Im Porträt: Inge Faes
Inge Faes: Kabarettistin, Schauspielerin und Frontfrau des Statt-Theaters
Im nächsten Jahr feiert eine Regensburger Institution Jubiläum: 25 Jahre Statt-Theater in der Winklergasse heißt es dann. Mit Mut, Durchhaltevermögen und Ansprüchen an die eigene Qualität hat sich die Kleinkunstbühne nicht nur einen Namen gemacht, sie hat sich untrennbar ins Regensburger Kulturleben gespielt. Das Kellertheater in der westlichen Altstadt ist klein – und hier stimmt der Reim nun wirklich – aber fein. Es ist so klein, dass die Künstlergarderobe gerade mal so groß ist wie eine Umkleidekabine eines Bekleidungshauses. Und die Bühne ist tatsächlich das unter Schauspielern sprichwörtliche „Nudelbrett“. Vorteil: Publikumsnähe kann so keine leere Floskel bleiben. Spaß und Spiellust und immer wieder neue Theaterformen – das Impro-Theater Chamäleon hat im Statt-Theater eine Heimstadt gefunden – sorgen regelmäßig für „full house“. Wir haben die Statt-Theater-Frau der ersten Stunde, Inge Faes, ins Verhör genommen. t:pl, f:privat
Ihnen wurde bestimmt nicht an der Wiege gesungen, dass Sie dereinst ein Theater leiten würden. Wie kamen Sie zum Statt-Theater?
Schon als Kind habe ich gerne und heftig Theater gespielt: Die Stufen in Großmutters Garten wurden zur Showtreppe, ich liebte das Verkleiden, in andere Charaktere zu schlüpfen; später Schultheater, Uni-Theater, dann über die Theater Compagnie kam ich zum Kabarett – ich lernte Eberhard Geyer kennen, damals schon Ensemblemitglied beim Kabarett Statt-Theater. Die Spielstätte im Keller des Restaurants „Knossos Palast“ (heute „Peaches“) hatte das junge Statt-Theater verloren – ich kam dazu, als wir im Prinzip ein Nomaden-Dasein führten. Wir zogen von Kneipe zu Kneipe, spielten auch mal in Werner Hofbauers „Chaplin“.
Und wann, wie und warum kam es dann zu dem schnuckeligen Statt-Theater?
Irgendwann war klar: Wenn man es nicht in Regensburg probiert, wo dann? Kabarett und Kleinkunst gab es in Regensburg Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre nicht regelmäßig, nicht mit einer festen Bühne. Wir beschlossen, dass wir ein ortsansässiges Theater für Kleinkunst gründen wollten. Das war eine Marktlücke, in der wir uns Chancen ausrechneten. Daraufhin haben wir ein Lokal am Altstadtrand gesucht – Altstadt wäre zu teuer gewesen – und haben relativ rasch diese Räumlichkeiten hier gefunden. Das war früher eine Bäckerei; Größe, Lage und Miete – ideal.
Seit 24 Jahren nun residieren wir mit dem Statt-Theater hier. Und sind zufrieden. Zur Struktur des Statt-Theaters: Wie sind die Aufgaben verteilt?
Wir sind eine GdbR, Hanne Asch, Peter Nikisch und ich. Peter hat die Geschäftsführung und zeichnet in erster Linie für die Programmgestaltung verantwortlich. Wir haben die Aufgaben verteilt, wobei es Überschneidungen sowohl im Künstlerischen als auch im Organisatorischen gibt. Jeder ist Beleuchter, Bühnentechniker, Marketingleiter und Agent in einer Person. Ab und zu spielen wir alle auch Tournee-Leiter, wenn wir auswärts Gastspiele bestreiten. Wir haben Eigenproduktionen in unserem Programm, übrigens allesamt von Peter Nikisch geschrieben, vor allem natürlich das alljährlich neue Kabarettprogramm fürs Ensemble, daneben Dauerbrenner wie „Langsam wird´s eng“ oder den „Paarlauf“ und die 68er-Revue „Der lange Marsch zurück zum Spießer“. Das halte ich übrigens für unser „Geheimrezept“: eine Kabarettbühne mit festem Ensemble und jährlich neuem Programm. Sowas gibt es sonst nur in Großstädten wie München, Berlin oder Düsseldorf! Und wenn man unserem Publikum glauben darf, dann müssen wir uns mit unseren Programmen nicht vor den Kollegen der großen (der wirklich großen) Städte verstecken.
