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Im Gespräch: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis

"Wir sind alle nur Verwalter"

Anlässlich der Schlossfestspiele 2008 sprach Kulturjournal Regensburg mit Ihrer Durchlaucht Fürstin Gloria von Thurn und Taxis über Engagement, Unternehmergeist, Moral und Gesellschaft und ihren absoluten Wunschkandidaten für die Schlossfestspiele.  

 Wo immer Fürstin Gloria von Thurn und Taxis auftaucht richten sich Kameras und Mikrophone auf sie. Vielleicht sogar mehr Mikrophone – denn ihre Durchlaucht ist immer für einen kräftigen Spruch gut: Ob es um das Sexualverhalten der Afrikaner, die Ess- und Trinkgewohnheiten in fürstlichen Häusern oder Strategien zur Rettung der katholischen Kirche geht, die Yellow Press ist dankbar für jeden sound bite und vervielfältigt ihn Millionen Mal. Die Anziehungskraft, die von ihrer Person ausgeht, entspringt sicher der Mischung aus dem sagenhaften Glamour der Welt der Schönen und Reichen und ihrer direkten Art. „Die Fürstin“, das kann jeder Gästeführer bestätigen, klingt bei Jung und Alt, bei Auswärtigen und Alteingessesenen gleichermaßen ehrfürchtig und bewundernd. Anlässlich der Festspiele wollten wir die Gelegenheit nutzen und Gloria von Thurn und Taxis einige broadsheet-mäßige Fragen stellen, bevor sich die Vertreter der Regenbogenpresse wieder auf sie stürzen.

Thurn und Taxis Schlossfestspiele, Thurn und Taxis Open Air-Kino, Thurn-und-Taxis-Kleinkunst-Festival ... wie wichtig ist es für Ihr Haus, sich kulturell zu engagieren?
Kulturelles Engagement in privater Hand funktioniert sehr gut, vor allem als Ergänzung zur staatlich, also durch Steuergelder finanzierten Kultur. Wir bieten dem Publikum ein vielfältiges Programm und das kommt gut an. Das ist Grund genug.


Der Romantische Weihnachtsmarkt, Phantasie & Garten, Fürstlich Heiraten, Produktpräsentationen wie des Porsche Cayenne, Tagungen, Feiern ... sind weitere Geschäftsfelder. Werden wir das Label T&T noch auf weiteren Veranstaltungen sehen?
Alles was gut in die Corporate Identity des Schlosses St. Emmeram als Veranstaltungsort passt, ist uns sehr willkommen. Das Schloss auf diese Weise einem größeren Publikum zugänglich zu machen und dabei so zu wirtschaften, dass ein Beitrag übrig bleibt, der hilft, die enormen Instandhaltungskosten zu schultern, sind Maßnahmen, die für den Erhalt des Schlosses sehr wichtig sind.


 Fürstliches Brauhaus, Fürstliches Schlosscafé, das Spiel T&T, die Tea-Time-Kollektion, wie viel Thurn und Taxis – wie viel Fürstin Gloria – steckt drin?
Also die Köstlichkeiten der Tea-Time-Kollektion habe ich allein ausgesucht und verköstigt. Das Design für die schönen Dosen der Kollektion habe ich mit Hilfe einer Grafikerin entworfen. Das Schlosscafé habe ich mir ausgedacht und von einem Künstlerpaar entwerfen lassen. Das Brauhaus ist mein Lieblingslokal in Regensburg, aber die Idee dazu kam von der Brauerei T&T.


Das Haus Thurn und Taxis als Forstunternehmen: Holz erfährt seit einiger Zeit eine Renaissance – ein guter Markt?
Holz ist ein sehr umweltschonender Rohstoff. Holz bindet immer Kohlenstoff, auch noch wenn es schon verbaut ist. Das heißt, der Kohlenstoff der Umwelt wird im Holz gebunden und nicht freigegeben. Daher ist es für umweltbewusste Menschen unerlässlich, mit möglichst viel Holz zu bauen. Damit trägt er zur Umweltschonung und Entlastung der Umwelt bei. Das macht Holz attraktiv. Der etwas gestiegene Holzpreis heute liegt auf dem gleichen Niveau wie vor zehn Jahren. Holz ist seit Jahrzehnten  unterbewertet. Es hat noch nicht einmal die Inflation mitgemacht. Daher hoffe ich, dass das Holz bald seinen echten Wert im Preis widerspiegeln kann.


Mariae Gloria Gräfin und Herrin von Schönburg-Glauchau heiratet am 31. Mai 1980 Johannes Fürst von Thurn und Taxis. Was hat sich seit dieser Zeit verändert? Dümmliche Reality- und Casting-Shows, zunehmender Vandalismus, Verharmlosung von Rechtsbrechung, persönliche Vorteilnahme an allen Stellen der Gesellschaft  – Ulrich Wickert nennt es „Verlust aller Werte“ – kann man das Rad zurückdrehen? Wenn ja, wie?
Oh, da stellen Sie mir ja eine wirklich schwere Frage. Aber meiner Meinung nach haben wir in Europa den Zenit überschritten. Seit dem 1. Weltkrieg ging es mit uns bergab. Irgendwann werden wir als Kulturvolk von der Landkarte verschwinden. Es gibt nur einen Ausweg: Zurück zu unseren religiösen Wurzeln. Das Christentum, mit einer heiligen katholischen Kirche. Aber davon will heute niemand etwas wissen. Ansonsten gehen wir unter wie die Römer. Die Situation vor 2000 Jahren war der heutigen, vor allem was Moral und Vergnügungssucht anbelangt, sehr ähnlich. Aber was solls, wir haben es in der Hand etwas zu ändern, tun wir es nicht, dann ist es allein unsere Schuld.


