bürgervertreter infrage.

    Digitale Nomaden
    Universitätsbibliothek Regensburg unterstützt den Aufbau einer Datenbank zum Thema Tourismus und Reisen.

    Büchereien in den Ferien geöffnet
    Stadtbüchereien stehen während der Sommerferien nahezu wie gewohnt zur Ausleihe offen.

    Qingdao achte Partnerstadt
    Die aufstrebende junge Millionen-Metropole an der Küste des chinesischen Meeres wird Regensburgs achte Partnerstadt.

Video der Woche

    Jeden Tag ein Porträt-Foto, 2356Tage, 2356 Fotos. Mit Musik von Carly Comando hinterlegt. Stop Motion in Progress.

Internetzeitung

Rauhnacht in Regensburg

Das Geschehen greift ein Thema auf, das in früheren Jahrhunderten in Regensburg üblich war, das so genannte Schemenlaufen. Das Regensburger Kloster Prüfening erhielt 1249 eine päpstliche Bulle zugestellt, die das exzessive Treiben verbot. Im Kloster St. Emmeram wurden derlei Umtriebe einige Jahrzehnte danach verboten. Die Regensburger Domschule stellte noch später derlei Possen ein. Dieses Schemenlaufen stand in enger Verbindung mit so genannten Heischegängen, sprich: man erbettelte Abgaben, so wie es bis heute noch die Hl. Drei Könige tun.

 

 Sich das Gesicht mit einer Maske (arab. maschera : „Possenreißerei") zu verhüllen, ist eine Kulturhandlung, die es von der Ur- und Frühgeschichte an bis zum heutigen Tag überall auf der Welt gab und gibt. Ihr Ursprung liegt im Begreifen des ICH in seiner Umgebung, bevor er diese Umgebung zu benennen vermag, d.h. mit Begriffen versieht. An dieser Schnittstelle gewinnt das Dämonische, das Reich von Geistern, das Zwielichtige Gestalt und Gewalt. Das Hineinschlüpfen in diese Wesenheiten kostet den
Menschen Überwindung, aber es verleiht ihm Macht über das Unbegreifliche, kann es damit überwinden oder damit umgehen. So ernst dies war, so sehr ist darin eine spielerische Note als eine anthropologische Grundkonstante enthalten. Denn der hinter der Maske verborgene Mensch konnte und musste stets mitgedacht werden, immer war er präsent, wenn die Verwendung der Maske auch spirituellen Handlungen vorbehalten war, die sich etwa in rituellen Tänzen vollzogen. Doch ist die Idee, sich mittels einer Maske als ein anderes Wesen, als ein anderer Mensch auszugeben von einer derart eminenten  kulturhistorischen Bedeutung, dass wir darin eine Urverhaltensform des „homo ludens" erblicken dürfen, wie wir sie heute im kindlichen Spiel noch beobachten können. Und natürlich nimmt von hier der Gedanke des Theater-„Spielens" seinen Ausgang. Bis heute, da wir nicht mehr (oder mindestens weit weniger) an Geister und Dämonen glauben, „funktioniert" dieser erstaunliche Effekt, den Masken bewirken. Jeder kann ihn erleben, der einem Perchtenlauf zusieht: Die Masken haben etwas so Unabweisliches, Unwiderstehliches, dass wir bei der direkten Begegnung in eine emotionale Verwirrung geraten, die zwischen Heiterkeit und Schaudern, wenn nicht gar offener Angst pendelt; und dies trotz des Wissens, dass hinter den Masken ganz gewiss hochanständige Menschen stecken. Die Maske ist ein Gegenstand, der uns, über alle zivilisatorischen und kulturellen Entwicklungen hinweg, klar macht, dass wir eng verwandt sind mit unseren Gattungsgenossen der Urgeschichte ...

 Die Kultur- und Theatercompanie „Regensburger Doana-Gsindl“ entwickelte sich aus dem Verlangen, im Spiel andere Gestalt und ein anderes Wesen anzunehmen. Es ist diese Freude an der Maskerade, die als Verbindendes unterschiedlichste Interessen zusammenführte und ein gemeinsames Auftreten ermöglicht. Dass dieses Spiel anderen gefällt ist schön. Dennoch liegt die Aufgabe der Theatertruppe nicht nur im Gefallen - sie will vermitteln. Nicht das Tagesgeschehen steht hier im Mittelpunkt, nein: die Zeitläufte, Entwicklungen, Begebenheiten und was man aus ihnen macht oder was aus ihnen geworden ist, bilden das zentrale Thema. Dabei stellt sich sehr schnell heraus, dass der Mensch zu jeder Zeit von seinen eigenen erfundenen Dämonen gepeinigt ist und im Umgang damit erfindet er die dazu gehörige Gestalt in deren Haut er schlüpft, um damit wieder sich selbst begegnen zu können. Nur wenn er dies im Spiel tut, hat er die Möglichkeit zu begreifen, um ein Stückwerk von Zusammenhängen zu erkennen und der Dumpfheit zu entrinnen. Handelt er nicht, bleibt er Opfer, verfallen den  Dämonen, die er nicht kontrolliert. Johann Wolfgang v. Goethe schreibt dazu in seinem Werk „Der West- östliche Diwan" bemerkenswerte Zeilen, die an Aktualität kaum zu übertreffen sind: „Wer nicht von dreitausend Jahren weiß, sich Rechenschaft zu geben bleibt im Grunde unerfahren mag von Tag zu Tage leben."Doch jetzt hat das Theater das Wort, das Spiel und die Akteure - der Mummenschanz. Mit ihrem Stück gaukeln sie etwas vor und am Ende des Stückes ist sich keiner mehr gewiss (ob Zuschauer oder Akteur), wer wem was vorgaukelt. Tauchen sie ein in die andere Seite der Welt, in das Zwischenreich der dunklen Seite des Mondes, wo Perchten, Hexen und Raunachtsgsindl herrschen. Tauchen sie ein in die Welt des „Regensburger Doana – Gsindls"

19. Dezember 2008
Thomasnacht in der Altstadt
Beginn: 18.30 Uhr
Die Kultur- und Theatercompanie „REGENSBURGER DOANA GSINDL“ zieht vom Domplatz aus durch die ganze Innenstadt

Quelle: Manfred G. Dinnes

 

15.12.08 - online redaktion

Kommentare
Ihr Kommentar
 

 

  

 
 
Internetzeitung | Impressum | ©2009 Verlag Michael Kroll