Mit diesen Ensembleprogrammen bestreiten wir einen großen Teil unseres Spielplans. Wir sind mittlerweile auch Herberge für das Improvisationstheater Chamäleon geworden (und das sehr gerne: so findet wieder verstärkt studentisches Publikum zu uns, wir werden ja alle nicht jünger!) und ständig bieten wir die Plattform für Gastspiele namhafter, hoffnungsfroher und fast immer sehr guter Künstlerinnen und Künstler. Die kommen vornehmlich aus dem kabarettistischen Bereich aus allen deutschsprachigen Ländern, gerne auch aus der Region, wenn´s gut zu uns passt. Für Firmen- oder Geburtstagsfeiern kann man auch ganze Vorstellungen mieten, da muss man halt nehmen, was an dem und dem Tag grade auf unserem Spielplan steht.
Ihr Werdegang. Tabellarischer Lebenslauf genügt, Frau Faes.
Ach Gott, reicht es, wenn ich Ihnen meine Vita aus dem Booklet unserer CD „Lieder aus 15 Jahren Kabarett“ zitiere?
Vollkommen!
Also: Die geborene Münchnerin, die ursprünglich auf den schönen bayerischen Namen Staringer hörte, kam 1978 eigentlich nur zum Studieren nach Regensburg. Aber ihre Leidenschaft für operative Bühnenpräsenz, so soll sie bereits bei ihrer Geburt die Arme ausgebreitet und in die OP-Scheinwerfer gelächelt haben, führte sie, auf dem Umweg über das Offene Theater und die Theater Compagnie an der Uni, 1983 direkt ins Kabarett STATT-THEATER Regensburg, mit dem sie sozusagen als Frau der ersten Stunde maßgeblichen Anteil an der Entstehung und Verwirklichung des Projekts Kleinkunstbühne STATT-THEATER hatte. In den folgenden 17 Jahren setzte sie Glanzpunkte in ihrer Rolle als „die Frau im Kabarett“, verschliss im Laufe ihrer Solo-Karriere (Programme: „Von Müttern und Monstern“, „Langsam wird’s eng“, „Paarlauf“ – nach denen die Zuschauer Schlange stehen) mehrere! Pianisten und ist das Markenzeichen für den Erfolg des Regensburger Kabaretts. Zitat Ende. O je, aus meinem Munde klingt das doch etwas seltsam.
Macht ja nix. Aber wie kamen Sie nach Regensburg?
Ich bekam per Bescheid einen Studienplatz (Sozpäd!) zugewiesen und musste von München nach Regensburg ziehen. Ich kannte die Stadt nicht und keine Menschenseele. Den anfänglichen Schock hatte ich schnell überwunden und fühlte mich rasch heimisch und wohl.
Wie gehen Sie vor? Laden Sie die Künstler ein? Fragen die Künstler bei Ihnen an?
Mal so, mal so. Vieles läuft über Agenturen, die ihre Vertragskünstler vermitteln. Hinter manchen Künstlern muss man lange her sein, ehe wir sie dann doch für Gastspiele bekommen. Ein wertvoller Hinweis ist auch immer die Empfehlung von Kollegen. Wir stehen natürlich mit anderen Kleinkunstbühnen in Verbindung, da ist man gut vernetzt und weiß, wer gut, wer noch bezahlbar und wer Publikumsmagnet ist.
Was findet im Statt-Theater alles statt? Gemeinhin glaubt ganz Regensburg, hier wird Kabarett gemacht. Ein Vorurteil?
Zum Großteil Kabarett, ja, das kann man sagen. Dazu aber Impro-Theater-Abende und weil auch gelegentlich noch andere Kunstformen hier gezeigt werden, ziehe ich den Begriff „Kleinkunst“ vor. Unter diesem Begriff kann man mehr subsumieren als den klassischen Kabarettisten – also einen wie Bruno Jonas. In der Bevölkerung haben wir aber durchaus den Ruf, eine Kabarett-Bühne zu sein, was ja nichts Schlechtes ist.