Man spricht in Deutschland stets davon, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich mehr öffnet. Merken sie etwas davon?
Bei uns in Deutschland geht es noch einigermaßen. Natürlich gibt es bei uns auch Armut und das ist ein großes Problem. Von den westlichen Ländern der EU fällt die Armut in Großbritannien am schlimmsten auf.


Wie wichtig ist der Glaube für Sie? Sollte der Glaube, kirchliche Regeln, Moral im Allgemeinen wieder mehr das gesellschaftliche Miteinander bestimmen? Wie durchdringt er Ihr tägliches Leben, wie bestimmt er Ihre Weltanschauung?
Ich bin katholisch erzogen worden und meine, dass die christliche Soziallehre, das Werkzeug bereithält, um den Herausforderungen folgend eine soziale Gerechtigkeit möglich zu machen. Nur leider haben wir aufgrund der schnellen Globalisierung nun auch sehr viel rücksichtslose Wettbewerber am Markt, die einzig und allein den schnellen Profit sehen. Daher wird es immer schwieriger, fair zu wirtschaften. Aber Fairness kann kein Staat erzwingen, weil sich die Menschen gegen Zwang immer wehren werden. Das heißt konkret, wenn der erste Hunger gestillt ist, werden die Menschen freiwillig sozialer werden, weil es sich angenehmer leben lässt, wenn man andere an seinem Erfolg und Reichtum teilhaben lässt. Sehen Sie doch nur die unzähligen privaten Stiftungen in der westlichen Welt an, soziale oder kulturelle, alles von privaten Wohltätern für die Allgemeinheit gestiftet. Leider wird das hierzulande viel zu wenig gewürdigt, sodass es die wenigsten Menschen wahrnehmen. Die allermeisten wohlhabenden, reichen Leute tun Gutes. Die schwarzen Schafe fallen natürlich auf und ihr Verhalten wird in der Öffentlichkeit breitgetreten.


 Haben Sie Vorbilder? Sehen Sie sich als Vorbild? An welchen Vorbildern sollte sich die Jugend orientieren?
Ich habe Vorbilder, natürlich! Vielleicht bin ich für manche Menschen auch ein Vorbild, ich weiß es nicht. Aber gut ist es jedenfalls, so zu leben, dass man ein Vorbild sein kann.
Vorbilder für die Jugend sollten meiner Meinung nach Menschen sein, die Gutes tun und sich für die Allgemeinheit einbringen und einsetzen. Aber leider werden in den Medien oft nur Menschen gezeigt, die durch irgendwelche oberflächlichen Dinge auffallen. Scheidungen, Vielweiberei, Skandale, das ist eben interessanter als eine Story über jemanden, der ein Krankenhaus stiftet oder ein Museum.


Kenia, Rom, Paris und Regensburg. Wie wichtig ist Ihnen die Domstadt und wie unterscheidet sich das Leben hier von dem in der weiten Welt?
Ich bin wie viele moderne Menschen global, das heißt an vielen Orten der Welt zu Hause, mit Freunden, gesellschaftlichem Leben usw. So habe ich mit meinem Mann immer gelebt. Jetzt wo meine Kinder erwachsen sind und auch die Kommunikationsmedien überall funktionieren, muss ich nicht mehr so viel zu Hause sein. Da mir Reisen Spaß macht, bin ich noch viel unterwegs. Trotzdem bin ich in Regensburg zu Hause. Gerade wenn man viel unterwegs ist, weiß man sein Zuhause noch viel mehr zu schätzen. Ich bin sehr gerne hier und komme immer gerne hierher zurück.


Wie sieht der durchschnittliche Tagesablauf der Fürstin aus?
So wie bei jedem anderen Menschen auch. Ab 7 Uhr fängt mein Tag an. Untertags erledige ich meine Büroarbeit und in der Freizeit spiele ich Golf oder Tennis. Am Abend lese ich gerne und gegen 23 Uhr ziehe ich mich zurück.


Adel verpflichtet, heißt es so schön. Gilt dieses Wort heute noch und wenn ja zu was sehen Sie den Adel verpflichtet?
Das weiß ich nicht wirklich so genau. Irgendwie verpflichtet der Adel schon, aber sind wir nicht alle verpflichtet, Gutes zu tun und so zu leben, dass man sich nicht schämen muss? Die Verantwortung, das Ererbte so zu verwalten, dass wenigstens etwas erwirtschaftet wird, hat ja schon Jesus in seinem Gleichnis vom guten Verwalter verlangt. Derjenige wird belohnt, der für seinen Herrn zumindest die Zinsen erwirtschaftet, die das ihm überlassene Vermögen einbringt. Diese Verantwortung haben wir aber alle. Besitzen tun wir nichts, denn wir sind alle nur Verwalter auf Erden.

(Aus Kulturjournal Regenburg #10, 27. Juni 2008)

 

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