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“Money, money, money”

“Geld”, so ist auf wikipedia.de zu lesen, “ist ein Zwischentauschmittel, das sich von anderen Tauschmitteln dadurch unterscheidet, dass es nicht unmittelbar den Bedarf eines Tauschpartners befriedigt, sondern auf Grund allgemeiner Anerkennung zu weiterem Tausch eingesetzt werden kann”. Vielleicht liegt das Problem ja einfach darin, dass zu viele Menschen in der Vermehrung des Geldes nicht nur eine Befriedigung, sondern sogar im Mittel den Zweck gesehen haben. Vielleicht funktioniert aber einfach ein Leben auf Pump auf lange Sicht nicht und die “Externalisierung des Risikos” (Peter Sloterdijk) wurde übertrieben. Vielleicht ist aber auch nur der Traum vom “arbeitenden Geld” geplatzt. Peter Lang sprach mit Erwin Schoch, Vorstand der Volksbank Regensburg, über unser Verhältnis zum Geld.

Erwin Schoch Volksbank Regensburg„Notleidende Banken“ ist das Unwort des Jahres 2008. Wollen Sie das kommentieren?
Die ganze Situation, die wir alle derzeit durchstehen müssen, ist dadurch entstanden, dass die Banken, die jetzt bankrott sind – Merrill Lynch, Lehman Brothers, Bank of America – kein reguläres Bankgeschäft mehr getätigt haben, sondern Wetten verkauft haben. Die banalsten Vorgaben für Bankgeschäfte waren in den USA nicht erfüllt und es gab und gibt bis heute keine funktionierende Bankenaufsicht. Als die Kreditvergaben ins Unermessliche stiegen, auf der anderen Seite aber das Eigenkapital nicht mit wuchs, kam es zur Schieflage. Die Reaktion daraus war, Mischpapiere mit diesen Krediten zu kreieren, die von einem zum anderen gereicht wurden und die am Ende niemand mehr kaufen wollte. So platzte die Blase. Derartige Modelle sind bei uns – ich spreche hier von den Volksbanken – aber undenkbar.

War denn der Crash nicht abzusehen? Wer trägt die Verantwortung?
Dass es auf die Dauer nicht gut gehen konnte, war sehr wohl abzusehen! Schuld an allem ist die Gier. Renditen lassen sich nicht grenzenlos steigern. Wenn einer sagt, bei mir kriegst du 10 Prozent, dann müsste er ehrlicherweise dazu sagen, dass da eine Wette dahinter steckt. Doch das wurde meist verschwiegen. Andererseits: Sind Begehrlichkeiten erst einmal geweckt, lässt man sich auf jedes Risiko ein. Dieses Phänomen hatten wir allerdings schon Anfang des Jahrtausends, als die New-Economy-Blase platze. Jeder wollte Aktien, und wehe, die Leute bekamen keine, da wurden ihnen als Bank Klagen angedroht. Und als die Kurse dann fielen, wurden die Banken beschimpft, sie hätten nicht ordentlich beraten. Die Gier vieler Menschen ist unbeschreiblich.

Und Genossenschaftsbanken konnten und können sich dieser Gier entziehen?
Die Volksbank Regensburg macht keine Wetten und hat nie Kredite weiterverkauft und wird das auch nicht tun. Wir haben uns auch nicht bei Lehman oder in Island engagiert. In Deutschland haben wir, was das Finanzsystem anbelangt, ein Drei-Säulen-Modell: Privatbanken (wozu die großen zählen), Sparkassenorganisationen und die Genossenschaftsbanken. Und im Privatkundenbereich ist der Kuchen wie folgt aufgeteilt: Die Hälfte der Kunden entfallen auf die Sparkassen, ein Viertel auf die Genossenschaftsbanken und um das letzte Viertel streiten sich neuerdings die Groß- und Privatbanken. Da gab es nun Bestrebungen der Großbanken, dieses Modell aufzuheben und weiter zu privatisieren – was aber zum Glück am Sparkassengesetz scheiterte. Denn wenn man sich jetzt umsieht, sind es ja gerade die Groß- und Privatbanken, die in die Klemme geraten sind.

