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Lobgesang auf den Kammerchor

Die Universität Regensburg unterstreicht einmal mehr ihre führende Rolle als Kulturträger. Neben zahlreichen Orchestern und Bands, neben einer Fülle von Theatergruppen und neben dem Universitätschor, hat sich in diesem Wintersemester ein Kammerchor gegründet. Einen Zwischenbescheid über seine Qualität zeigte der neue Kammerchor nun mit Bachs D-Dur-Magnificat und dem ebenfalls in D-Dur gesetzten Magnificat des 13-jährigen Felix Mendelssohn-Bartholdy. Ein denkwürdiger Konzertabend.

Universitätsmusikdirektor Graham Buckland hat für das Debüt des Kammerchors Werke ausgewählt, denen Texte mit sozialer Sprengkraft zugrunde liegen. „Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer...“ Wenngleich der Konzertabend freilich nicht als Revolution zu bezeichnen ist, so macht er Hoffnung. Hoffnung, dass das Regensburger Kulturleben wieder mehr Augenmerk auf Qualität legt, denn auf die grassierende Event- und Effekthascherei. Das Gründungskonzert des Kammerchors ist ein Signal. Zeigt es doch, dass – wie im Zusammenspiel Chor - Orchester, alle Akteure aufeinander hören müssen, um Gehör zu finden, Kulturschaffende dürfen sich nicht gegenseitig neidisch bekämpfen, wollen sie in Zeiten drohender Kulturetatbeschneidung überleben.

Bach gültig interpretiert

Doch nun zum Konzert: Die hin und her schwappenden, anbrandenden und zurückschlagenden „Wellen“ der drei Gloria-Rufe, wie Glockenschläge versetzt intoniert, kommen sauber und präzise, die gute Akustik des Audimax ermöglicht zudem ein räumlich stereophones Erleben. Ohne Zweifel – der Einstand des neu gegründeten Kammerchors der Universität Regensburg ist gelungen.
 Wir dürfen der Generalprobe beiwohnen und erleben je acht konzentrierte Sopranistinnen und Altistinnen und hoch motivierte sechs Tenöre und fünf Bassisten. Bachs ungemein farbiges Magnificat in D-Dur steht auf dem Programm, ein Werk, das höchste Konzentration und unbedingtes Miteinander fordert. Es gelingt, die Konsonanten beim „Fecit potentiam“ kommen unisono, kein Divergenzen bei den z- und t-Lauten! Respekt! Schon beim ersten Tutti-Einsatz „Magnificat“ ist der Chor „zusammen“. Ein Einsatz, der es in sich hat und zeigt, die Einstudierung von Bernhard Hofmann legt höchsten Wert auf Akribie und Disziplin. Der Chorklang ist ein sehr junger, strahlt Frische aus, ohne jede Spur von Borstigkeit – was durchaus Charme haben kann – die oftmals Chören mit jungen Mitgliedern eigen ist. Graham Buckland versteht es mit Understatement, Chor und Kammerorchester zu einer bestechenden Homogenität zu führen. Die Kanon-Einsätze des „Sicut-Locutus“ reißen mit und es ist wunderbar zu sehen, dass niemand vor Eifer, was leicht passieren kann, „davon galoppiert“. Klagen viele Chöre über einen Mangel an sicheren Tenören, so sieht sich der neue Kammerchor mit diesem Problem erfreulicherweise nicht konfrontiert. Ach, wie tut das gut, endlich einen Chor mit soliden und jungen hohen Männerstimmen zu Gehör zu bekommen! Sonderlob sei den Oboen gezollt, das Choralthema „Meine Seele erhebt den Herren“ in der „Suscepit“-Passage kommt sauber und klar konturiert. Ohnehin eine Wonne: die samtenen und stets sicheren Streicher, die Konzertmeister Sàndor Galgòczi behutsam zu Höchstleistung anstachelt. Das Solistenquintett ist mit Isabella Stettner (Sopran II), Barbara Müller (Alt), Manuel Warwitz (Tenor), Thomas Ruf (Bass, für den erkrankten Christian Maria Schmidt) gut besetzt, die Studentin Julia Jurgasch (Sopran I) – noch mitten in ihrer Gesangsausbildung – intoniert sicher.

D-Dur-Magnificat des Jubiläums-Komponisten

Mendelssohn-Bartholdys Magnificat atmet ganz den Geist der Bachbegeisterung des jungen Komponisten, ostinat und über weite Strecken im Barockduktus, wird es vom Kammerorchester duftig und transparent (mehr als nur) begleitet. Der Streichersatz ist delikat ausgearbeitet, meisterlich ersonnen, inspiriert und für einen 13-Jährigen von unglaublicher Reife! Die Choreinsätze stellen nur vermeintlich eine leicht zu bewältigende Herausforderung dar. Die vertrackten Einsätze beim „Gloria Patri“ gelingen dem neuen Kammerchor souverän. Der unverkennbar romantischen Tonalität des Werks trägt der Kammerchor mit weicher Klangsprache und zurückgenommener Dynamik Rechnung, unterstreicht jedoch, wo dies nötig ist, mit expressiven, aber klar konturierten Ausbrüchen die seltenen Schroffheiten der Partitur. Hier bewährt sich einmal mehr, dass Bernhard Hofmann bei der Einstudierung auf Disziplin und Sauberkeit höchstes Augenmerk legt. Den vier Solisten scheint das Mendelssohn-Magnificat ohnehin zu liegen, Tenor und Bass überzeugen hier mehr als in der abschließenden Bach-Version des Lobgesang Mariens. Die diffizilen Horneinsätze kommen präzise, mit sanfter Wucht, überwältigend rein, Kompliment!

Umrahmt werden die beiden Magnificat-Kompositionen von Orgelwerken der beiden vorgestellten Komponisten, die Graham Buckland für Streicherensemble bearbeitet hat. Stellt das Arrangement bei Bachs Präludium und Fuge cis-Moll (BWV 849) an die Hörgewohnheit keine neuen Ansprüche (aufhorchen lässt die Transponierung nach e-Moll), so werden in Mendelssohns Präludium und Fuge C-Dur (aus der Orgelsonate c-Moll op. 65/2) in der Streicherbearbeitung bereits Tendenzen der Spätromantik (fast schon eine Vorankündigung Wagners) hörbar. Und erneut unterstreicht das Kammerorchester der Universität Regensburg, 2004 gegründet und die Spitzenkräfte des Universitätsorchester bündelnd, dass mit dem Ensemble nicht nur die Universität Staat macht, es ist ein ausgezeichneter Botschafter Regensburgs – nach diversen Gastspielen im In- und Ausland stehen in Bälde Konzerte in Prag, London, Cambridge und Berlin an.

Eine explizite Würdigung gilt Nadine Lorenz vom Institut für Musikwissenschaft, die für die treffliche Textauswahl für das Programmheft verantwortlich zeichnet. Der Kammerchor hat sein Potenzial gezeigt und macht unbändige Lust, den Werdegang der Gemeinschaft zu verfolgen. Was wird mit dieser Truppe nicht alles möglich sein?

Fotos:
Universitätsmusikdirektor Graham Buckland
Solistin Julia Jurgasch und rechts im Bild: Konzertmeister Sàndor Galgòczi
alle Fotos Michael Kroll

 

 

 

13.01.09 - peter lang

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