Wenn Sie zurückblicken – wie unterscheiden sich Ihre Programme der Anfangszeit von denen heute?
Ja, wenn es da von so mancher Veranstaltung damals Videobänder gäbe, damit wäre ich erpressbar! Spaß beiseite: Natürlich waren wir in den 80er Jahren anders, schlugen in die Kerben, die sich in Regensburg geboten haben und noch bieten, CSU, Kirche … Vielleicht sind wir etwas nachdenklicher geworden, man sieht doch vieles anders. Aber, wenn ich an unser Programm „Warmduscher-Republik“ denke – das schließt Biss nicht aus!
Kabarett und Comedy. Wo ziehen Sie da die Grenzen?
Schwierige Frage, die Grenzen verschwimmen. Johann König hat es neulich in einem Interview so definiert: "Der Comedian spielt wegen dem Geld, der Kabarettist des Geldes wegen." Beides hat seine Berechtigung, der politische Kabarettist und der Comedian, der seinen Effekt aus Wort- und Situationskomik zieht. Ich mag beides, ich will das nicht gegeneinander ausspielen. Bei vielen Künstlerinnen und Künstlern vermischt sich das auch, die sind sowohl komisch im Sinne von Comedy, prangern aber auch gesellschaftliche Missstände an.
Worüber können Sie herzlich lachen?
Ich bin ein Fan der Sprachkunst. Was Holger Paetz macht, das gefällt mir sehr, die elegante Art, mit Worten und Wörtern zu jonglieren. Ich freue mich, wenn kleine überraschende Momente entstehen, die mich verblüffen. Wenn jemand aber auch glänzend parodiert wie zum Beispiel Robert Griesbach, der Anfang August bei uns gastiert, dann schaue ich jeden Abend mit großem Vergnügen zu. Es können nicht alle Programme immer 100%ig meinen persönlichen Geschmack treffen. Professionalität und Qualität müssen aber da sein und wir brauchen auch ein Publikum, das bereit ist, Zeit und Geld zu opfern. Am meisten Spaß macht es natürlich, wenn man jederzeit sagen kann: Ja, das würde ich mir aus einem Programmheft aussuchen, auch wenn es nicht auf unserer Bühne wäre.
Traditionell bespielen Sie auch in der Sauren-Gurken-Zeit (August/September) die Bretter des Statt-Theaters. Wer schaut denn da bei Ihnen in der Winklergasse vorbei?
Ja, das hat sich als sehr gute Spielzeit herauskristallisiert. Im Juli können wir ruhig etwas kürzer treten, Bürgerfeste, Openair-Spektakel landauf landab, aber im August sind wir meist erstaunlich gut besucht.
Von Einheimischen oder nur von Touristen?
Sowohl als auch. Buchungen aus anderen Städten gehen ein und Spontanbesucher finden den Weg zu uns. Unsere Sommerschiene läuft gut, ausverkauft sind wir aber nicht immer. Es hängt auch davon ab, wer gerade gastiert, große Namen ziehen erfahrungsgemäß auch mehr Publikum an. Vereinzelt gibt es auch Firmenbuchungen speziell in dieser Zeit.
Wer fehlt noch in Ihrer Wunschliste? Wen würden Sie sich für Gastauftritte bei Ihnen wünschen?
Es wäre großartig, wenn wir Urban Priol noch mal bekommen könnten! Andreas Giebel kommt immer wieder, das freut uns außerordentlich, er hält uns seit seinen und unseren Anfangszeiten die Treue. Jörg Hubes „Herzkasperl“ war auch ganz fantastisch ... Und ansonsten: mal sehen!
Verraten Sie uns, was im Herbst auf Ihrem Spielplan steht?
Im September kommt Christian Springer, bekannt als „Fonsi“ aus dem BR, Luise Kinseher gibt mit ihrem „Hotel Freiheit“ ein Gastspiel und unser Programm „Langsam wird‘s eng“ nehmen wir wieder auf.
31.07.08 - online redaktion
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