Narrativer Jazz
Mit zwei Vorurteilen konnte an diesem Abend aufgeräumt werden: Das Jazzorchester Regensburg / Volvo Bigband zeigte, dass einem bei zeitgenössisch modernem Jazz nicht das kalte Grausen kommen muss und dass guter Jazz auch aus deutschen Federn stammen kann. Das Jazzorchester Regensburg / Volvo Bigband lieferte mit seinem dritten Themenkonzert einen spannenden Jazzabend: Leise Beifallsbezeugungen wie „das ist ja der Wahnsinn“ konnte man des öfteren hören, als das „New German Songbook“ im Jazzclub Leerer Beutel vorgestellt wurde.
Ed Partyka, der Bigband-Chef hatte sich vorgenommen, Kompositionen „made in Germany“ zu präsentieren. Bis auf die Titel von Torsten Maaß, stammten alle Stücke von den Bandmitgliedern und vom Chef selbst. Torsten Maaß hatte die Ehre als erster gespielt zu werden, und während Ed Partyka bei seiner Abmoderation noch nach den richtigen Adjektiven suchte, kam ihm ein Bandmitglied mit der Apostrophierung „volksnah“ zuvor. Erzählend, balladenhaft ging es dann mit Stücken von Oliver Leicht, Felix Fromm und Stephan Zimmermann im ersten Set weiter. „Im zweiten Set spielte die Band Kompositionen und Arrangements des US-amerikanischen Leaders Partyka, die in ihrer Qualität und Vielseitigkeit den Vergleich mit den Werken seiner besten Landsleute keinesfalls scheuen müssen.“, schreibt die nmz-online. Der Regensburger Lorenz Kellhuber saß diesmal als Vertreter der jungen lokalen Jazzszene am Klavier, und er überzeugte, wiewohl erst 18-jährig, mit seinem sophisticated Spiel. „Hier sehen sie einen zukünftigen Star am Jazzhimmel“, stellte Ed Partyka den Pianisten vor. Kellhuber ist die Musik in die Wiege gelegt: Vater Martin ist der Prorektor der Regensburger Hochschule für Kirchenmusik und in seiner Geburtsstadt Burghausen „mit dem Jazz aufgewachsen“.
Narrativ ist der richtige Ausdruck, um die Kompositionen des Abends zu charakterisieren; die Stückeschreiber hatten etwas zu sagen und die Band konnte es so rüberbringen, dass das Publikum gespannt lauschte. Ralf Dombrowski, Jazzkritiker und SZ-Journalist, hatte es in der Podiumsdiskussion vor dem Konzert schon erwähnt: „In den 70er-Jahren gab es in Deutschland etliche wilde Free-Experimente.“ Und diese haben sicher nicht dazu beigetragen, dass Jazz created in Germany zum Markenzeichen für gut hörbare Musik wurde. Die neuen deutschen Jazzkompositionen sind jedoch alles andere als leicht und poppig dahin plätschernde Songs, die von Frankreich bis Norwegen von gut aussehenden (und zweifelsohne gut singenden) Jazz-Ladys vorgetragen werden. Die Titel sind anspruchsvoll und sie wollen, dass man ihnen konzentriert zuhört – aber das ist bei guten Geschichten ja immer so.
Die Regensburger dürfen sich glücklich schätzen, dass durch das Jazzorchester Regensburg / Volvo Bigband eine zeitgenössische moderne Kunstform auf die Bühne kommt, die durchaus mehrheitsfähig ist. Dank der Förderung durch die Stadt Regensburg und die großzügige Unterstützung des Volvo Autohauses Bauer konnte die Profi-Bigband ins Leben gerufen werden und wird wohl auch in eine zweite Spielzeit gehen, die unter dem Motto „Sounds of the Future“ steht. Dominik Weber ist der Geschäftsführer des Volvo-Autohauses und er hört nicht nur gern guten Jazz, er tut mit seinem Sponsoring auch etwas dafür, dass er einem breiten Publikum zugänglich wird. Wenn mehr Sponsoren seinem Beispiel folgen, dann kann sogar Ed Partykas Traum in Erfüllung gehen: Das JOR als langfristige Einrichtung ähnlich den großen deutschen Kulturorchestern zu etablieren.
Die nächsten Auftritte sind am:
13. April (Duke Ellington), 18.10., 26. und 27.12.
Informationen zum Jazzorchester Regensburg / Volvo Bigband hier [>]
Konzertkritik auf nmz-online hier [>]
Fotos: Lorenz Kellhuber (Piano), Felix Fromm (Posaune), Oliver Leicht (Reeds), Stephan Zimmermann (hier Flügelhorn), alle Michael Kroll
19.02.09 - online redaktion
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