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Ménage à trois

Die Neueröffnung einer Galerie mit erlesenen Weinen und Delikatessen aus Frankreich als solches ist dem Kulturjournal keine Meldung wert, wenn aber damit auch eine Öffnung für Kunst verbunden ist und gleich die erste Austellung ein deratiger Paukenschlag wird, dann sind wir zur Stelle. Die schlechte Nachricht zuerst: Nichts gegen die wunderbare Weingalerie, aber sämtliche Exponate hätten besser präsentiert werden können. Genug gemäkelt, zur Sache:

Glaskunst, Metallplastiken und den Zyklus „Hafenfenster“ (Öl auf Leinwand) gilt es neben erlesenene französischen Tropfen und Delikatessen in der neu eröffneten „Weingalerie vis-à-vis“ zu erleben und zu entdecken. Drei Themen, drei Spielarten Bildender Kunst und drei Künstlerpersönlichkeiten, die schwer auf einen Nenner zu bringen sind; die aber dennoch in ihrer Gegensätzlichkeit eine Zusammenschau von Möglichem präsentieren.

 Keine Unbekannte mehr ist die mehrfach ausgezeichnete Glaskünstlerin Ulrike Niedermeier, die neben höchst Dekorativem auch Praktisches ausstellt. Teller und Schalen, teils in aufwändiger Schmelztechnik hergestellt und im Siebdruckverfahren mit figurativen Motiven versehen, finden sich neben bleiverglasten Bild- und Farbkompositionen auch kostbare Glasplastiken, die filigran und zerbrechlich den Werkstoff Glas, der Region und Menschenschlag östlich von Regensburg geprägt hat, effektvoll, mitunter auch subtil, in Szene setzen.
Schalen, Teller, ein origineller Zimmerbrunnen und vermeintliche Dekostücke, die Grenzen zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstobjekt bewusst immer wieder neu auslotend, humorvolle Seitenhiebe gegen die, die naserümpfend von Kunsthandwerk reden, austeilend, sind Niedermeiers Glasobjekte ein erfrischender Kontrapunkt im leider oft vollkommen verbiestert betrachteten Kunstbetrieb.

 Ebenfalls bereits einem breiten Publikum bekannt ist der Metall-Plastiker Eric Leroy (rechts im Bild), der Statuetten in abstrahierter Formensprache präsentiert. Die Härte seines Werkstoffs mal durch organische Formensprache brechend, mal bewusst in Art-Brut-Manier ausspielnd, lässt er dem Betrachter viel assoziativen Spielraum. Weit entfernt vom reinen Dekor und mitnichten ein modisches Stück  L‘art pour l‘art für das durchgestylte Wohnzimmer, rezipieren Leroys Plastiken unverkennbar die frühe Moderne. Als eine Inspirationsquelle nennt er u.a.  die Ton-Armee von Xi‘an, die er selbst in China besichtigt hat. Für die Eröffnung der "Weingalerie vis-à-vis“ hat Leroy eigens neue Werke geschaffen, dem Ambiente angepasst, aber durchaus kompatibel für viele Möglichkeiten des Lebens mit Kunst.

 Ein großer Wurf ist dem Debütanten Stefan J. Bircheneder mit dem Zyklus „Hafenfenster“ gelungen. In ihrer Gegenständlichkeit sind Bircheneders Ansichten des Regensburger Hafens akribisch, ja schon fotorealistisch ausformuliert, dennoch bleibt deren Innerstes, deren Botschaft vage. Die Stimmungsbilder erzählen von einer unendlichen Sehnsucht, einem Aufbruch ins Ungewisse und sind durchzogen von einem melancholischen Grundton. Ein Schiff wird kommen... Die menschenleeren Industrieareale wirken überhöht schön, naturalistisch ausziseliert jeder Rostfleck, ein Geduldsspiel, das  von handwerklicher Meisterschaft zeugt und in ihrer künstlerischen Aussage und Sogkraft besticht. Der 1974 in Garham bei Vilshofen geborene Künstler erlernte sein bildnerisches Handwerk als Kirchenmaler von der Pike auf, die Motiv-Findung bereits seiner ersten Ausstellung weist ihn als hoffnungsvollen Künstler aus, er ist die regionale malerische Entdeckung der letzten Jahre! Kunstsammler aufgepasst! Jetzt kaufen, noch sind "Bircheneders" für einen Schnäppchenpreis zu bekommen. Gespannt wartet man auf die nächsten Arbeiten des jungen Künstlers.

Die Zusammenschau dreier derart unterschiedlicher Kunstsprachen von derart hoher Qualität verdient breite Anerkennung und höchsten Respekt. Die Ausstellung Ménage à trois ist bis Anfang Mai in der Weingalerie vis-à-vis, Fuchsgässchen/Römling, zu sehen.

(Text, Fotos: Peter Lang)

 

7.02.09 - peter lang

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