„Ich will, dass der Funke überspringt!“
Der 23-jährige Jakob Brenner, gebürtig in Regensburg, dirigiert das Oratorium „Die vier letzten Dinge“ von Joseph Eybler (1765 – 1846) das Winterkonzert des Akademischen Gesangverein München e.V. (AGV) Herz-Jesu Kirche Regensburg, Sonntag, 1. März 2009, 17.00 Uhr
Wenn am Sonntag in der Herz-Jesu Kirche das große dramatische Oratorium „Die vier letzten Dinge“ von Joseph Eybler ertönt, steht nicht etwa ein altgedienter Dirigent am Pult, sondern ein 23-Jähriger! Doch Jakob Brenner ist kein Anfänger. Erste Erfahrungen mit dem Dirigieren hat der Münchner Student an der Hochschule für Musik und Theater bereits seit mehreren Jahren gesammelt. Seitdem hat er jede Gelegenheit genutzt, den Taktstock zu schwingen. Jetzt freut er sich auf seine nächste große Herausforderung, das Oratorium von Joseph Eybler.
In drei Teilen erzählt das Werk des Wiener Komponisten, der ein enger Freund Mozarts war, vom Untergang der Welt und der Auferstehung der Seligen: Schon früh war Eyblers große Musikalität entdeckt worden. Dennoch wollte der Österreicher zunächst Jurist werden. Doch ein Unglück machte den Plan zunichte: Sein Elternhaus brannte ab, die Familie verlor alles und an ein teurer Studium war nicht mehr zu denken. Also wandte er sich der Musik zu und schaffte es bis zum Hofkapellmeister in Wien - als Nachfolger des berühmten Antonio Salieri.
"Er ist nach Mozart in der Musik jetzt das größte Genie, welches Wien besitzt,“ heißt es schon zu seinen Lebzeiten Ende des 18. Jahrhunderts. Ihn verband eine tiefe Freundschaft zu Wolfgang Amadeus Mozart und auch zu Joseph Haydn.
Mit seinem Oratorium „Die vier letzten Dinge“, das 1810 im Auftrag von Kaiser
Franz I. entstand, konnte Joseph Eybler auf Anhieb große Erfolge feiern. Es ist jedoch seither weitgehend in Vergessenheit geraten.
Doch jetzt gibt es eine spannende Wiederentdeckung im Rahmen des Winterkonzertes des AGV. Das Werk ist sowohl thematisch als auch musikalisch der Gegenpol zu Haydns Oratorium "Die Schöpfung", das der AGV vor einem Jahr mit
großem Erfolg aufführte. Es ist daher als zweiter Teil eines Zyklus zu betrachten.
„Ich bin gut vorbereitet, auch wenn es nicht einfach war. Es ist ein sehr komplexes Stück, das lange in Vergessenheit geraten war. Jetzt wollen wir es wieder entdecken", so der gebürtige Regensburger Dirigent selbstbewusst.
Musik liegt bei Jakob Brenner im Blut – auch seine Eltern sind Musiker. Und auch für ihn kam nie etwas anderes in Frage.
In Regensburg geboren und aufgewachsen, erhält Jakob Brenner seinen ersten Violinunterricht mit fünf Jahren. Nach dem Abitur leistet er seinen Grundwehrdienst beim Kammerorchester des Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg/Bonn.
Viele musikalische Erfahrungen sammelt er u.a. im Orchester des Musikpodiums Regensburg und auch bei vielen kirchenmusikalischen Auftritten in seiner Heimatstadt. Seit dem Wintersemester 2005/06 studiert Jakob Brenner Schulmusik mit Hauptfach Violine an der Hochschule für Musik und Theater in München. Mittlerweile leitet er auch seit zwei Jahren das „Junge Orchester“ des Akademischen Gesangvereins München (AGV).
Wohin ihn seine musikalische Reise in Zukunft führt, ist noch nicht ganz sicher. Doch eines steht für ihn fest: Andere für Musik zu begeistern, ist eines seiner größten Ziele: „Ich will, dass der Funke überspringt“. Und davon kann sich das Publikum in seiner Heimatstadt am Sonntag, 1.März 2009 überzeugen.
Die Solisten: Katja Stuber (Sopran) Hubert Nettinger (Tenor) Christian Eberl (Bass).
(Karten zu 8 Euro (ermäßigt) bzw.15 Euro ausschließlich an der Abendkasse)
Weitere Informationen erhalten Sie in der Geschäftsstelle des Akademischen Gesangvereins München e.V., Tel.: 089/223707
oder unter geschaeftsstelle@agv-muenchen.de
DER AKADEMISCHE GESANGVEREIN MÜNCHEN E.V. (AGV)
Der Akademische Gesangverein München (AGV) wurde 1861 von Münchner Studenten gegründet, die gemeinsam singen und musizieren wollten.
Ursprünglich als loser Verein gedacht, entwickelte sich der AGV bald zu einer klassischen Studentenverbindung. Seine zentralen Prinzipien sind das „musische Prinzip“ (die Pflege von Musik, Theater und Tanz) und das „Lebensbundprinzip“ (lebenslange Freundschaft und Verbundenheit). Von Anfang an lehnten die Mitglieder das Tragen von Farben (Band und Kappe) und das Schlagen von Mensuren ab.
Der AGV versteht sich als bürgerliche Verbindung im guten Sinne von Liberalität und Toleranz. Er ist sowohl politisch als auch religiös ungebunden.
Insgesamt gibt es im deutschsprachigen Raum 24 solcher musischen Verbindungen, die sich den gleichen Prinzipien verbunden fühlen und sich seit 1863 zum Sondershäuser Verband (SV) zusammengeschlossen haben. Es gibt sie in den meisten Universitätsstädten, wie z.B. Berlin, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Freiburg und Tübingen.
Mit ca. 740 Philistern und 80 Aktiven ist der AGV seit langem die größte der musischen Studentenverbindungen Deutschlands.
1890 kaufte der AGV aus Spenden seiner Mitglieder das Gebäude „Scholastika“, in der Ledererstraße 5.
Dieses Haus wurde 1914 abgerissen und viel größer und schöner aus eigenen Mitteln wieder errichtet. Seit 1915 erstreckt es sich nun entlang der Sparkassenstraße von der Ledererstraße bis zur Münzstraße.
Es enthält ein Studentenwohnheim mit 17 Zimmern, viele Säle zum Musizieren und Feiern und einen großen Festsaal mit Bühne und im 3. Obergeschoss.
Mit großem finanziellen Einsatz der Mitglieder wurde dieses Kulturerbe im Herzen Münchens in den letzten Jahren ohne Fremdmittel vom Keller bis zum Dach renoviert und erstrahlt heute in neuem Glanz.
Der AGV unterhält einen großen gemischten Chor mit ca. 70 Mitgliedern, ein symphonisches Orchester mit ca. 40 Mitgliedern und eine Theatergruppe mit ca. 40 Mitgliedern. Alle diese Gruppen werden von professionellen Leitern geführt.
Hinzu kommt eine wechselnde Zahl von kleineren Gruppen, die gemeinsam musizieren, segeln, skifahren, wandern, ect.
Die großen Höhepunkte im Jahreslauf des AGV sind die Abschlusskonzerte und Theateraufführungen am Ende jedes Semesters, die Rektorenkneipe Anfang Dezember und der große Festball Ende Januar im Bayerischen Hof.
19.02.09 - peter lang