Genossenschaftsbanken ticken anders, es ging ihnen zunächst um Solidarität, nicht um Rendite. Wie kam es zur Gründung von Raiffeisen- und Volksbanken?
Geschichtliche Abläufe wiederholen sich immer wieder. Wir hatten Mitte des 19. Jahrhunderts eine Situation, die mit der heutigen vergleichbar ist. Es war ein Strukturwandel durch die Industrialisierung im Gange und Handwerk und Mittelstand waren gezwungen den Weg mitzugehen, zu investieren, um nicht wieder in abhängige Arbeit zu verfallen. Allerdings gab es zur damaligen Zeit keine Organisation, die Handwerk und Mittelstand finanziert hätte. Es gab zwar schon Großbanken wie die Deutsche Bank, die Dresdner Bank oder die Commerzbank, aber die waren für die Finanzierung der Industrie und des Auslandgeschäfts zuständig, da war mehr Geld zu verdienen.
Hermann Schulze-Delitzsch erkannte, dass diese Situation nur dadurch zu verbessern war, dass es dem Mittelstand ermöglicht wurde, sich durch genossenschaftliche Zusammenschlüsse selbst zu helfen. Es wurden Kassenvereine gegründet, die Geld eingesammelt haben, das dann für Investitionen wieder ausgeliehen wurde. Die Grundprinzipien waren: Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung. Heute, in einer völlig fehlgeleiteten Finanzstruktur, ist dieses Modell aktueller denn je: Wir sind eine Bank von Menschen für Menschen und für die Region.

Wie viel von Schulze-Delitzschs Geist ist heute noch vorhanden?
In § 1 des Genossenschaftsgesetzes ist verankert, dass wir uns verpflichten, unsere Mitglieder zu fördern. Und das nehmen wir nach wie vor sehr ernst. Genossenschaftsbanken sind nicht nur ein Geschäftsmodell sondern ein Solidaritätsmodell. Das ist Demokratie pur: One man one vote – das Kapital ist außen vor. Das Mitglied zeichnet einen Geschäftsanteil (maximal drei) zu 150 Euro und ist berechtigt, die Vertreterversammlung zu wählen. Diese wählt den Aufsichtsrat, der wiederum den Vorstand bestimmt und kontrolliert. Für bestimmte Entscheidungen, beispielsweise Fusionen, brauchen wir eine 75-prozentige Mehrheit. Wir brauchen uns also keine Sorgen machen, dass wir übernommen werden – wir sind nicht käuflich! Eine weitere Konsequenz aus dem Genossenschaftsmodell ist: Uns Vorstände jagen keine Aktionäre, die hohe Renditen und Kurssteigerungen wollen, und kein Aufsichtsrat, der gute Bilanzen sehen will, wie es bei den Privatbanken der Fall ist. Selbstverständlich müssen auch wir Gewinne erzielen, die sind aber immer Mittel zum Zweck. Gewinne nutzen wir zur Stärkung des Eigenkapitals und um unseren Kunden Kredite gewähren zu können. Eine Wertsteigerung nach außen, wie bei Aktiengesellschaften, findet bei uns nicht statt. Die Dividende, die wir auf die Mitgliedereinlagen ausbezahlen, beträgt seit langem etwa 6 Prozent, auch in Zeiten der Wirtschaftskrise. Wir legen Wert auf Kontinuität: im Bezug zum Kunden und in der Geschäftspolitik. Und wir machen nur Geschäfte, die wir auch verstehen!

Anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten haben Sie einen Zitatenband von Schulze-Delitzsch herausgegeben …
… aus dem ich Folgendes zitiere: „Freiheit und Verantwortlichkeit, auf ihnen beruht unsere ganze genossenschaftliche Organisation. Dadurch unterscheiden wir uns von anderen Bewegungen, welche die Verantwortlichkeit von sich weisen, welche die Garantien nicht selbst übernehmen sondern sie dem Staat und der Gesellschaft aufwälzen wollen.“ Das hört sich an wie heute geschrieben.

2009 wird das 140-jährige Gründungsjubiläum gefeiert. Was dürfen wir erwarten?
Die Mitarbeiter haben sich entschlossen mit einem „Spendenhaus“ Mittel für den Verein krebskranker und körperbehinderter Kinder einzusammeln. Und wir werden uns ver­stärkt für die Jugend, Kultur, den Sport, Familien, Bauen und Wohnen sowie für Existenzgründer engagieren. Dabei geht es, entsprechend unseres Selbstverständnisses, um die Region und wir bitten um Vorschläge für förderungswürdige Projekte. Dann geben wir eine Chronik heraus, die gleichzeitig eine Festschrift und ein Nachschlagewerk ist. Und natürlich wird es einen Festakt geben, der aber ohne die üblichen Reden auskommen soll. Daher haben wir Michael Heuberger vom „Coccodrillo Theater!“ gebeten, die 140 Jahre Volksbank Regensburg szenisch aufzuarbeiten.

Erwin Schoch Volksbank RegensburgWie fördert die Volksbank Kunst und Kultur?
Das geht oft in der Öffentlichkeit etwas unter, wir agieren hier sehr dezent. Wir verstehen uns auch in erster Linie als Förderer der Region und engagieren uns im Sozialen. Etwa für den VKKK und den „Verein Zweites Leben“, wo wir größere Summen gespendet haben. Was den Kunstsektor anbelangt: Hier unterstützen wir den „Kunst- und Gewerbeverein“ und haben jüngst die Ausstellung „Ein Tag in Regensburg“ gefördert. Seit vielen Jahren sind wir aktiver Unterstützer der Rathauskonzerte. Und durch Ankäufe mehren wir die Bestände der eigenen Kunstsammlung. Leider haben wir nicht die Räumlichkeiten, sie einem breiten Publikum zu zeigen.

Ein anderer Aspekt der Kultur ist die Unternehmenskultur. Wie charakterisieren Sie da ihr Haus?
Diese Frage sollten Sie unserem Betriebsratsvorsitzenden stellen, was sie jederzeit tun können (lacht). Das Klima im Unternehmen ist hervorragend, wir sprechen daher auch von der Volksbankfamilie. Der Umgang untereinander ist sehr offen. Das beste Beispiel: Wir haben etwa 158 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Viele davon sind in Elternzeit. Wir hatten neulich eine Betriebsversammlung kombiniert mit einer Auftaktveranstaltung zum 140-jährigen Jubiläum. Nicht einer hat gefehlt! Die Identifizierung mit dem Haus ist sehr stark und sie wird gefördert und aktiv gepflegt.

Zum Schluss nochmal zum Geld: Es gibt dafür so viele Bezeichnungen – Mammon, Knete, Pinkepinke, Kohle Asche, Mäuse – wie sonst nur für Begriffe aus der Welt des Sex. Hat der Deutsche ein erotisches Verhältnis zum Geld?
Geld macht einen Großteil des Lebens aus und es überrascht mich immer wieder in welchen Situationen die Menschen ans Geld denken. Geld hat aber auch mit Sicherheit und mit Existenzsicherung zu tun, daher wohl seine Bedeutung und daher wohl auch Streben nach Geld. Es macht zwar nicht glücklich, aber wenn man’s hat, beruhigt es. Geld regiert die Welt, das ist unbestritten. Was dabei herauskommt, steht auf einem anderen Blatt: Gefährlich wird es, wenn die Geldmehrung zum Selbstzweck wird.

(Interview: Peter Lang, Fotos: Michael Kroll)

 

7.03.09 - online redaktion

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